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Konstruktion und Genuss

Transportables Café aus Gerüstmaterial gebaut

Ästhetik

Architekturstudent Simon Heidenreich in Aktion: Mit seiner Abschlussarbeit – einem Cafépavillon aus Ringscaff-Material – zeigt er, dass Gerüste auch im gastronomischen Umfeld eine gute Figur machen.

WEIMAR (ABZ). - Simon Heidenreich studiert Architektur in Weimar, und er ist bekennender Kaffee-Junkie. Was liegt also näher als für seine Abschlussarbeit ein Thema zu wählen, bei dem Konstruktion und Genuss sich in einem Projekt verbinden lassen? Nachdem er sich intensiver mit dem Thema Kaffeehauskultur beschäftigt hatte und sah, dass die Wichtigkeit des Kaffeehauses als Ort kulturellen Geschehens auf dem steil absteigenden Ast war, wollte er diese besondere Atmosphäre in einen Pavillonbau verpacken, mitnehmen und überall dort aufbauen, wo er es für nötig hielt, um ein bisschen Wärme und gesprächige Gemütlichkeit hinzubefördern.

Seine erste Idee war es eigentlich, eine Rahmenkonstruktion speziell anfertigen zu lassen, jedoch hatte er die Lohnkosten eines Schlossers ein wenig unterschätzt und musste sich deshalb nach einer Alternative umsehen. Diese sollte natürlich modular sein, erweiterbar und mit möglichst wenig Komponenten auskommen. Messebausysteme fielen aus, da ebenfalls sehr teuer. Und für einen Pavillon, der schnell auf- und abgebaut werden sollte, waren Schraubverbindungen einfach zu zeitintensiv. Wie der Zufall es wollte, war zu jenem Zeitpunkt sein Weimarer Unigebäude gänzlich eingerüstet. „Da ist mir die Idee mit dem Baugerüst gekommen“, meint Simon Heidenreich. „Es war auch nicht schwer, Referenzen für architektonische Entwürfe aus Baugerüst zu finden; allen voran natürlich Jürgen Mayer H.s ‚Schaustelle‘ in München an der Pinakothek der Moderne.“ Die Vorteile des Gerüsts lagen für ihn auf der Hand: Einfach auf- und abzubauen, beliebig erweiterbar, kleines Packmaß im zerlegten Zustand. Nach Recherchen im Internet zum Thema Baugerüste hat er sich für den Anbieter Scafom-rux entschieden; Zitat: "Weil die Website am besten aussah und am einfachsten die Infos preisgab, die ich wollte — nicht zu unterschätzende Kriterien für fachfremde Personen." Nach ein, zwei netten Telefonaten hatte er auch schon die detaillierten Bauzeichnungen und einen Kostenvoranschlag; den Tenor seitens Scafom-rux empfand er als sehr interessiert und offen. Sogar ein Probeaufbau im Showroom des Hagener Herstellers war kein Problem, und so konnte im Gespräch mit den Gerüstbauexperten noch hier und da optimiert werden.

Am Gerüst selbst wurde wenig modifiziert; hauptsächlich wurden eigene Erweiterungen gebaut, die in das System eingriffen. Und was nicht passte, wurde kurzerhand passend gemacht: z. B. gab es den Ringscaff-Konsolriegel nicht in der für einen Tisch notwendigen Länge, so dass kurzerhand ein langer Horizontalriegel mit der Metallbandsäge der Uniwerkstatt zerlegt wurde. Auch der Plan, Gerüstbohlen als Sitz- bzw. Tischflächen zu nutzen, wurde schnell verworfen. Die Tisch-/Bankmodule bestanden am Ende aus geölter und geschliffener Douglasie, die man mittels zwei Stahlwinkeln und einem Spanngurt zwischen zwei Konsolriegel klemmen konnte (einzeln für eine Bank, zwei für einen Tisch). Außerdem wurden selbst gedrechselte Holzstopfen mit Nut als Führung für die Spanngurte entwickelt, die diagonal vom Gerüst auskragten und mit denen man das Segeldach nach außen spannte. I-Tüpfelchen war der 78er-Gewindefuß, der jetzt kopfüber in der Mittelsäule seinen Dienst als zentrale Spannvorrichtung erfüllte – einfach mal um die Ecke gedacht . . . bei Scafom-rux war man begeistert vom Ideenreichtum des Cafébetreibers. Zuletzt nähte er sogar noch eine Hängematte, die mittels Schäkeln in den Ringen der Vertikalstreben befestigt wurde und in der nun die Gäste (oder der Gastgeber) sehr bequem sitzen konnten.

