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Megaprojekt

Meilenstein für den Brenner-Basistunnel mit Tunnelbohrer gemeistert

Nach der Montage der Herrenknecht-Maschine auf der Baustelle starteten die Mineure den Vortrieb im Oktober 2015.

Steinach am Brenner/Österreich (ABZ). – Mit dem Abschluss des 16,7 km langen Erkundungsstollens am Brenner Basistunnel feierten kürzlich Tunnelbauer den ersten entscheidenden Durchschlag einer Tunnelbohrmaschine von Herrenknecht. Es ist ein erster großer Schritt beim Bau der mit insgesamt zweimal 64 km längsten unterirdischen Eisenbahnverbindung der Welt. Die Erkenntnisse aus dem Vortrieb werdendem Vortrieb der Hauptröhren zugute kommen.

Die Mineure haben am Morgen des 6. Juli 2020 mit ihrer Tunnelbohrmaschine die letzten Zentimeter Fels geknackt. Mit dem zielgenauen Durchbruch in die Kaverne auf der österreichischen Seite des neuen Brennertunnels erfolgte der erste Hauptdurchschlag mit einer Herrenknecht-Tunnelbohrmaschine (TBM). Das war ein wegweisendes Signal für das derzeit größte europäische Eisenbahn-Infrastrukturprojekt und an diesem Tag ein emotionaler Höhepunkt für die Tunnelbauer, Ingenieure und Projektverantwortlichen: "Wir haben unser Ziel punktgenau erreicht", stellt Anton Ertl, Gesamtbauleiter des Bauabschnitts sichtlich bewegt fest.

Das Baukonsortium ARGE Tulfes-Pfons (ATP), bestehend aus der österreichischen Strabag AG sowie der italienischen Bauunternehmung "webuild" (vormals Salini-Impregilo) wie die in Schwanau hergestellte Gripper-TBM schlossen damit eine nicht alltägliche Hard-Rock-Mission ab. Sie sind Pioniere bei der Herstellung einer Eisenbahninfrastruktur der Superlative. 16,7 km trieben die Bohrspezialisten die auf den Namen "Günther" getaufte Hartgesteinmaschine (Durchmesser 7910 mm) ab Oktober 2015 in Nord-Süd-Richtung unter bis zu 1300 m alpinem Fels ihrem Ziel entgegen.

Der TBM-Name ist dem Tiroler Landeshauptmann Günther Platter entliehen. Die Maschine ist eine von insgesamt sechs Tunnelbohrmaschinen, die internationale Bau-Joint-Ventures bisher bei der Herrenknecht AG im südbadischen Schwanau für das neue Weltrekord-Projekt in Auftrag gaben. Pat Cox, Mitglied der Europäischen Kommission, und TEN-T-Koordinator für den SCAN-MED-Korridor beglückwünschte die Baustellenteams und die vielen weiteren Projektpartner zu ihrer Leistung: "Ich gratuliere zum Durchbruch der Tunnelbohrmaschine, einem weiteren wichtigen Schritt und Meilenstein beim Brenner Basistunnel. Nach seiner Fertigstellung wird der BBT nicht nur Österreich mit Italien verbinden, sondern das Herzstück des Skandinavien-Mittelmeer-Korridors sein, der sich von Finnland bis Malta erstreckt."

Der Durchbruch ist geglückt. Die Tunnelbauer sind stolz auf mehr als 16,7 km Vortrieb durch den Fels der österreichischen Alpen bei Spitzenleistungen von bis zu 61 m innerhalb von 24 Stunden.

Martin Herrenknecht, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG, ist sich sicher: "61 Meter und 4 Zentimeter in nur 24 Stunden mit einer modernen Gripper-TBM – die Tunnelbauer am Brenner Basistunnel konnten im Mai 2020 damit eine neue Bestmarke im Hard-Rock-Tunnelling markieren. Wir wissen das Vertrauen unserer Kunden und des Bauherren in unsere Herrenknecht-Technik sehr zu schätzen. Es macht uns stolz, nach dem Gotthard-Basistunnel beim nächsten Rekordbauwerk in den Alpen mit von der Partie zu sein."

