Lehmklima-System

Radiatoren-Heizung durch "eSYSTEM" ersetzt

Ökologisches Bauen
Das Schlangenhaus Dessau gehört zum UNESCO-Welterbe und wurde mit einer Lehm-Direktheizung von ArgillaTherm ausgestattet. Foto: Schlangenhaus im Luisium, KsDW, Bildarchiv/Heinz Fräßdorf

Dessau (ABZ). – Das Schlangenhaus ist ein neugotischer Gartenpavillon im östlichen Dessauer Ortsteil Waldersee. Es gehört zum Luisium – einer Gartenanlage mit Schloss – und zum UNESCO-Welterbe. Das Backsteinhaus nach englischen Vorbildern wurde 1790 erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das ursprünglich als Gästehaus genutzte Gebäude dem Verfall nahe.

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten vermieten die Eigentümer es seit 1996 als Ferienwohnung. Zuletzt sollte die veraltete Radiatoren-Heizung komplett erneuert werden. Unter dem Blechdach befand sich eine Isolierung aus Glaswolle. Dort ist es in der Vergangenheit zu Feuchtigkeitsproblemen und Schimmelbildung gekommen, teilen die Verantwortlichen mit. Die mit der Sanierung beauftragten Architekten von 3RAUMplanung in Dessau suchten nach einer passenden Lösung, um die Feuchtigkeit bestmöglich zu regulieren. Die Entscheidung fiel auf das "eSYSTEM" von ArgillaTherm. Dabei handelt es sich um ein multifunktionales Lehmklima-System, das laut Hersteller bis zu fünf Funktionen auf einer Fläche erfüllt: Heizen, Kühlen, Feuchteregulierung, Luftreinigung und verbesserte Akustik. Zudem neutralisiere es Luftschadstoffe und absorbiere Gerüche.

Die Lehmmodule aus überwiegend dreischichtigen Tonmineralien sind AgrillaTherm zufolge für die gute Sorptionsfähigkeit verantwortlich. Innerhalb von zwölf Stunden könne das System pro Quadratmeter mehr als 100 g Feuchtigkeit aufnehmen. Nach 24 Stunden seien es mehr als 200 Gramm und das Maximum liege bei mehr als 500 g Feuchtigkeitsaufnahme pro Quadratmeter. Das hat die Materialforschungs- und -prüfanstalt (MFPA) der Bauhaus-Universität Weimar gemessen und zertifiziert.

Wegen der speziellen Raum- beziehungsweise Deckenzuschnitte sei nur ein modulares System infrage gekommen, das individuell zugeschnitten werden konnte. Die Mitarbeiter belegten die etwa 70 m² große Deckenfläche mit den leistungsstarken Lehmmodulen von AgrillaTherm. Befestigt wurden sie dabei auf einer abgehängten Holzlattenkonstruktion (Kreuzlattung). Die Aufbauhöhe ab Unterkonstruktion betrug 3 cm. Die Ausführenden stellten die Oberflächenbeschichtung aus 5 mm Lehmputz und weißer Lehmfarbe her. Die Installation habe lediglich drei Tage gedauert, heißt es von den Verantwortlichen.

Das System habe sich bereits im ersten Winter bewährt und gezeigt, dass es alle Anforderungen erfüllt. Die Raumluftfeuchtigkeit liege konstant bei etwa 50 %, vorher habe dieser Wert bei 70 bis 90 % gelegen. Zudem sei es vorteilhaft, dass das System völlig wartungsfrei funktioniere. Die Raumtemperaturen liegen bei Nichtnutzung bei 17 °C, sind die Ferienwohnungen vermietet, ist es im Schlangenhaus 22 °C warm. Diese Temperaturen halte das "eSYSTEM" mit einer Abweichung von ± 0,5 °C konstant. Im Tagesrhythmus schaltet sich zudem die Elektro-Direktheizung rund zehnmal für 20 bis 30 Minuten ein. Mit dem neuen System sparen die Eigentümer etwa 30 % mehr Energiekosten als mit der alten Heizung. Die Verbrauchswerte liegen bei ungefähr 2,60 Euro pro Heiztag, teilt AgrillaTherm mit. Auch im Sommer spielen die Lehmmodule ihre Vorteile aus, denn sie sorgen an heißen Tagen für kühle Innenräume.

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