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Bauaussichten 2021

Maschinenbauer bleiben zuversichtlich für das Jahr 2021

Von Joachim Schmid, Geschäftsführer des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen, Frankfurt am Main

Für das Jahr 2020 sind die Schätzungen noch unsicher. Immerhin ist der Umsatz als Folge der Covid-19 Pandemie nicht so dramatisch eingebrochen wie vermutet. Einen zyklischen Konjunkturabschwung erwartete die Branche ohnehin, von einem sehr hohen Niveau 2019 und einem langen Aufschwung kommend. Laufende Corona-Blitzumfragen des VDMA, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Geschäftstätigkeit hat, zeigten, dass die Baumaschinenbranche beim Umsatz und Auftragseingang Einbußen hinnehmen musste, sich aber immer noch auf dem hohen Niveau von 2016/2017 bewegte. Die unterbrochenen Lieferketten konnten die Hersteller recht schnell wieder schließen, schon im Juni sahen 88 Prozent der Umfragebeteiligten darin kein Problem mehr. Produktionsausfälle spielten also keine entscheidende Rolle, da sie weniger ins Gewicht fielen als der Rückgang der Nachfragen.

Der Auftragseingang zog bereits im dritten und vierten Quartal 2020 wieder an, blieb aber unter Vorkrisenniveau. Einiges an Geschäft, das wegen des Lockdowns nicht vereinbart werden konnte, wurde zum Jahresende 2020 nachgeholt. Insgesamt befand sich der deutsche Markt volumenmäßig nahe dem Niveau von 2019, allerdings nur, weil das Kompaktmaschinengeschäft stabil – einstellig im Minus lag. Das Geschäft mit Großmaschinen rutschte ab auf minus 20 Prozent. Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit wird momentan wenig investiert ab einer bestimmten Kostenschwelle.

Besondere Sorgen macht der Branche der wachsende Wettbewerbsdruck. Auch ohne Corona sind Außenhandelsbarrieren und sich fragmentierende Märkte Hindernisse. Dennoch erwarten die Maschinenbauer für das Jahr 2021 eine leichte Erholung. Ein Plus von 5 Prozent scheint realistisch zu sein. Der deutsche Markt wird, wenn er die Umkehr ins Plus schafft, nur minimal über dem Stand vom vergangenen Jahr liegen, damit aber zum sechsten Mal in Folge auf einem hohen absoluten Niveau. Der europäische Markt wird ein leichtes Wachstum sehen, weil sich gebeutelte Märkte wie UK und Spanien nach dem schwierigen Jahr 2020 etwas erholen werden. Mittelfristig bleiben die Fragen nach Umsatz und Wachstum offen. Gebremste Genehmigungsverfahren wirken sich erst verzögert aus, die öffentlichen Haushalte engen durch Neuverschuldungen ihren Investitionsspielraum ein. Viel hängt in den kommenden Monaten von der Entwicklung der Pandemie ab. Dennoch, der Bedarf nach Investitionen ist in der Bauindustrie in Deutschland ungebrochen, daher können die Maschinenbauer zuversichtlich in das vor ihnen liegende Jahr blicken.

Auch ohne Gesundheitskrise ist die Branche im Umbruch und muss die anstehenden Aufgaben bewältigen. Digitalisierung, autonome Baustellen, Nachhaltigkeit und fortschrittliches Bauen sind keine Zukunftsthemen mehr, sondern längst im Alltag angekommen. Der European Green Deal hat klare Ziele gesteckt, die es zu erreichen gilt. Daraus entwickeln sich neue Geschäftsfelder und damit Chancen. Die Unternehmen müssen am Ball bleiben, um nicht den Anschluss zu verlieren. Neugier und Forschergeist sind immer noch Antrieb und Motivation für den Maschinenbau in Deutschland.

Im Bereich Digitalisierung ist die Arbeitsgemeinschaft MiC 4.0 im vergangenen Jahr gut vorangekommen und treibt die Standardisierung von Baumaschinendaten vorwärts. Erste Plugfeste bestätigen den Erfolg beim digitalen Datenaustausch – maschinenunabhängig und herstellerübergreifend.

Die Baumaschinenbranche schätzt, dass sie rund zwei Jahre brauchen wird, um sich zu erholen. Der Blick richtet sich jetzt schon ins bauma-Jahr 2022, in dem sich alle Beteiligten hoffentlich wieder in München werden persönlich treffen können. Auch der bauma-Innovationspreis wird erneut ausgelobt. Bewerben können sich nationale und internationale Unternehmen, Universitäten, Hochschulen und Institute; die Kategorien wurden dem Trend angepasst. Zum ersten Mal können Bewerber in den Kategorien Klimaschutz und Digitalisierung teilnehmen. Weitere Kategorien sind Maschinentechnik, Bauen und Forschung. Die Bewerbungsfrist beginnt im Februar und endet im August 2021. Die Website www.bauma-innovationspreis.de wird laufend aktualisiert.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2021.

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