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Mall und Kronimus

"Der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung gehört die Zukunft"

Von Robert Bachmann

Mall, Fachtagungen und Kongresse, Betonfertigteile, Entwässerung, Regenwassermanagement

Gemeinsam für die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung (v. l.): Markus Böll (Pressesprecher Mall), Martin Lienhardt (Leiter der Technischen Abteilung bei Mall), Harald Sommer (Ingenieurgesellschaft Prof. Sieker mbH), Markus Grimm (Geschäftsführer Mall) und Martin Kronimus (Vorstandsvorsitzender Kronimus).

MÜNCHEN (ABZ). - "Wohin mit all dem Wasser?" Diese Frage bildete den Ausgangspunkt einer gemeinsamen Medienveranstaltung der Entwässerungsspezialisten Mall und Kronimus in München. Die Antwort kann nach Ansicht beider Unternehmen einzig in der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung liegen.

Ganz gleich, wie man sich auch zu den bislang gewonnen Erkenntnissen zum Klimawandel und seinen Auswirkungen stellen mag – dass es ihn gibt, ist angesichts seiner immer deutlicher zutage tretenden Folgen nicht mehr zu leugnen. In Deutschland sind es insbesondere die vermehrt auftretende Starkregenereignisse, die uns Jahr für Jahr vor große Probleme stellen. Angesichts der gewaltigen Wassermassen, die punktuell in das bestehende Kanalnetz drängen, stoßen altbewährte Entwässerungssysteme mehr und mehr an ihre Grenzen. Die Folge sind Überflutungen und Gewässerverunreinigungen.

Die zunehmende Überlastung des Kanalsystems ist ein Thema, welches für Unternehmen wie die Kronimus AG Betonsteinwerke aus Iffezheim und die Mall GmbH aus Donaueschingen als Hersteller betonbasierter Entwässerungssysteme seit Jahren im Fokus der Entwicklungsarbeit liegt. Auf insgesamt elf Fachtagungen zum Thema Regenwasser und einer abschließenden Medienveranstaltung mit rund 30 Fachjournalisten stellten sie kürzlich ihre aktuellen Erkenntnisse und Lösungsansätze vor.

Mall, Fachtagungen und Kongresse, Betonfertigteile, Entwässerung, Regenwassermanagement

Zisternensysteme wie der aktuell für ein SOS-Kinderdorf in Berlin von Mall fertiggestellte Löschwasserbehälter können ebenfalls für die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung nutzbar gemacht werden.

Das zentrale Problem liegt für die Experten in der sogenannten Abflussverschärfung. In seinem Vortrag stellte Klaus W. König, Sachverständiger für die Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser, dar, dass in Deutschland pro Jahr etwa 71 ha Grün- bzw. Ackerflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt werden – rund 50 % davon werde versiegelt. Während im Herbst und Winter zunehmend Starkregenereignisse auftreten, komme es durch längere Trockenperioden im Sommer zu einem erhöhten Bewässerungsbedarf. Wo immer weniger Fläche für eine natürliche Versickerung zur Verfügung stehe, finde entsprechend mehr Abwasser den Weg in die künstlich geschaffenen Abflusssysteme, die mit den anfallenden Mengen zunehmend überlastet sind.

Auch Harald Sommer von der Ingenieurgesellschaft Prof. Sieker mbH sieht die zunehmende Flächenversiegelung kritisch. Ergänzend führt er an, dass trotz erheblicher Investitionen noch immer etwa 30-40 Mal im Jahr ungereinigtes Abwasser in die Gewässer gelangt – ebenfalls eine Folge begrenzter Kapazitäten, in diesem Fall bei den bestehenden Kläranlagen. Aus demselben Grund spricht er sich auch gegen eine simple Vergrößerung der Kanalnetze aus. Diese würde lediglich Kosten verursachen, während das eigentliche Problem nur verlagert würde. Im Einklang mit König und den Herstellervertretern plädiert er für eine Abflussvermeidung im Sinne der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.

Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung steht als zentraler Lösungsansatz zur Entlastung des Abwassernetzes bereits seit längerem im Raum. Sie umfasst Systeme und Flächengestaltungsvarianten, die eine Behandlung, Versickerung und zum Teil auch Nutzung des Regenwassers dort zulassen, wo es auftritt. Von Dach- und Fassadenbegrünungen über durchlässige Pflaster bis hin zu verschiedenen Anlagen, die eine Aufbereitung und Wiederverwendung des Regenwassers – bspw. zur Kühlung oder als Löschwasser – ermöglichen, ist die Zahl und Vielfalt entsprechender Systeme groß. Die Sinnhaftigkeit dieser Herangehensweise wird auch durch das vor sechs Jahren verabschiedete Wasserhaushaltsgesetzt bestätigt, das die Umsetzung derartiger Maßnahmen auf möglichst allen Ebenen vorschreibt. Zum Bedauern der Hersteller komme der Umbau der Entwässerungssysteme jedoch nur schleppend voran, was nach Ansicht der Experten vor allem mit dem langen Lebenszyklus der Bau- und Wasserinfrastruktur zusammenhänge – nicht selten aber auch mit der Traditionsbeflissenheit mancher Genehmigungsbehörden.