Simon Heidenreich ist sichtlich zufrieden und konnte die Konstruktion auch schon einige Male erfolgreich testen. "Die Tatsache, dass das Gerüst auch auf einen wesentlich heftigeren Einsatz ausgelegt ist, heißt natürlich auch, dass es für meine Verwendung statisch ein bisschen 'übermotorisiert' ist. Aber so muss ich mir keine Sorgen um die Sicherheit meiner Gäste machen. Für das Gerüst ist das ja sicher wie Urlaub." Sollte mal kein Bedarf für ein Café bestehen, würde man den Pavillon beispielsweise auch als Bar, DJ-Pult, Bühne, Beamerturm oder Mischpulthäuschen nutzen können. Und wie sieht seine Zukunft im Gerüstsektor aus? Der zukünftige Architekt hat noch weitere Ideen: "In der Zukunft könnte ich mir sehr gut vorstellen, noch einmal etwas aus Baugerüst zu machen. Die universelle Einsetzbarkeit und die totale Multifunktionalität eines unendlich erweiterbaren System lässt einem ja immer noch ein paar Wege offen. Konkret wäre natürlich ein Messestand oder so etwas in der Richtung denkbar. Aber erstmal widme ich mich wieder meinem 'normalen' Studium." Darauf einen frisch gebrühten Kaffee!

Am Gerüst selbst wurde wenig modifiziert; hauptsächlich wurden eigene Erweiterungen gebaut, die in das System eingriffen. Und was nicht passte, wurde kurzerhand passend gemacht: z. B. gab es den Ringscaff-Konsolriegel nicht in der für einen Tisch notwendigen Länge, so dass kurzerhand ein langer Horizontalriegel mit der Metallbandsäge der Uniwerkstatt zerlegt wurde. Auch der Plan, Gerüstbohlen als Sitz- bzw. Tischflächen zu nutzen, wurde schnell verworfen. Die Tisch-/Bankmodule bestanden am Ende aus geölter und geschliffener Douglasie, die man mittels zwei Stahlwinkeln und einem Spanngurt zwischen zwei Konsolriegel klemmen konnte (einzeln für eine Bank, zwei für einen Tisch). Außerdem wurden selbst gedrechselte Holzstopfen mit Nut als Führung für die Spanngurte entwickelt, die diagonal vom Gerüst auskragten und mit denen man das Segeldach nach außen spannte. I-Tüpfelchen war der 78er-Gewindefuß, der jetzt kopfüber in der Mittelsäule seinen Dienst als zentrale Spannvorrichtung erfüllte – einfach mal um die Ecke gedacht . . . bei Scafom-rux war man begeistert vom Ideenreichtum des Cafébetreibers. Zuletzt nähte er sogar noch eine Hängematte, die mittels Schäkeln in den Ringen der Vertikalstreben befestigt wurde und in der nun die Gäste (oder der Gastgeber) sehr bequem sitzen konnten.

Simon Heidenreich ist sichtlich zufrieden und konnte die Konstruktion auch schon einige Male erfolgreich testen. „Die Tatsache, dass das Gerüst auch auf einen wesentlich heftigeren Einsatz ausgelegt ist, heißt natürlich auch, dass es für meine Verwendung statisch ein bisschen 'übermotorisiert' ist. Aber so muss ich mir keine Sorgen um die Sicherheit meiner Gäste machen. Für das Gerüst ist das ja sicher wie Urlaub.“ Sollte mal kein Bedarf für ein Café bestehen, würde man den Pavillon beispielsweise auch als Bar, DJ-Pult, Bühne, Beamerturm oder Mischpulthäuschen nutzen können. Und wie sieht seine Zukunft im Gerüstsektor aus? Der zukünftige Architekt hat noch weitere Ideen: „In der Zukunft könnte ich mir sehr gut vorstellen, noch einmal etwas aus Baugerüst zu machen. Die universelle Einsetzbarkeit und die totale Multifunktionalität eines unendlich erweiterbaren System lässt einem ja immer noch ein paar Wege offen. Konkret wäre natürlich ein Messestand oder so etwas in der Richtung denkbar. Aber erstmal widme ich mich wieder meinem 'normalen' Studium.“ Darauf einen frisch gebrühten Kaffee!

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