Mit Strohdämm-Modulen

Bestandsgebäude klimafreundlich sanieren mit Dämmbaustoff Stroh

Taucha (ABZ). – Wenn ökobilanzielle Kriterien in die Gebäudeförderung einfließen, spielt Stroh seine allergrößten Trümpfe aus. Ohnehin setzen findige Stadtplaner schon jetzt auf Stroh als CO2-Speicher, wie ein Sanierungsprojekt in Nordrhein-Westphalen zeigt.
Dämmstoffe
DD34-Module bei der Montage der Lehrschwimmbäder in Oberhausen. Foto: Lorenz

Alle Bemühungen der Bundesregierung zielen darauf, das jährliche Sanierungsaufkommen von Gebäuden zu verdoppeln. Nach Expertenmeinung kann nur mit erhöhter Geschwindigkeit die Klimaneutralität im Gebäudesektor bis 2050 erreicht werden. Rund 65 % der Fassaden in Deutschland sind ungedämmt, weitere 20 % entsprechen nicht dem Stand der Technik. Hinzu kommen steigende Energiepreise aufgrund der Weltlage.

Mehr als nur klimaneutral

All das veranlasst die Bundesregierung, die BEG-Förderung weiter zu entwickeln und konsequent an den Treibhausgas-Emissionen pro Quadratmeter Wohnfläche sowie an den Lebenszykluskosten zu bemessen.

Dass Stroh hervorragende Dämmeigenschaften hat, ist Experten bekannt. Langsam findet dieses reichhaltig verfügbare Beiprodukt der Landwirtschaft wieder Anklang als Baumaterial. Wie alle regenerativen Dämmstoffe entzieht Stroh schon während seiner Entstehung der Atmosphäre CO2 und sorgt somit bereits bei der Herstellung für Klimaschutz. Wer sein Haus komplett mit Baustroh dämmt, kann im ökobilanziellen Vergleich mit einem äquivalenten Massivbau sein Gebäude noch 69 Jahre mit Primärenergie versorgen. Und so eine negative Treibhausgasbilanz könnte neben dem geringen Entsorgungsaufwand bei künftigen Förderevaluierungen stärker ins Gewicht fallen. Die Lorenz GmbH aus Taucha, Hersteller von seriell gefertigten Dämm- und Fertigbauelementen aus Holz und Stroh, setzt auf die Treibhausgas-speichernde Wirkung des Naturrohstoffs. In Oberhausen werden gegenwärtig im Rahmen eines geförderten Modernisierungsprojektes sieben Lehrschwimmhallen modernisiert. Mit der Prämisse, nach der Sanierung "jährlich Hunderttausende Euro Energiekosten zu sparen", soll laut Oberbürgermeister Daniel Schranz zudem künftig deutlich weniger CO2 ausgestoßen werden. Schon mit der Wahl der LORENZ DD34-Module hat die Stadt einen Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

Die firmeninterne Beispielsrechnung führt aus, dass eine mit dem DD-Modul gedämmte Stahlbeton-Wand einen Wärmedämmwert (U-Wert) von 0,12 W/(m²K) erreicht. Damit liegt der Wert innerhalb des Passivhaus-Standards. Eine neu produzierte Wand gleicher Bauart würde mit Strohdämmung, selbst unter Hinzunahme der Materialien Stahlbeton, Beton und Styropor (des Altbestandes), der Atmosphäre insgesamt mehr Treibhausgase entziehen als zuführen (–50 kg CO2 Äquivalente/Quadratmeter). Der durch die effiziente Dämmung sinkende Heizwärmebedarf schont das Klima zusätzlich.

Keine Entsorgungsproblematik

"Wir freuen uns über das Bekenntnis der Stadt Oberhausen zu unseren innovativen und gleichzeitig traditionellen Dämmprodukten. Stroh ist wie Hightech von der Natur geschaffen – ein Mehrfach-Gewinn für das Projekt als CO2-Speicher in der Entstehung sowie als Treibhausgaskiller und Energiekostensenker im Betrieb", führt Rainer Schmidt, Geschäftsführer der Lorenz GmbH, zum Dämm-Projekt aus. "Nur regenerative Dämmstoffe wie Stroh erreichen negative Ökobilanzen, also dass nicht nur bei der Dämmung Energieaufwände reduziert werden, sondern dass im gesamten Lebenszyklus des Produktes mehr CO2 gebunden wird als in die Atmosphäre gegeben. In diesem Zusammenhang bedenken wir auch gleich die Entsorgungsproblematik mit."

Seit 2019 fertigt die Firma Lorenz Montageelemente aus Holz und Stroh. Bauherren und Planer sparen Zeit und Kosten durch fertig vorkonfektionierte, an die Baustelle gelieferte Module, die unter gleichbleibend hoher Qualität und Maßhaltigkeit seriell gefertigt sind. Die verwendeten und unbehandelten Materialien Stroh und Holz haben einen Herkunftsnachweis, sind zu 100 % rückbau- und recycelbar und entsprechen den gesetzlichen Vorgaben zum Brandschutz gemäß DIN EN 13501-1 der Baustoffklasse E (normal entflammbar). Sie sind frei von umweltchemischen Belastungen, da produktionsseitig keine Schadstoffe verwendet werden.

Stroh als Dämmstoff verzögert unter anderem den Wärmetransport: Bei schwankenden Außentemperaturen bleibt die Raumtemperatur eines Gebäudes, welches mit verpresstem Stroh (Wärmespeicherkapazität von 2100 J/kg*K) gedämmt ist, nahezu konstant. In Kombination mit Lehmputz entsteht eine diffusionsoffene Schicht, die für eine gute Feuchtigkeitsregulierung sorgt. Außerdem haben Strohdämmelemente eine schallabsorbierende Wirkung.

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