Mit Blick auf den Kontext

Keramikelemente für SOS-Kinderdorf

Hamburg (ABZ). – Ein besonderer Sichtbezug, Respekt vor dem umliegenden architektonischen Erbe und eine Fassade mit Moeding-Keramikelementen, die einem hohen Gestaltungsanspruch gerecht wird: Den Neubau für ein Familienzentrum mit Café, Verwaltung und drei Wohnungen für SOS-Kinderdorffamilien in Hamburg-Dulsberg gestaltete das Büro Carsten Roth Architekt für den Kinder- und Jugendhilfeträger als Ort der Begegnung und Kommunikation.
Baustoffe
Die SOS-Kinderdorfeinrichtung "Hafen für Kinder" im Kontext historischer Klinkerbauten und der Frohbotschaftskirche in Hamburg-Dulsberg. Die keramikbekleideten Fassaden heben sich vom verglasten beziehungsweise in weißen Metallpaneelen bekleideten, durchgehenden Sockel dezidiert ab. Foto: Anke Müllerklein

Die SOS-Kinderdorfeinrichtungen leisten deutschland- und weltweit einen wichtigen Beitrag zur stationären Kinder- und Jugendhilfe, engagieren sich zudem für eine schnelle und direkte Unterstützung von Familien oder benachteiligten Menschen und bilden zunehmend auch in Großstädten offene Anlaufstellen im Quartier. Für eine neue Einrichtung in Hamburg erwarb der Verein ein Grundstück im Stadtteil Dulsberg. Auf einem vormaligen Kirchengelände in unmittelbarer Nachbarschaft zur Frohbotschaftskirche am Straßburger Platz entstand so der neue "Hafen für Kinder" nach Plänen des Hamburger Büros Carsten Roth Architekt.

Den Stadtteil Dulsberg prägt die Handschrift des berühmten Hamburger Architekten und Oberbaudirektors Fritz Schumacher, hier reihen sich Rotklinkerhäuser mit hohem architektonischen Wert wie etwa die unter Ensembleschutz stehenden Laubenganghäuser von Paul Frank aus den 1920er Jahren. Die stadtteilprägende und denkmalgeschützte Frohbotschaftskirche wurde 1937 errichtet, im 2. Weltkrieg zerstört und in den 1950er Jahren wieder aufgebaut.

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Die vertikalen Bänder heben sich von der größtenteils verglasten Fassade ab. Weiße Elemente bilden gezielte Kontraste und sind an jeder Schauseite unterschiedlich platziert. Foto: Anke Müllerklein

Abnehmende Gemeindeaktivitäten erforderten zuletzt ein Umdenken in der Nutzung und eine Neuplanung des Areals. So wird der Kirchenbau nur noch in geringen Teilen sakral genutzt, den Großteil besetzen fortan Gemeinderäume, eine Kita und eine Krippe. Ein nördlich gelegenes Pfarramtsgebäude auf neu veräußertem Grund wurde abgerissen, an dessen Stelle sowie entlang der Weißenburger Straße steht nun der Neubau mit sozialer Nutzung.

Das zunächst mit einer Vorstudie beauftragte Büro rund um Architekt Carsten Roth überzeugte die Bauherren und lokalen Behörden mit einem Entwurf, der dem Umfeld und allem voran dem prägenden Kirchturm maximalen Respekt erweist. So staffelt sich die Gebäudehöhe von vier Obergeschossen im südlichen, teilöffentlichen Abschnitt mit Front an der Straßburger Straße bis hin zu drei Ebenen im nördlichen Trakt mit Wohnnutzung. Dazwischen befindet sich der Clou im Entwurf, so gibt ein eingeschossiger Einschnitt den Blick auf den Kirchturm von der Weißenburger Straße aus frei und rahmt diesen eindrucksvoll.

Der südliche Gebäudeteil weicht von der Baulinie leicht zurück und schafft so einen kleinen Vorplatz. Das Erdgeschoss nimmt zunächst ein öffentliches Café auf, das sich hinter einer verglasten Fassade offen und einladend zeigt. Die hiesige Eingangssituation zum Familienzentrum und den Räumlichkeiten für Verwaltung und Beratung in den Obergeschossen kennzeichnet ein modernes Portal, das in seiner markanten Ausprägung historischen Vorbildern nachempfunden ist.

Den Eingang samt Sockelebene rahmt ein weißes, mit Metallpaneelen bekleidetes Band. An der kirchenzugewandten Fassade schließt der südliche Gebäudeteil mit einer zweigeschossigen Loggia und Pergola-artigen Konstruktion ab, die formal einen Kontrapunkt zum Eingangsportal bildet und als offene Struktur erhöhten Tageslichteinfall auf die Giebelseite der Kirche erlaubt.

Der eingeschossige Zwischenbau schließt mit einer Dachterrasse ab. Darunter ist das Erdgeschoss durchgesteckt, es kann bei Bedarf mithilfe von Faltwänden zusammengeschaltet werden. Neben dem Familiencafé befinden sich auf Sockelebene noch ein Kinderkleiderladen sowie Kursräume. Der nördliche Gebäudeteil am Straßburger Platz, der separat erschließbar ist, beherbergt auf den oberen drei Etagen die Kinderdorfwohnungen mit Platz für 18 Kinder und Jugendliche. Der Riegelbau ist hier aufgeständert und schafft einen überdachten Kinderspielplatz auf Erdgeschossebene. So bleibt auch aus Richtung Straßburger Platz der Sichtbezug zum Kirchenareal.

Die unterschiedliche Nutzung spiegelt sich auch an den Fassaden wider. So sind im vorderen Teil mit Besucher- und Verwaltungstrakt die Schauseiten offener gestaltet, während im Wohngebäude opake Wandflächen dominieren. Die vordere, locker rhythmisierte Gebäudehülle ist durch eine vertikale Keramikbekleidung unterteilt, die sich von der Glasfassade abheben. Die terrakottafarbigen Bänder sind sporadisch von weißen Keramikelementen durchsetzt – auch dieser Kontrast ist ein Zitat aus der umliegenden, historischen Bebauung. Ebenso orientiert sich der Abstand der Bänder am Maß der schmalen Kirchenfenster.

Dagegen kennzeichnet den privat genutzten Wohntrakt eine bis auf die Fenster vollflächig geschlossene Fassadenbekleidung. Sie setzt sich ebenfalls aus Moeding-Keramikelementen zusammen, deren reliefartige Oberflächenstruktur sich aus einem speziellen Verlegemuster ergibt. So wurden neben standardmäßigen auch maßgeschneiderte Moeding-Profile in unterschiedlicher Richtung auf die Unterkonstruktion angebracht, etwa abwechselnd mit links- oder rechtsseitigem Kantenprofil, gespiegelt oder in unterschiedlichen Abständen. So entstand ein hochgradig individuelles, von den Architekten im Vorfeld genau choreografiertes Muster, das die einzigartige Struktur ergibt.

Für die letztendliche Gestaltung ließ sich Architekt Carsten Roth von der Erfahrung des Ziegel- und Keramikfassadenherstellers Moeding inspirieren. Dazu erklärt er: "Der Besuch im Werk von Moeding ist für mich ein bleibendes Erlebnis. Es war nicht nur beeindruckend zu sehen, wie die stranggepressten Keramikplatten entstehen. Der Hersteller gibt sich auch sehr viel Mühe, auf die Wünsche der Architekten einzugehen. Anregungen der erfahrenen Mitarbeiter haben wir gerne aufgenommen, dadurch konnten wir in unserem besonderen Projekt Standardwerkstücke mit individuell gefertigten Elementen kombinieren."

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