Mit Funksteuerung

Fahrerloses Fräsen bewährte sich bei Arbeiten auf einsturzgefährdeter Brücke

Ludwigshafen (ABZ). – Die Frässpezialisten der Kutter GmbH & Co. KG konnten im Sommer 2020 eine Aufgabe lösen, die im Vorfeld für viel Kopfzerbrechen gesorgt hatte: Auf einer einsturzgefährdeten Brücke sollte der Asphaltbelag mit einer funkgesteuerten Fräse abgetragen werden. Und zwar, ohne dass sich eine Person im einsturzgefährdeten Bauwerksbereich aufhält. Mit Erfahrung und Pioniergeist erarbeitete Kutter eine innovative und praktikable Lösung.
Fräsen Baumaschinen
Maschinenführer Florian Bronner steuerte die Fräse aus der Ferne und war dauerhaft abgesichert. Foto: Kutter

Die Ludwigshafener Hochstraße, ein Brückenbauwerk aus den 1970er-Jahren, war stark einsturzgefährdet und musste schnellstmöglich rückgebaut werden. Die an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt gelegene Brücke wurde, ebenso wie das Umfeld, aus Sicherheitsgründen gesperrt. Vor dem Rückbau sollte der bituminöse Belag oberhalb der Betonkonstruktion entfernt werden. Die Besonderheit dabei: Maschinenführer durften sich nicht auf der Fräse aufhalten.

"Mitte Dezember 2019 erhielten wir Anfragen von verschiedenen Unternehmen für den Einsatz einer funkgesteuerten Kaltfräse zum Abbruch der Hochstraße in Ludwigshafen für Anfang 2020", erinnert sich Roland Schmid, Leiter der Abteilung Kaltfräsen bei Kutter. Das Problem lag allerdings darin, dass es bis zu diesem Zeitpunkt noch keine fernbediente Kaltfräse auf dem Markt gab. Auch eine Lösung für den kurzfristigen Umbau einer Maschine war nicht in Sicht.

Die Frässpezialisten erarbeiteten daraufhin mehrere umsetzbare Alternativen ohne Funkfernsteuerung, bei denen der Fahrer auf der Kaltfräse gesichert gewesen wäre. Es gab Konzepte für verschiedene Maschinen – von Kleinfräsen mit 35 cm Fräsbreite und rund 4 t Gewicht bis hin zur 18-Tonnen-Kompaktfräse mit 1 m Fräsbreite. Diese Konzepte kamen allerdings nicht zur Ausführung.

Aufgrund der Komplexität des Gesamtprojektes hatte sich der Termin für den Einsatz der Fräse in den Frühsommer 2020 verschoben. In dieser Zeit verfolgte das Kutter-Team auf eigene Initiative den Gedanken einer ferngesteuerten Fräse in der Leistungsklasse W 50 mit einem Betriebsgewicht von etwa 7 t. "Lösungen für neue Fräsaufgaben zu finden – das ist unser Anspruch. Das treibt uns immer wieder an", betont Schmid.

Gemeinsam mit einem Spezialisten für Funkfernsteuerungen entwickelte Kutter eine Fernbedienung für eine Kleinfräse mit einer Reichweite von 100 m. Über sie konnten nahezu alle Funktionen – darunter die Frästiefe, Vortriebsgeschwindigkeit, Lenkung oder Materialverladung – gesteuert beziehungsweise eingestellt werden. Damit der Bediener trotz der Entfernung immer genau sieht, wo gefräst wird, haben die Ingenieure die Fräse mit vier Kameras ausgestattet. Deren Bilder wurden per Funk an zwei Monitore am "ausgelagerten mobilen Bedienstand" gesendet. Genau diese ferngesteuerte Kleinfräse mit 50 cm Fräsbreite kam schließlich zum Einsatz.

Vor Beginn der Arbeiten auf der Ludwigshafener Brücke hatte das Unternehmen die Fernsteuerung auf einem Probefeld in Memmingen getestet. Obwohl dabei alles einwandfrei funktionierte, waren die Frässpezialisten gespannt, als die Kaltfräse ihren Betrieb zum ersten Mal auf der Brücke aufnahm. Die Moß Abbruch-Erdbau-Recycling GmbH & Co. KG aus Lingen (Ems) und Vertreter der Stadt Ludwigshafen (die als Auftraggeberin fungierte) waren beim ersten ferngesteuerten Fräseinsatz vor Ort.

Mithilfe der innovativen Lösung von Kutter konnte der Abtrag der Asphaltschicht auf der Brücke wie geplant realisiert werden. "Die geforderte Qualität und Leistung stand nach einer kurzen Einspielphase dem üblichen Standard in nichts nach", erklärt Bauleiter Matthias Dreer, der das Projekt vor Ort für Kutter begleitet hatte.

Um die Fräse bedienen zu können, hatte sich der Maschinenführer Florian Bronner auf dem jeweiligen Brückenteil aufgehalten, das nicht mit der Fräse bearbeitet wurde. Bronner war während seiner Arbeiten dauerhaft über ein Seil an einem Kran gesichert. Er steuerte das Verladeband so, dass das Fräsgut seitlich als Schwade abgelegt wurde.

Nach 30 Einsatztagen – verteilt über einen Zeitraum zwischen Mai und September 2020 – war der Auftrag erfüllt: In dieser Zeit hat die Kleinfräse auf der 500 m langen Brücke 10 500 m² Fahrbahnbelag mit einer Frästiefe von 9 cm abgetragen. "Der gesamte Fräseinsatz hat aus unserer Sicht hervorragend funktioniert", resümiert Stefan Feldmann, Bauleiter der Moß Abbruch-Erdbau-Recycling GmbH, die für den gesamten Abbruch verantwortlich zeichnete. "Wir würden das Fräsen wieder genau so beauftragen."

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