Konstruktion, Technik und Architektur vereint

Dachkonstruktion der Wasserwelt "Rulantica" hergestellt

Baustoffe
Im Europa-Park Rust entstand im vergangenen Jahr eine neue Erlebniswelt: Rulantica. Ein Mix aus skandinavischem Stil, nordischen Landschaftszügen, fantasievollen Gestaltungen und mystischen Szenerien erzeugt eine eindrucksvolle Atmosphäre. Das bauliche Herzstück der Wasserwelt ist eine muschelförmige, 20 m hohe Halle mit rund 12.000 m² Nutzfläche, davon rund 3000 m² Wasserfläche. Mehr als 1000 Menschen aus rund 40 Gewerken trugen dazu bei, das komplexe Bauvorhaben erfolgreich abzuschließen. Foto: pbr

Rust (ABZ). – "Rulantica" ist eine nordisch thematisierte Indoor-Wasserwelt in der Nähe des Europaparks Rust. Ihr Herzstück ist eine muschelförmige Halle mit 20 m Höhe. An das 12 200 m² große Dachtragwerk wurden zahlreiche unterschiedliche Anforderungen gestellt. Unter anderem sollte die Hallemöglichst stützenfrei realisiert werden.

Auf einer Fläche, die rund 63 Fußballfeldern entspricht, entstand Ende vergangenen Jahres eine neue Wasserwelt in Rust. In neun thematisierten Bereichen mit 25 Wasserattraktionen, darunter 17 Rutschen, können sich die Besucher vergnügen. Eine Mischung aus skandinavischem Stil, nordischen Landschaftszügen, fantasievollen Gestaltungen und mystischen Szenerien erzeugt hier eine eindrucksvolle Atmosphäre. Der Europa-Park erzählt eine sagenumwobene Geschichte, die von MackMedia entwickelt und nun in Zusammenarbeit mit dem Coppenrath-Verlag als Romanserie herausgegeben wird. Diese Geschichte diente als Grundlage für die Ausgestaltung der Wasserwelt. Derzeit ist die Indoor-Wasserwelt wegen der Ausbreitung des Coronavirus leider geschlossen.

Das bauliche Herzstück der Wasserwelt ist eine muschelförmige Halle mit 20 m Höhe und rund 12.000 m² Nutzfläche, davon rund 3000 m² Wasserfläche. Mehr als 1000 Menschen aus rund 40 Gewerken trugen zum erfolgreichen Abschluss des komplexen Bauvorhabens bei.

An das 12 200 m² große Dachtragwerk wurden zahlreiche unterschiedliche Anforderungen gestellt. So galt es zum einen, die dem Schwimmbadbau geschuldeten klimatischen und technischen Gegebenheiten zu berücksichtigen, zum anderen, den Wünschen der Bauherrenschaft gerecht zu werden und nicht zuletzt, die konstruktiven und gestalterischen Aspekte einzubeziehen und entsprechend umzusetzen.

So sollte die Schwimmhalle einerseits großzügig belichtet und andererseits möglichst stützenfrei realisiert werden, denn aus allen Bereichen sollte eine Sicht auf die Projektionswand in der Halle gegeben sein. Weiterhin galt es, die für die Shows notwendige Bühnentechnik an der Konstruktion zu installieren, ebenso wie die restlichen technischen Anlagen.

Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, technische, klimatische und konstruktive und gestalterische Aspekte zu vereinen, wurden unterschiedliche Konstruktionen aus Stahl, Massiv- und auch Holz in verschiedenen Spannrichtungen analysiert. Die linear angeordnete Holzkonstruktion stellte sich schließlich als am besten geeignet heraus.

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Mittlerweile ist das Bauvorhaben abgeschlossen. Foto: M. Thoma

Angesichts der zahlreichen Anforderungen an das Tragwerk, gepaart mit dem sich zeitgleich entwickelnden Lüftungskonzept, das eine Einströmung der Zuluft von oben und ein Ansaugen der Luft im unteren Bereich der Halle vorsah, um Schadstoffe optimal von den Wasserflächen abzutransportieren, entstand die Vorstellung und die Notwendigkeit, Technik und Konstruktion zu vereinen. Konstruktion, Wärmedämmung, Abdichtung – alle Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit den TGA-Planern, die später auf die Stahlstützen unter anderem Entfeuchtungsanlagen, Lufttauscher und viele weitere Installationen setzten.

Allein im Bereich der Umkleiden und Gastronomie wurden an etwa 850 Stellen als Unterkonstruktion der Lüftungsgeräte und Lüftungskanäle die Abdichtungs- und Dämmebenen durchdrungen. Unterschiedliche Varianten, um Technik und Konstruktion zu vereinen, wurden untersucht.

