Mit kontinuierlich arbeitender Stopfmaschine

Marokko baut Hochgeschwindigkeitsnetz

Bahnbau
Die Stopfmaschine des Typs 109-3X Dynamic mit integrierter Schotterprofilierung und dynamischer Gleisstabilisation arbeitet kontinuierlich, ohne zu stoppen. Foto: Plasser & Theurer

Kenitra/Marokko (ABZ). – Marokko baut derzeit ein Hochgeschwindigkeitsnetz nach Vorbild des französischen TGV. Bis 2035 soll ein Trassennetz mit 1500 km Streckenlänge fertiggestellt sein. Vorgesehen sind zwei Hauptstrecken – eine insgesamt rund 900 km lange "atlantische Linie" (Tanger– Rabat–Casablanca–Marrakesch–Agadir) und eine rund 600 km lange "Maghreb-Linie" (Rabat– Meknès–Fès–Oujda).

Die neue Strecke Tanger–Kenitra soll die stark beanspruchten und kurvenreichen Strecken zwischen Casablanca, Rabat und Tanger entlasten.

Für die Instandhaltung, die bei solchen Hochgeschwindigkeitsstrecken nötig ist, setzt die marokkanische Bahn OCNF Maschinen ein, die sich Plasser & Theurer, dem Hersteller der Maschinen, zufolge in identischer Ausführung bereits auf den französischen Hochgeschwindigkeitsstrecken des TGV bewährt haben.

Dazu gehört die kontinuierlich arbeitende Stopfmaschine 109-3X Dynamic mit integrierter Schotterprofilierung und dynamischer Gleisstabilisation. Sie eigne sich Herstellerangaben zufolge als eine Maschine zur kompletten Gleisdurcharbeitung und vereine die Vorteile einer schnellarbeitenden Stopfmaschine mit denen des dynamischen Gleisstabilisators.

Die hohe Durcharbeitungsgeschwindigkeit in Verbindung mit der Vorwegnahme der Anfangssetzung ermögliche eine sehr gute Streckeninstandhaltung in kurzer Zeit. Das Befahren der Strecke mit Streckengeschwindigkeit sei Unternehmensangaben zufolge unmittelbar nach dem Maschineneinsatz möglich.

Die Plasser-&-Theurer-Universalstopfmaschinen werden für die wirtschaftliche Weicheninstandhaltung genutzt. Unternehmensangaben zufolge könnten sowohl konventionelle als auch schwere Hochleistungsweichen mithilfe der Vier-Strang-Stopfung, der drehbaren Aggregataufhängung, der ausschwenkbaren Stopfpickel und der kombinierten Hebe- und Richteinrichtung mit Drei-Strang-Hebung wirkungsvoll und schonend behandelt werden.

Eine Maschine des Typs 108-475 S Dynamic wurde im Sommer 2018 nach Marokko geliefert. Die Maschinen dieses Typs bestehen aus zwei Teilen: einer Stopfmaschine und einem Anhänger mit Dynamischem Gleisstabilisator und Kehranlage.

Eine Neuerung ist das absenkbare, selbstfahrende DGS-Aggregat mit verstellbarer Unwuchtmasse. Das gleisfahrbare Aggregat läuft auf vier Spurkranzrädern, wobei zwei der Räder mit Hydraulikmotor und Zahnriemen angetrieben werden.

Die Geschwindigkeit des Aggregatantriebes wird an die Arbeitsgeschwindigkeit der zyklisch arbeitenden Stopfmaschine angepasst, sodass der Stabilisator kontinuierlich weiterfährt. Die Auflast werde Plasser & Theurer zufolge durch zwei gegen den Fahrgestellrahmen gepresste Rollen erzeugt. Die Anpresskraft könne entsprechend dem erforderlichen Absenkwert proportional verstellt werden. Die ONCF arbeitet bereits einige Jahre mit einer Nivellier-, Richt- und Stopfmaschine des Typs Unimat 08-475/4S für Gleise und Weichen. Herstellerangaben zufolge könne eine Weichenanlage mit diesem Maschinenkonzept nicht nur vollständig, sondern auch schneller als bisher durchgearbeitet werden. Das bedeute eine wesentliche Reduktion der Gleisbelegung und damit eine bessere Ausnutzung der verfügbaren Sperrpausen.

Die Multifunktionsmaschine vom Typ EMV 97 LGV-2R, die von der marokkanischen Bahn ONCF betrieben wird, vereint Stopfaggregat, Schotterpflug und das Schienenbiegesystem STRAIT. Der Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq erreicht zwischen Tanger und Kenitra eine Reisegeschwindigkeit von etwa 320 km/h, bei Testfahrten wurden 357 km/h gemessen. Die zweigleisige Bestandsstrecke von Kenitra nach Casablanca wird bis 2020 um ein drittes Gleis ergänzt. Sobald dieses auf der ganzen Länge befahrbar ist, werden die bestehenden Gleise ersetzt, sodass die Höchstgeschwindigkeit auf 220 km/h erhöht werden kann.

Auf der "schnellsten Strecke Afrikas" reduziert sich damit die Reisezeit zwischen den beiden 350 km voneinander entfernten Wirtschaftszentren Casablanca und Tanger von etwa fünf Stunden auf etwas mehr als zwei Stunden.

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