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"Lebensraum Ziegel"

Deutsche Mauerziegelindustrie startet gemeinsame Kampagne

Von Robert Bachmann

Wienerberger, Baupolitik und Verbände, Unipor, Poroton, Mein Ziegelhaus, Baustoffe, Unternehmen, Mauerwerksbau

Die Initiatoren des Projekts "Lebensraum Ziegel" (v. l.): Hans R. Peters (Mein Ziegelhaus), Dr. Thomas Fehlhaber (Unipor) und Clemes Kuhlemann (Deutsche Poroton).

MÜNCHEN. - Gemeinsam für die Vorzüge des gebrannten Tons werben. Mit diesem Ziel haben die Unternehmen Unipor, Mein Ziegelhaus, Deutsche Poroton und Thermopor eine herstellerneutrale Marketing- und Informationskampagne gestartet. Auf einer Pressefahrt erklärten die Initiatoren des Projekts, worum es ihnen bei der Aktion "Lebensraum Ziegel" geht.

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An diversen Stationen konnte sich die Vertreter der Fachpresse von der Leistungsfähigkeit des Mauerziegels im modernen Wohnbau überzeugen.

Die Mauerziegelindustrie erwirtschaftet nach Angaben der Aktionspartner rund 450 Mio. Euro jährlich. Etwa 2,96Mrd. Hintermauerziegel im Normalformat (NF) seien 2014 von den ungefähr 1500 gewerblichen Mitarbeitern der Branche produziert worden. Fast die Hälfte aller Häuser in Deutschland bestünden aus Mauerziegeln. Das mache den gebrannten Ton als Baustoff im Mauerwerksbau zum klaren Marktführer. Dass die rund 30 Unternehmen in Deutschland bislang nur z. T. Öffentlichkeitsarbeit betrieben haben, sei ein Versäumnis, das im Widerspruch zu dem doch eher konzertierten Vorgehen stehe, wie es in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. "Wir stehen zwar im Wettbewerb miteinander, jedoch handelt es sich dabei um einen 'befreundeten Wettbewerb'", sagte Hans R. Peters, Geschäftsführer von Mein Ziegelhaus, auf dem Weg zu einem der Objekte, die der Fachpresse während der Pressefahrt zur Aktion "Lebensraum Ziegel" gezeigt wurden. Peters ist einer von vier Initiatoren des Projekts. Ihm zur Seite stehen die Unternehmen Deutsche Poroton, Unipor und Thermopor. Gemeinsam haben sie eine herstellerübergreifende Marketingstrategie entwickelt, die auf ein breitgefächertes Informationsangebot rund um das Produkt Mauerziegel setzt.

Eben dieses Produkt sei der gemeinsame Nenner, der letztlich zu dieser etwas ungewöhnlichen Aktion geführt habe. Bei allen Fortschritten im Bereich der Ziegelentwicklung würden doch nur selten technische Quantensprünge gemacht, mit denen sich einzelne Hersteller gegenüber den Wettbewerbern abheben könnten. Auch habe man bereits in Projekten wie der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel die Erfahrung gemacht, dass ein gemeinsames Vorgehen im Sinne des herstellerneutralen Gattungsmarketings erfolgreich sein kann. So sei schließlich die Idee zur Aktion "Lebensraum Ziegel" entstanden, mit der auf die wachsenden Werte der Ziegelbauweise hingewiesen werden soll.

Zentraler Informationskanal ist die Internetseite www.lebensraum-ziegel.de. Auf der Website sollen sich Bauingenieure, Architekten und sonstige Entscheidungsträger umfassend zu den Vorteilen des gebrannten Tons informieren können. Neben einem Ziegellexikon, in dem alles Wissenswerte zum Thema übersichtlich aufbereitet wurde, gibt es unter anderem zahlreiche Referenzen aus der gesamten Republik zu entdecken. Darüber hinaus hält die Seite eine Übersicht über ziegelaffine Architekten und Baufirmen sowie einen Ratgeber zum Thema Verbraucherschutz bereit. Letzterer wurde zusammen mit dem Bauherrenschutzbund e.V. erarbeitet, der neben der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e. V. und dem Ziegelzentrum Süd e. V. als Kooperationspartner des Projekts auftritt.

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Das "Haus 22" der Architekten baumschlager eberle demonstriert eindrucksvoll die Nachhaltigkeit eines guten Baustoffs in Kombination mit durchdachter Architektur.

Der Grund für die Aktion sei ein "rasant gewachsener Informationsbedarf und ein bislang fehlendes Konzept für Marketing zum Mauerziegel", so Dr. Thomas Fehlhaber, Geschäftsfüher der Unipor-Ziegel Marketing GmbH. Angesichts der immer komplexer werdenden Bauaufgaben sei es wichtiger denn je, die Vorteile der Ziegelbauweise klar herauszustellen, ergänzte Hans R. Peters. "Das betrifft den Wärme-, Brand- und Schallschutz ebenso wie die Statik. Von besonderer Bedeutung sind ein wohngesundes Raumklima dank Speicherfähigkeit sowie Wartungsarmut und Wertzuwachs."

