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Markt im Wandel

Stihl setzt verstärkt auf das Onlinegeschäft

Der Stihl-Vorstand informierte über die aktuelle Geschäftslage des Unternehmens (v. l.): Dr. Bertram Kandziora (Vorsitzender), Anke Kleinschmit (Entwicklung), Norbert Pick (Marketing und Vertrieb), Dr. Michael Prochaska (Personal und Recht). Es fehlt Karl Angler (Finanzen und Controlling).

Waiblingen (rb). – Trotz eines schwierigen Marktumfeldes hat die Stihl-Gruppe ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2019 weiter steigern können. Das gab das Unternehmen auf der traditionellen Herbst-Pressekonferenz am Stammsitz in Waiblingen bekannt. Während des "Stihl-Medientags" präsentierte der Hersteller von Benzin- und Akkugeräten für die Forst- und Bauwirtschaft, den Garten- und Landschaftsbau sowie seit einiger Zeit auch für die private Gartenpflege zahlreiche Produktneuheiten und ging auf neue Entwicklungen in der Vertriebsstruktur ein. Die Stihl-Gruppe hat nach eigenen Angaben von Januar bis August 2019 einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Wachstum von 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Das Plus sei vor allem auf eine stärkere Nachfrage nach höherpreisigen Produkten zurückzuführen. Der Gesamtabsatz habe sich weniger dynamisch entwickelt, erklärte der Vorstandsvorsitzende von Stihl, Dr. Bertram Kandziora, auf der Pressekonferenz des Unternehmens im September. Der Absatz bei Akku-Geräten konnte den Angaben Dr. Kandzioras zufolge zweistellig gesteigert werden, die Nachfrage nach Benzin-Produkten sei jedoch leicht zurückgegangen. "Wir lassen bei der Entwicklung von Benzin-Geräten keinen Millimeter nach und geben gleichzeitig Gas bei Akku-Produkten", betonte Dr. Kandziora. Die im Vorjahr ungünstigen Witterungsbedingungen in einigen Schlüsselregionen mit starker Hitze und wenig Regen sowie die schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Handelshemmnisse hätten das Geschäft gebremst, da die Lager vieler Fachhändler aus dem Vorjahr noch gut gefüllt gewesen seien.

Deutscher Markt stabil

Weltweit habe sich aufgrund der herausfordernden Rahmenbedingungen in der ersten Hälfte des Jahres nur ein leichtes Plus beim Absatz ergeben, erklärte Dr. Kandziora – mit teils deutlichen regionalen Unterschieden. West- und Osteuropa mit Ausnahme Russlands hätten sich demnach positiv entwickelt. Der nordamerikanische Markt liege beim Absatz leicht über dem Niveau des Vorjahres. Ein Wachstumsmarkt mit langfristiger Perspektive sei Afrika – allerdings derzeit noch auf niedrigem Niveau. In Lateinamerika will das Unternehmen die Vertriebsaktivitäten weiter verstärken. 2020 eröffnet Stihl eine eigene Vertriebsgesellschaft in Peru.

Die dritte Generation der Stihl MS 261 C-M besticht laut Hersteller mit 20 Prozent mehr Schnittleistung bei reduziertem Gewicht.

