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Leichtputz als Wärmedämmung

Schloss Günzburg wird für insgesamt 20 Millionen Euro generalsaniert

Schloss Günzburg wird saniert.

Günzburg (ABZ). – Eine architektonische, planerische und städtebauliche Herkulesaufgabe haben Planer Theodor Merk und seine Kollegen vom Staatlichen Bauamt in Krumbach übernommen: Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat verantworten sie die Generalsanierung von Schloss Günzburg.

Das mit 20 Millionen Euro budgetierte Projekt ist für Merk und seine Projektpartner in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung: Einerseits soll der Charme des ehemaligen Renaissanceschlosses des Markgrafen Karl von Burgau wieder aufleben, andererseits steht die künftige Nutzung der Räumlichkeiten im Fokus. Dafür sei es in erster Linie wichtig, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des im Schloss untergebrachten Finanzamtes moderne Arbeitsplätze zu bieten, so die Verantwortlichen. Ziel sei es aber auch, den Besuchern im Service-Zentrum des Amtes die Geschichte von Schloss Günzburg zu vermitteln.

Derzeit ist das Amtsgericht in einen neuen Passivhaus-Neubau umgezogen, sodass die Generalsanierung des Schlosses in drei großen Bauabschnitten erfolgen kann.

Im Bauabschnitt eins wird zunächst der Westflügel saniert und mit ihm die historische Nahtstelle zwischen dem spätgotischen Hauptbau und der Renaissanceanlage aus dem 16. Jahrhundert. Im Westflügel soll der Haupteingang und das Service-Zentrum des Finanzamtes untergebracht werden.

Für die Dämmung des Gebäudes hat sich das Staatliche Bauamt Krumbach für eine spritzbare Dämmung entschieden. Die Verantwortlichen setzen den laut Hersteller hoch wärmedämmenden Leichtputz TRI-O-THERM M der Akurit Putztechnik ein. Die Marke gehört zur Sievert AG.

Außen appliziert ein Mitarbeiter den Putz TRI-O-THERM M zweischichtig und etwa 6 cm dick.

"Die große Herausforderung für uns besteht darin, die Historie des Schlosses erlebbar zu machen", sagt Merk. "Dabei wollen wir allerdings sehr zurückhaltend sein, wir wollen nicht historisieren. Die unterschiedlichen Epochen sollen zwar sichtbar bleiben, aber wir möchten nicht Geschichte in das Gebäude hinein interpretieren." Schloss Günzburg werde derzeit erstmals in seiner mehr als 560-jährigen Geschichte ganzheitlich saniert. "Bei den früheren Sanierungsmaßnahmen, vor allem zwischen 1950 und 1980, ist leider wertvolle Bausubstanz zerstört worden. Damals wurden nicht nur die Reste der noch vorhandenen historischen Putze abgeschlagen, sondern es wurden anschließend auch noch viel zu harte neue Zementputze verwendet, die für die Bausubstanz absolut ungeeignet, ja sogar schädlich waren", so Merk.

Denn in Verbindung mit mehreren Schichten von kunststoffhaltigen Dispersionsanstrichen hätten die verwendeten Zementputze Merk zufolge das Mauerwerk vollständig abgesperrt. So konnte keine Feuchteregulierung stattfinden. Dadurch seien Ziegel zerstört worden und auch die verwendeten Mörtel verloren an Bindefähigkeit.

Die Stabilität des Mauerwerks war ernsthaft gefährdet. "Die einzige sinnvolle Lösung für die Sanierung war es daher, die gänzlich ungeeigneten Zementputze vollständig abzutragen", so Merk. In dieser Beurteilung gibt ihm Bauforscher Dr. Bernhard Niethammer aus Thannhausen recht: "Damals zerstörte man sowohl die barocke Architekturfarbigkeit als auch die über weite Strecken noch erhaltene Renaissancegestaltung des späten 16. Jahrhunderts. Die sehr aufwändige Gestaltung der Außenfassaden wurde ohne vorherige Befundung oder Dokumentation nach und nach vollkommen beseitigt."

Als Gliederungselemente des neuen Konzeptes dienen in den Putz eingearbeitete 2,5 cm starke Linien. Eine zweigeschossige Glasfassade wird im Eingangsbereich umgesetzt. Um für eine gute Energiebilanz des Schlosses zu sorgen, verwenden die Verantwortlichen einen Wärmedämmputz, um die Gebäudehülle zu sanieren.

"Ursprünglich haben wir da an ein Dämmputzsystem mit Aerogel-Technologie gedacht", sagt Merk. Dieses wäre aber zu teuer geworden. Schließlich müssen am Schloss Günzburg 3500 m² Außenfassade gedämmt werden. Die Projektplaner entschieden sich dazu, den EPS- und aerogel-freien Leichtputz TRI-O-THERM M zu nutzen. Herstellerangaben zufolge ist dieser hochwärmedämmend und nichtbrennbar.

"Mit einem Lambda-Wert von 0,055 W/mK erreichen wir energetisch Spitzenwerte, die denen eines Neubaus entsprechen", sagt Merk. "Darüber hinaus stellen wir sicher, dass das Wand- und Dämmsystem diffusionsoffen und kapillarleitend ausgeführt werden kann." Das schone das Mauerwerk und sorge für Behaglichkeit.

Die Bauausführenden verwendeten den Leichtputz TRI-O-THERM M sowohl außen als auch im Inneren des Schlosses. Auf den Außenwänden trugen die Arbeiter den Putz zweischichtig und in etwa 6 cm dick auf. Innen wurde TRI-O-THERM M dagegen einschichtig und 3 cm dick appliziert. Durch die niedrige Wärmeleitfähigkeit von 0,055 W/mK hätten bereits geringe Schichtdicken für einen hohen Dämmeffekt ausgereicht, berichten die Verantwortlichen. "Bei diesen Dimensionen spart das nicht nur zig Tonnen an Material, sondern natürlich auch jede Menge Bauzeit", sagt Markus Hager. Er ist der für Schloss Günzburg verantwortliche Projektmanager der Sievert AG.

Die Mitarbeiter des ausführenden Stuckateurbetriebs, der Jakob Schnitzer & Sohn Stuckgeschäft GmbH aus Augsburg, waren beeindruckt davon, wie leicht das Produkt verarbeitet werden kann. "Es ist schon klasse, wie viel Fläche sich in so kurzer Zeit mit der TRI-O-THER-M-Technologie dämmen lässt", sagt Günter Schmid, einer der verantwortlichen Stuckateure am Bauprojekt in Günzburg. "Für uns war es ganz wichtig, dass sich der Trockenmörtel auch mit der herkömmlichen Maschinentechnik, also unserer G4, sehr gut verarbeiten lässt." Durch das rasche Abbindeverhalten des Putzes und die kurzen Standzeiten konnten die Arbeiter auf der Schloss-Baustelle flexibel reagieren. Je nach Baufortschritt und Bedarf konnten sie außen und innen arbeiten, um die nächste Schicht aufzubringen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 17/2020.

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