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Leerstandskonferenz

Neudenken von Produktionsleerständen

Luckenwalde (ABZ). – Es war die erste Auflage der Leerstandskonferenz, die das Architektur- und Planungsbüro nonconform in Deutschland abgehalten hatte. Die Premiere in Luckenwalde war ein Erfolg: "Ich hatte mir Geistesblitze gewünscht", bilanzierte Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide. "Doch das war viel zu kurz gesprungen. Hier gab es nicht nur Diskussionen, sondern Ideen, ausgeformte Konzepte und erfolgreiche Projekte von 130 Köpfen." Fachpanels, Podiumsdiskussionen und Workshops, Filmbeiträge, Spaziergänge, konkrete Nachnutzungsaktionen und Performances im leeren Schwimmbecken des Stadtbads waren im Programm. Das Thema Neudenken von Produktionsleerständen wurde nicht nur aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, sondern auch in neuen Kombinationen diskutiert.

"Orte der Arbeit – Der lange Weg zum Neuanfang", lautete der Titel einer MDR-Produktion, die den filmischen Auftakt in die dreitägige Konferenz gab. Um "Zukunft auf dem Land", "Kulturwandel der Arbeit" sowie "Baukultur und leerstehende Produktionsstätten" drehten sich an den beiden Folgetagen die Themenbeiträge und Diskussionen. Dazwischen schuf das nonconform-Team ungewohnte Settings, um in verschiedenen Workshops Methoden des Improvisationstheaters, Demonstrationen, spontane Konzeptentwicklungen und neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Gestaltern und Verwaltern zu diskutieren und auszuprobieren. Ein wichtiges Erfolgskriterium für gelungene Leerstandsprojekte nannte Thomas Drachenberg, Landeskonservator und stellvertretender Direktor des brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege: "Entwicklung muss von unten kommen. Mischt man das mit Sachverstand, entsteht etwas." Der Vorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel, prognostizierte eine Epoche der Bestandsentwicklung mit Umbau als Thema der Zukunft. Was aus Leerständen entstehen kann, zeigte ein Ideenfeuerwerk zum Abschluss der Konferenz.

13 Projektentwickler stellten in Kurzvorträgen erfolgreiche Leerstandsprojekte vor: Etwa eine Skifabrik, die zu einem Erholungsheim für langzeitbeatmete Kinder wurde. Ein "Workation Retreat", das auf einem alten Gutshof Leben und Arbeiten neu zusammenbringt oder ein "Balkon Tuning Büro" für niedrigschwellig umsetzbare Bürger-Ideen. Moderator Wojciech Czaja, Publizist und Buchautor aus Wien, bilanzierte abschließend: "Es hat sich wieder gezeigt, dass der größte Feind der Veränderung die Gewohnheit ist!" Was nehmen die Teilnehmer am Ende mit? "Wir müssen im Kopf aufmachen, um etwas zu verändern", betonte Sabine Djahanschah von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Tore Dobberstein, vom Architekturbüro complizen, erklärte: "Leerstand ist keine Last, sondern ein Geschenk! Manche Geschenke muss man erst auspacken, drehen, wenden und verstehen bis man sie richtig nutzen kann."

Roland Gruber, Gründer von nonconform und Initiator der Leerstandskonferenz, äußerte den provokativen Wunsch, Bauverordnungen für Leerstände aufzuheben: "Dass für alle Leerstände die Bauverordnungen ausgesetzt und stattdessen eine Experimentierverordnung eingesetzt wird. Das Neudenken von solchen Orten braucht Frischluft und eine Laborphase." Dass Dörfer, Gemeinden, Städte und Leerstände für den Beginn des Transformationsprozesses oft nur einen liebevollen Blick benötigen, schilderte Turit Fröbe, Gründerin der "Stadtdenkerei": "Wenn man anfängt, sich in die Details zu vertiefen, kann man auch den Banalsten was abgewinnen. Stadt wird dadurch schöner und lebenswerter."

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