Um den gewünschten nordischen Charakter des Gebäudes zu unterstützen, sind aus den Fachwerkbindern naturbelassene Holzfachwerkkästen entstanden. Das Faltwerk wurde aus Holzbindern konstruiert, in denen geschlossene, akustisch wirksame Flächen und verglaste Flächen im Bereich des Giebels im Wechsel zum Tragen kommen. In der Ausarbeitung sah die Planung zur Luftverteilung im Herzstück der Dachfläche ein Betonplateau vor, in dem ein 4 m x 3 m großer Zuluftkanal und ein nicht minder großer Abluftkanal über zwei Ebenen kreisförmig an den massiven Auflagern der Fachwerkbinder vorbeigeführt und angeschlossen wird.

Die angestrebte Stützweite der Binder wuchs auf bis zu 50 m. Jeweils fünf kreisförmig angeordnete Betonstützen mit einer Höhe von 16 m und einem Durchmesser von 1,2 m tragen diese Last in Einzelfundamente ab.

Aufgrund der großen Stützweite und der Dimensionierung der einzelnen Lüftungskanäle wurden Holzfachwerkkästen entwickelt, die das Dachfaltwerk vom Betonplateau über die Rundstützen in der Halle auf 4 x 4 m große, massive Fassadentürme abtragen.

Die Fassadentürme gliedern die verglaste Hauptfassade in fünf je 33 m breite Elemente. Sie geben der Fassade sowohl von außen als auch von innen eine Struktur. Die Gestalter von Mack Solution Design entwickelten eine ansprechende Verkleidung für diese Türme, die an Bürgertürme erinnern und eine imposante Fernwirkung haben. Die Fassadentürme haben aber nicht nur eine gestalterisch, sondern auch eine technisch wichtige Position, denn sie dienen auch dazu, die Abluft anzusaugen und über die Holzfachwerkkästen weiter zur Lüftungszentrale zu transportieren.

In den Fachwerkkonstruktionen haben neben der Lüftung auch andere technische Komponenten ihren Platz. So erfolgen hier außerdem in den dafür ausgebildeten Kehlen die Dachentwässerung und die Steuerung der RWA-Anlagen und der zu öffnenden Oberlichter. Weiterhin wurde in den Fachwerkkonstruktionen die Hallenbeleuchtung installiert. Zu Wartungszwecken und zur flexiblen, auch nachträglichen, Installation von Eventequipment wurde in jedem der Hauptträger ein Wartungsgang vorgesehen, der über das Betonplateau betreten werden kann.

Nachdem die konzeptionelle Idee des Dachtragwerkes beschlossen wurde, konnte die Leistung ausgeschrieben werden. Es wurde dabei eine funktionale Beschreibung gefertigt, der sämtliche Architekturpläne und eine Vorstatik des Ingenieurbüros Göppert beilagen. Die Bieter wurden aufgefordert, über wirtschaftliche Alternativen nachzudenken. Neben reinen Holzkonstruktionen wurden auch Varianten, bestehend aus Holz-Stahl Fachwerkträger als Mischkonstruktion, angeboten.

Die Bieter hatten neben der Errichtung auch die finale Dimensionierung der Dachkonstruktion als Aufgabe. Aus dem Bieterkreis konnte die Firma Amann mit fachlichen und wirtschaftlichen Lösungen überzeugen.

Bei den planerischen Überlegungen zur Montage des Dachtragwerkes wurde schnell deutlich, dass ein Hereinheben der Holzbinder von außen in die fertiggestellte Badelandschaft aufgrund der Hallenhöhe und der Spannweiten sehr aufwendig sein würde. Es stand daher früh fest, dass die Bindermontage vom Halleninneren erfolgen musste, um die Montagekosten wirtschaftlich abzuwickeln. Diese Vorgehensweise wurde mit der beauftragten Rohbaufirma im Detail besprochen und geplant, so dass große Teile der Rohbauleistung unter fertiggestellter Dachkonstruktion erbracht wurden. Im Inneren der Halle wurden Beckenlandschaften für die notwendigen Mobilkräne hergerichtet. Außerdem wurde vor der Hauptfassade ein Richtplatz mit einer Fläche von in etwa 8000 m² erstellt. Hier wurden die angelieferten Holzbauteile endmontiert und eingebracht. Der Bauablauf war so organisiert, dass die Bindermontage sowie die Bestückung der Binder mit Haustechnik (Lüftungskanäle, Beleuchtung, Verkabelung) am Boden erfolgte und mittels rohbauseitigen Turmdrehkränen in Kombination mit temporären Mobilkränen eingehoben wurden. Um im Hallenbereich auf kostenintensive Flächengerüste zu verzichten, wurde die akustisch wirksame Unterdecke bereits in der Rohbauphase mit den Brettschichtholzplatten montiert. Die notwendige Notabdichtung galt gleichermaßen als Dampfsperre für den späteren Dachaufbau.

Die Bauzeit der Maßnahme betrug rund 24 Monate. Die Planung und Realisierung dieses in weiten Teilen ambitionierten Dachtragwerks gelang im vorgesehenen Terminplan- auch, weil die beteiligten Firmen und Ingenieure sehr konstruktiv zusammenarbeiteten.

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