Bei Planern und Architekten genieße die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung hingegen einen durchweg positiven Ruf, wie Markus Böll, Pressesprecher der Mall GmbH, erklärte. In einer Untersuchung aus dem März dieses Jahres hatte das Unternehmen 1900 Architekten, Ingenieure und Behördenvertreter zu ihren Erfahrungen mit entsprechenden Systemen befragt. Das Ergebnis zeige laut Böll einen umfassenden Paradigmenwechsel an, der selbst Mall als Anbieter überrascht habe: Etwa 80 % sehen die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung durchweg positiv. Ganze 90 % der Teilnehmer hätten nur gute Erfahrungen mit der Umsetzung entsprechender Maßnahmen gemacht. Im Zuge des Klimawandels sehen schließlich 97 % der Befragten eine anhaltende bis steigende Nachfrage in der Zukunft. Darüber hinaus habe die Untersuchung gezeigt, dass aufgrund der Komplexität des Themas vom Tief- bis zum Hochbau nahezu alle Bereiche des Baugewerbes davon betroffen sind. Folglich sei eine engere Abstimmung zwischen den Gewerken geboten. Überraschend sei laut Böll auch die Erkenntnis, dass der gewerbliche und der private Sektor nahezu gleich stark von der Thematik betroffen seien. Befragt zu den Chancen und Hindernissen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung äußerte die Mehrheit der Teilnehmer vor allem Vorteile bei den Kosten und die Entlastung von Gewässern, während auf der Kontra-Seite insbesondere schwierige Rahmenbedingungen (bspw. Bodenbeschaffenheiten, Grundwasserstände, fehlende Flächen etc.), mangelndes Behördenverständnis sowie die Erfordernis von Betrieb und Wartung der Anlagen genannt wurden.

Mall, Fachtagungen und Kongresse, Betonfertigteile, Entwässerung, Regenwassermanagement

Auf der Baustelle in der Lehrter Straße 66 in Berlin erklärten die zuständigen Planer und Produktverantwortlichen die Vorteile des flexiblen und schnell zu montierenden Systems zur Speicherung von Wasser.

Beispiele dafür, mit welchen Systemen das Kanalnetz entlastet und das Grundwasser geschützt werden kann, hatten die Veranstalter natürlich auch im Gepäck. So stellte Martin Kronimus, Vorstandsvorsitzender der Kronimus AG das Flächensystem Cheops Enviro Plus vor. Dabei handelt es sich um einen wasserdurchlässigen Pflaster Belag der entsprechend den DWA Arbeitsblättern A138 und M 153 speziell auf die hohen Anforderungen von Logistikflächen zugeschnitten ist. Ein spezielles Fugenmaterial (Cheops Clean) sorgt dafür, dass Schadstoffe wie Reifenabrieb, Straßenstaub, Öl, Treibstoff oder Schwermetalle bereits beim Versickern gefiltert bzw. absorbiert werden. Selbst Verkehrsflächen mit mittlerer bis stärkerer Verschmutzung können nach Aussage von Kronimus mit dem Pflastersystem hergestellt werden. Zu bedenken sei lediglich, dass das System nach bauaufsichtlicher Zulassung als Abwasserbehandlungsanlage gilt und damit einer Sorgfaltspflicht durch den Bauherren unterliegt, der als Betreiber der Anlage auch für deren Wartung verantwortlich ist.

Martin Lienhard, Leiter der Technischen Abteilung bei Mall, stellte ein System vor, dass für die Integration direkt in den Straßenraum konzipiert wurde. Innodrain ist ein speicherfähiges Mulden-Rigolen-System, das die vorhandene Versickerungsfähigkeit des Bodens ausnutzt. In Form von verkehrsberuhigenden Inseln kann es am Straßenrand oder auch auf Hofflächen platziert werden. Der große Vorteil besteht laut Lienhard darin, dass Innodrain lediglich 4 % der versiegelten Fläche benötigt. Neben der reinen Behandlung und Versickerungslösungen müsse Lienhardt zufolge zukünftig auch stärker über das Thema der Regenwassernutzung nachgedacht werden. Hier seien bspw. Anlagen zu nennen, die zurückgehaltenes Regenwasser für die Kühlung von Gebäuden nutzbar machen. Daneben würden sich aber auch die aus Betonfertigteilen montierten Speicherbehälter anbieten, welche für Mall seit vielen Jahren zum Kerngeschäft gehören. Ausgestattet mit einem Zulauf für abgeleitetes Regenwasser könnte dieses anschließend als Löschwasser verwendet werden. Wie auch aus der zuvor vorgestellten Planerumfrage hervor gegangen sei, weise der Bereich der Regenwassernutzung in jedem Fall noch einiges Potenzial auf.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 22/2015.

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