Bereits jetzt seien Ziegelhäuser in der Lage, die strengen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 zu erfüllen. Ein Aspekt, auf den die Ziegelhersteller zwar stolz sind, an den sich jedoch auch Kritik anschließt. Nach Aussage von Dr. Thomas Fehlhaber belaste die nächste Stufe der EnEV die Außenwand überdurchschnittlich stark. Dabei gehe in modernen Gebäuden kaum noch Wärme über die Wände verloren. Vielmehr müsse die Berechnung von Fensterflächen in den Fokus rücken. "Sogenannte Glaspaläste, die mit teurer Klimatechnik temperiert werden, sollten wir uns nicht länger leisten", so der Unipor-Geschäftsführer. Nicht weniger kritisch gehen die Branchenvertreter mit dem Thema der energetischen Sanierung ins Feld. Vor allem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit erweise sich der Ersatzneubau mit speicherfähigen Mauerziegeln aus gebranntem Ton als die bessere Alternative.

Als Kampfansage gegenüber der aktuell im Fokus der medialen Berichterstattung stehenden Dämmstoffindustrie möchten die Verantwortlichen ihr Projekt nicht verstanden wissen. Zwar sollen die Vorzüge der Ziegelbauweise deutlich herausgestellt werden, jedoch erkenne man durchaus an, dass Wärmedämmverbundsysteme etwa im Bereich der Sanierung eine unbestreitbare Daseinsberechtigung hätten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der kommuniziert werden soll, ist der Mauerziegel im Kontext des Mehrgeschossbaus. Hier sei ein deutliches Wachstum der Branche auszumachen, wie Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer Deutsche Poroton, erklärte: "Durch Entwicklung von neuen Produkten und Ziegelsystemen ist die Industrie heute in der Lage, den spürbaren Aufschwung im mehrgeschossigen Wohnungsbau aktiv mitzugestalten. Bislang war im vierten Geschoss sozusagen Schluss, was die Statik angeht. Hightech-Ziegel von heute machen sicheren Geschossbau bis zu neun Geschossen möglich."

Gleiches gelte für den Trend zur Verdichtung in Ballungszentren. Auch hier könne der Mauerziegel punkten. Insbesondere bei den Themen Brand- und Schallschutz, nicht zuletzt aber auch in puncto Wohngesundheit. Kuhlemann: "Massive Konstruktionen bieten notwendige Speichermassen und sorgen im Inneren für angenehmes Raumklima – im Winter wie im Sommer. Auch mit Blick auf die demografische Situation ein neu zu bewertender Vorteil der Ziegelwand."

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Architekt Prof. Willem Bruijn: "Viel wichtiger, als auf die Baukosten an sich zu schauen, ist es, die operativen Kosten so gering wie möglich zu halten."

Wie das alles in der Praxis aussehen kann, davon konnten sich die anwesenden Journalisten während der Pressereise selbst ein Bild machen. An verschiedenen Stationen wurden Objekte in Ziegelbauweise gezeigt, bei denen die oben genannten Vorteile des Baustoffs zum Tragen kommen. Besonders eindrucksvoll präsentierte sich dabei das sogenannte "Haus 2226" im österreichischen Lustenau. Es wurde als Prototyp einer neuen, stark reduzierten Bauweise für Gewerbeimmobilien von den Architekten baumschlager eberle entworfen und realisiert. Ganze 80 cm stark seien die Wände des aus gefüllten Ziegeln erstellten Gebäudes, wie Prof. Willem Bruijn von baumschlager eberle erklärte. Ziel sei es gewesen, soweit wie möglich auf zusätzliche Installationstechnik zu verzichten. Bis auf eine einfache Belüftungsmechanik ist dies auch gelungen. Trotz des Verzichts auf Heizung bzw. Klimatechnik herrscht im gesamten Gebäude stets ein konstantes Raumklima, was neben der cleveren Architektur vor allem der Speicherfähigkeit der verwendeten Ziegel zu verdanken ist.

"Gebäude werden heute für eine Nutzungsdauer von 100 und mehr Jahren konzipiert", erklärte Prof. Bruijn den anwesenden Journalisten. "Viel wichtiger, als auf die Baukosten an sich zu schauen, ist es deshalb, die operativen Kosten so gering wie möglich zu halten." Mit seinen positiven Eigenschaften sowie seiner Beständigkeit sei der Mauerziegel in puncto Nachhaltigkeit ein idealer Baustoff.

In den kommenden Monaten soll die Marketing- und Informationskampagne "Lebensraum Ziegel" durch weitere Angebote ergänzt werden. Neben einer kontinuierlichen Pressearbeit und Tools zur Marktforschung sind unter anderem spezielle Seminare, Webinare und andere Veranstaltungen geplant.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 18/2015.

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