Der deutsche Markt habe sich dabei stabil gezeigt: So habe Stihl hierzulande trotz der Auswirkungen der Trockenheit aus 2018 in den ersten acht Monaten dieses Jahres einen Umsatz über Vorjahresniveau erzielt. "Erfreulich ist das Absatzwachstum bei Akku-Geräten und Benzin-Motorsägen. Auch bei den Stihl 'iMOW'-Mährobotern und den Hochdruckreinigern konnte der Absatz gesteigert werden. Wir sind für den Herbst zuversichtlich, bei günstiger Witterung und mit attraktiven Kampagnen weiter zu wachsen", erklärte Dr. Kandziora. Der deutsche Markt wird von der Stihl-Vertriebsgesellschaft im hessischen Dieburg beliefert, die im August ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren stark gewachsen. So sei der Umsatz von Stihl Dieburg seit der letzten Erweiterung der Logistik im Jahr 2009 um 60 Prozent gestiegen. Ein weiteres neues Logistikgebäude soll Ende 2020 in Betrieb genommen werden. Der Umsatz des deutschen Stammhauses, der Andreas Stihl AG & Co. KG, ist laut Dr. Kandziora um 2 Prozent auf 816 Millionen Euro gestiegen. Im Hinblick auf geschäftliche Perspektiven resümierte Dr. Kandziora: "In unserer strategischen Planung gehen wir langfristig von weiterem Wachstum aus. Aufgrund zunehmenden Wettbewerbs, schwächelnder Weltkonjunktur und weltweiter Handelskonflikte sind wir insbesondere kurzfristig nur verhalten optimistisch."

Nicht nur das Wetter und die Weltkonjunktur beschäftigen Stihl. Grundlegend befinde sich der Markt aktuell im Wandel. Dazu gehören Faktoren wie die Digitalisierung, die zunehmende Bedeutung von Akku-Produkten (allgemein sowie bei Stihl im Speziellen) und neue Kundenanforderungen – Stichwort Onlinehandel.

Auch die Branche der motorbetriebenen Garten- und Forstgeräte befinde sich derzeit im Umbruch. Dr. Kandziora: "Wir haben uns auf die Transformation mit hohen Investitionen in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter sowie in Akku-Technologie, Elektronik und Robotik vorbereitet. Diese Strategie werden wir weiter vorantreiben und optimieren." Außerdem habe Stihl verschiedene Maßnahmen in der Vertriebs- und Produktpolitik geplant. Beispielsweise werde das Unternehmen seinen Kunden im Frühjahr nächsten Jahres auf der Website www.stihl.de einen komfortablen Onlineshop zur Bestellung von Produkten im deutschen Markt anbieten. Die Kunden sollen bestimmte, sicherheitstechnisch unbedenkliche Produkte über die zentrale Online-Plattform künftig direkt bei Stihl kaufen können. Mit einem "Online Partner"-Programm hatte das Unternehmen zuvor schon seinen Fachhändlern Unterstützung beim Aufbau eines Webshops bzw. einer Webpräsenz geleistet.

Der Fachhandel sei nach wie vor eine tragende Säule des Geschäftsprinzips bei Stihl, betonte Kandziora. Er bleibe weiterhin persönlicher Ansprechpartner des Kunden und biete auch weiterhin Beratung, Einweisung und Service. "Darüber hinaus werden wir Stihl-Produkte, Prozesse und Service weiter optimieren, um uns für die Herausforderungen durch veränderte Rahmenbedingungen zu wappnen", kündigte der Vorstandsvorsitzende an.

Produktneuheiten

Im Rahmen praxisnaher Präsentationen in einer Waiblinger Grünflächenanlage präsentierte Stihl anlässlich der Pressekonferenz einige Produktneuheiten und Weiterentwicklungen. Hierzu gehört unter anderem die neue MSA 220 C-B. Sie ist die leistungsstärkste Motorsäge im Akku-Sortiment von Stihl und ab sofort lieferbar. Laut Hersteller zeichnet sie sich insbesondere durch eine hohe Kettengeschwindigkeit für rasche Arbeitsfortschritte aus. Sie eigne sich damit besonders für die Gehölzpflege, aber auch für das Bauen mit Holz sowie das Fällen und Aufarbeiten von Schwachholz.

In der hoch automatisierten Fertigung werden einzelne Akkuzellen zu einem Akku zusammengesetzt und anschließend die Kontakte mittels Laser verschweißt.

Ebenfalls präsentiert wurde die dritte Generation der Benzin-Motorsäge MS 261 C-M. Sie soll Anfang 2020 verfügbar sein und biete den Anwendern laut Stihl dann 20 Prozent mehr Schnittleistung bei reduziertem Gewicht. Im Rahmen einer umfassenden Modellpflege wurde die Maschine mit einem optimierten Motor sowie einer neuen Schneidgarnitur ausgestattet.

