Mit Bau einer Baum-Rigole

Neue Wege im Bereich der Regenwasserbewirtschaftung

Von Matthias Pallasch

Fertig gestellte Baum-Rigole auf dem Gelände der IGA Berlin 2017.

Berlin . – Hitze- und Trockenperioden der vergangenen Jahre, sowie Starkniederschläge, wie sie im Sommer 2016 deutschlandweit auftraten, werden aufgrund der prognostizierten klimatischen Veränderungen in ihrer Häufigkeit zunehmen. Von den Folgen sind vor allem Städte und deren Entwässerungssysteme betroffen. Zum Schutz der Städte vor Überflutungen und Hitzestress werden besondere Lösungen benötigt. Einerseits muss zusätzlicher Speicherraum für Niederschlagswasser zur Verfügung gestellt, andererseits kann durch das gezielte Verdunsten von Wasser der urbane Hitzestress reduziert werden. Beide Lösungsansätze können durch die Kopplung von Speicher- und Versickerungsrigolen mit Stadtbäumen, z. B. im Straßenraum, realisiert werden. Diese in Deutschland noch nicht existierende Systemlösung einer "Baum-Rigole" wurde nun auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung Berlin (IGA) 2017 im Forschungsprojekt Treedrain entwickelt und von der Berding Beton GmbH realisiert.

Die IGA Berlin 2017 erstreckt sich zu großen Teilen auf den Erweiterungsflächen der bestehenden Parklandschaft "Gärten der Welt" im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Im Eingangsbereich der zukünftigen Seilbahnstation Blumberger Damm kam im Zuge der Planungen für eine Flächen von rd. 500 m² keine gedrosselte Ableitung in Frage, da der bestehende Regenwasserkanal keine Kapazität für weitere Anschlüsse hatte. Daher wurde eine herkömmliche Baumgruppe zu einer Baum-Rigole umgeplant. Die gemäß Baumkonzept vorgesehene Sumpf-Eiche (Quercus palustris) konnte als eine geeignete Bepflanzung für die Baum-Rigole übernommen werden.

Folgende übergeordnete Ziele wurden mit dem Bau der Baum-Rigole verfolgt:


     


  • Entwässerungskomfort für die angerschlossenen Flächen gewährleisten
  • Versickerung und Wasserrückhalt ermöglichen
  • Gute Standortbedingungen für Bäume etablieren
  • Erhöhung der Verdunstungsleistung der Bäume

Als geeignetes Mittel zur Problemlösung wurde eine Betonrahmenkonstruktion gewählt, deren Hauptcharakteristika eine Bodenwanne, sowie große seitliche Aussparungen sind. Während sich in der Bodenwanne Sickerwasser sammeln kann, welches dem Baum in Trockenzeiten zur Verfügung steht, dienen die seitlichen Aussparungen als Versickerungsfenster.

Die Konstruktion basiert auf den von Berding Beton entwickelten Kastenelementen. Somit konnten schon mit Beginn der Prototypentwicklung alle gängigen Nachweise für Material und Statik erbracht werden.

Die Berding Beton GmbH geht somit einen wichtigen Schritt auf dem Weg der wassersensitiven Stadtentwicklung. Die sektorübergreifende Planung von Regenentwässerung und Straßenbaummanagement wird im Zuge von Klimaanpassungstrategien an Bedeutung gewinnen. Umso wichtiger, dass entsprechende Lösungen dem Markt angeboten werden. Die fachliche Beratung von F+E-Projekten wie Treedrain, welches von der Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker in Hoppegarten und dem Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft der TU Berlin durchgeführt wird, ist für Berding Beton daher ein angenehmes und zukunftsweisendes Anliegen. Die Baum-Rigole wurde Ende 2016 eingebaut und fertig gestellt. Zum Eröffnungstermin der IGA Berlin 2017 am 13. April 2017 ist die Anlage für die Besucher zugänglich.

Der Autor arbeitet bei der Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH.

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