Die Erkenntnisse aus dem Vortrieb des Erkundungsstollens werden dem später folgenden Vortrieb der Hauptröhren zugute kommen. Diese verlaufen 12 m oberhalb des Erkundungsstollens mit einem Innendurchmesser von 8,1 m. Im Betrieb wird der Erkundungsstollen später als Entwässerungs- und Servicetunnel dienen.

Eine weitere Projektbesonderheit ist das von Herrenknecht entwickelte System "Disc Cutter Rotation Monitoring" (DCRM). Durch Überwachung der Drehbewegung und Temperatur der Schneidrollen ermöglicht es das System, die Werkzeugwartungsintervalle zu optimieren.

Unter der Regie der österreichisch-italienischen BBT SE entsteht mit dem Brenner Basistunnel und einer Gesamtlänge von zweimal 64 km die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt. Auf der Nord-Süd-Achse von Helsinki bis Valletta entsteht damit ein Schlüsselbauwerk des nachhaltigen transeuropäischen Güter- und Personenverkehrs. Der Tunnel unterquert die Alpen zwischen Innsbruck in Österreich und Franzensfeste in Italien als besonders leistungsfähige Flachbahn, das heißt ohne nennenswerte, energiefressende Steigungen.

Leonore Gewessler, österreichische Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie führte zum ökologischen Nutzen des Projektes aus: "Derzeit werden 72 Prozent der Waren per Lkw befördert. Das führt dazu, dass 2,5 Millionen Lkw-Fahrten über den Brenner jährlich stattfinden." Der Brenner-Basistunnel bedeute eine Verlagerung vom Lkw auf die Schiene. Dadurch würde weniger CO2 ausgestoßen. Der Tunnel sei nicht nur gut für das Klima, sondern auch für die Menschen in Tirol. "Wir schaffen es, mit dem Brenner-Basistunnel die Warenzüge von 66 auf 225 pro Tag zu steigern."

Für das italienische Los des Erkundungsstollens (Südachse) lieferte Herrenknecht eine auf zügigen Vortrieb in standfestem Fels spezialisierte Maschine vom Typ Doppelschild-TBM (Durchmesser 6800 mm). Sie hat in Süd-Nord-Richtung bis Juli 2020 bereits neun von insgesamt 14 km gebohrt. Auftraggeber ist hier die BTC S.c.a.r.l. bestehend aus den Unternehmen Astaldi S.p.A., Ghella S.p.A., P.A.C. S.p.A. und Cogeis S.p.A. Die italienischen Abschnitte der Hauptröhren werden seit Mai 2019 von zwei Herrenknecht-Doppelschild-TBM (Durchmesser 10650 mm) gebohrt, ebenfalls unter der Regie der BTC S.c.a.r.l. Bereits 4,3 und 4,7 km haben diese beiden Maschinen bis Juli 2020 zurückgelegt. Für die Hauptröhren auf österreichischer Seite sind zwei Herrenknecht-Einfachschild-TBM (Durchmesser 10340 mm) eingeplant. Hier führt die ARGE H51 Pfons-Brenner (Porr Bau GmbH – Tunnelbau, G. Hinteregger & Söhne Baugesellschaft m.b.H., Itinera S.p.A., Società Italiana per Condotte d'Acqua S.p.A.) die Vortriebe. Ausschreibungen weiterer maschineller Maschinenvortriebe werden aktuell vorbereitet.

Für das Großprojekt Brenner-Basistunnel stammt aus dem Herrenknecht-Konzern ebenfalls eine Bandanlage für den Transport abgebauten Gesteins. Die Bochumer H+E GmbH konzeptionierte und fertigte hierfür ein mehr als 60 km langes System aus 37 Bandanlagen und vier Absetzern.

Gesteuert wird die Gesamtanlage von einem zentralen Leitstand aus. Des Weiteren liefert die Euroform S.r.l. Schalungen für den Ausbau maschinell oder konventionell vorgetriebener Tunnel. Für das Baulos Mauls stammt von der VMT GmbH das Produktions- und Logistikmanagementsystem SDS für die Tübbingproduktion.

Für alle sechs bisher georderten Tunnelbohrmaschinen lieferte VMT die TUnIS-Navigationssysteme – für die Gripper-TBM zusätzlich die neu entwickelte TUnIS.mobile app. Mit ihr kann das Navigationssystem von außerhalb des Steuerstandes bedient werden.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 40/2020.

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