Neues gab es auch aus dem Bereich der Profi-Rasenmäher, die Stihl seit Kurzem unter der eigenen Marke, nicht mehr unter Viking, führt. Mit dem RMA 765 V bietet Stihl einen neuen akkubetriebenen Profi-Rasenmäher für Kunden in Garten- und Landschaftsbaubetrieben sowie Kommunen. Der robuste Mäher, der ab der Saison 2020 erhältlich sein soll, verfügt über ein langlebiges Aluminium-Druckgussgehäuse mit Polymer-Einsatz und hat eine Schnittbreite von 63 Zentimetern.

Für kommunale Grünpfleger, Straßenmeistereien und Landschaftsgärtner bietet Stihl seit September ebenfalls ein neues Gerät. Der Stihl RG wurde für die schleuderarme Unkrautentfernung mit Freischneidern konzipiert und bietet eine mechanische Alternative zu chemischen Unkrautentfernern. Das als Anbaugetriebe erhältliche Schneidwerkzeug verfügt im Gegensatz zu rotierenden Mähfäden und Metallwerkzeugen über zwei gegenläufig oszillierende Messer. So soll das Risiko von Beschädigungen durch aufgewirbelte Steinchen oder Split deutlich reduziert werden.

Im Rahmen einer umfassenden Produktionsbesichtigung konnte die Fachpresse schließlich auch einen Blick in die Stihl-eigene Akkufertigung werfen. 2016 hat Stihl ein Kompetenzzentrum für Akku- und Elektro-Technologie in Waiblingen eröffnet. Zudem stellt das Unternehmen seit Kurzem eigene Akkus her, ebenfalls am Stammsitz in Waiblingen. Dort werden rückentragbare Akkus für den professionellen Einsatz gefertigt.

Die neue Stihl-Akkufertigung befindet sich in Waiblingen-Hohenacker in unmittelbarer Nähe des Entwicklungszentrums sowie des Kompetenzzentrums für Akku- und Elektro-Technologie des Unternehmens. Dort werden aus einzelnen Akkuzellen rückentragbare Akkus, wie der AR 2000 L und der AR 3000 L im Stihl-AkkuSystem "PRO", hergestellt, wie sie im Profi-Segment beziehungsweise in Geräten für den kommunalen Einsatz verwendet werden. Die Akkus beinhalten je nach Leistungsanforderung 60 oder 90 Zellen, verfügen damit über 1000 beziehungsweise 1500 Wattstunden an Leistung. Ihr Gewicht liegt bei 6,5 beziehungsweise 6,8 Kilogramm.

Hoch automatisiert

Die Fertigung ist hoch automatisiert, nur einzelne Arbeitsschritte sowie die abschließende Qualitätskontrolle und Verpackung werden von Mitarbeitern durchgeführt. In der Produktion kommt nur spezielles Werkzeug aus Kunststoff zum Einsatz. Außerdem muss besondere Arbeitskleidung getragen werden, um elektrostatische Entladungen zu verhindern, die die Akkusteuerung beschädigen könnte. Zahlreiche Teile, wie die Halterung für einzelne Akkuzellen sowie die Akkuhaube, werden in der Stihl-eigenen Kunststofffertigung hergestellt. Für eine hohe Lebensdauer, auch bei Belastung durch Bewegungen oder Stöße, werden die Kontakte zwischen den Akkuzellen mittels Laser präzise verschweißt. Zum Schutz der Elektronik vor äußeren Einflüssen – vor allem vor Feuchtigkeit, aber auch vor Transportschäden – werden die Elektronikkomponenten mit Kunststoff vergossen.

Die ersten Akkus "made by Stihl" sollen im Herbst 2019 auf den Markt kommen.

ABZ-Stellenmarkt

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 40/2019.

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