Mit Wippausleger ausgestattet

Turmdrehkran trägt beim Bibliothek-Umbau die ganze Last

Vancouver/Kanada (ABZ). – Neubauprojekte bergen grundsätzlich vielfältige Herausforderungen, die standort- und krantechnischen Anforderungen sind jedoch meist relativ unkompliziert, so dass sichhier mehrere unterschiedliche Kranoptionen eignen. Demgegenüber weist die Sanierung eines Gebäudes meist ihre ganz eigenen Herausforderungen auf.
Terex Mobilkrane Krane und Seilmaschinen
Der Terex CTL 430-24 bewährte sich auf der anspruchsvollen Baustelle mitten in der Innenstadt von Vancouver in Kanada. Foto: Terex

Häufig gestaltet sich die Auswahl des passenden Krans aufgrund vorhandener Hindernisse deutlich schwieriger. Ein Angebot mit dem richtigen Kran kann bei einer Ausschreibung tatsächlich den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Komplexe innerstädtische Sanierungsprojekte können den Krandienstleister sogar vor noch größere Herausforderungen stellen. Mit großer Sicherheit ist ein solcher Einsatzort auf allen Seiten von Gebäuden umgeben, so dass es für Mobilkrane extrem eng werden kann.

Darüber hinaus verbietet sich eine längere Sperrung vielbefahrener Straßen, nicht zuletzt aus Kostengründen. Dies ist genau die Art eines anspruchsvollen Projekts, dem sich das Bauunternehmen Smith Bros. & Wilson (BC) Ltd. (SBW) aus dem kanadischen Vancouver gegenübersah, als es um den Abriss und Neubau der 8. und 9. Etage der im Zentrum gelegenen Bibliothek Vancouver Public Library (VPL) ging. Die Aufgaben umfassten den Umbau der bisherigen Büros der Provinzverwaltung in zusätzliche Lesebereiche, Besprechungsräume und ei-ne begrünte Dachterrasse – alles bei laufendem Bibliotheksbetrieb mit täglich mehreren tausend Besuchern.

Für die Abbruch- und Bauarbeiten mussten Unmengen an Materialien unterschiedlichster Größen bewegt werden. "Der gesamte Abbruchschutt musste abtransportiert werden", erläutert SBW-Bauleiter Tyler Brown. "Die Bibliothek verfügte jedoch lediglich über zwei Lastenaufzüge, um das Material von den obersten Stockwerken nach unten zu bekommen. Während der Ausschreibungsphase wurde uns klar, dass eine Vielzahl von Objekten zu heben waren, darunter große Rolltreppen, mit denen die Besucher zur Dachterrasse gelangen. Das waren recht anspruchsvolle Anforderungen."

Der VPL-Umbau ist für die Stadt ein prestigeträchtiges Projekt, da die Bibliothek aufgrund ihrer markanten Architektur ein zentrales Gebäude im Stadtzentrum darstellt. Während ihre historische Bauform sie einerseits besonders hervorhebt, stellt sie andererseits sehr spezielle Herausforderungen dar, die für ein erfolgreiches Gebot viel Planung im Vorfeld verlangen.

"Die Bibliothek wurde in Anlehnung an das Kolosseum in Rom entworfen und ist auf ihrer Ostseite von einer ellipsenförmigen Mauer umgeben", erzählt Dean Arsene, Vermietungs- und Vertriebsbeauftragter bei Leavitt Machinery, einem autorisierten Terex Cranes Vertriebspartner aus Vancouver. "Die Besprechungen mit SBW über das Projekt begannen En-de 2016 und es wurden zunächst alle Möglichkeiten abgewogen."

Wie die meisten Bauunternehmen, die an einer Ausschreibung teilnehmen, hatte SBW ursprünglich vorgehabt, die schweren Hubarbeiten mit Mobilkranen von der Straße aus zu bewerkstelligen. Anders als diese Unternehmen erkannte man bei SBW jedoch eine Reihe von Nachteilen, was die Planer dazu veranlasste, diesen Ansatz erneut zu überdenken. "Die Gebäudeform würde aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit des Auslegers einen Mobilkran mit mindestens 500 t Tragfähigkeit notwendig machen, um große Objekte zwischen Straßenniveau und den obersten Stockwerken zu bewegen", so Brown. Angesichts der möglichen Aufstellorte für einen Mobilkran verfügen kleinere Krane schlichtweg nicht über die Tragfähigkeit, um viele der Objekte mit den erforderlichen Auslegerlängen und -radien zu heben. "Das hätte nicht nur die Vollsperrung einer Straße bedeutet, sondern auch exorbitant hohe Transportkosten verursacht. Nachdem wir das gesamte zu hebende Material einberechnet hatten, war klar, dass sich ein Mobilkran schon aus Kostengründen von selbst verbot."

Als nächste Option kamen für SBW Turmdrehkrane infrage, und es wurden nacheinander Flat-Top-, Hammerkopf- und Wippausleger-Varianten in Betracht gezogen. "Die Arbeiten erforderten einen Auslegerradius von 55 m. Die Flat-Top- und Hammerkopf-Krane lieferten jedoch nicht die benötigte Tragfähigkeit, um die Rolltreppen in einem Stück heben zu können", erzählt Brown. Das entscheidende Problem bestand vor allem darin, dass der Kran nur rd. 15,2 m entfernt von einem benachbarten Gebäude stehen würde. "Die Ausleger dieser Krantypen waren zu lang und sie konnten nicht frei geschwenkt werden, ohne mit einem Gebäude zu kollidieren. Daher fielen sie als Möglichkeit aus", erklärt Arsene.

Damit bestand für SBW in diesem Projekt die einzige Option zur kosteneffizienten Unterstützung der Abbruch- und Sanierungsarbeiten in einem Turmdrehkran mit Wippausleger. Wie sich bald herausstellte, verfügte der Terex CTL 430-24 genau über die dafür geeignete Reichweite und Tragfähigkeit. "Während unserer Gespräche mit Leavitt konnten wir errechnen, dass der Wippausleger für uns die wirtschaftlichste Lösung darstellte", ergänzt Brown. Wie Steve Filipov, President von Terex Cranes, betont, bietet sein Unternehmen gerade für derart anspruchsvolle Projekte wie dieses im Rahmen seiner Kranlösungen ein vollständiges Programm an Turmdrehkranen. "Das VPL-Projekt zählt zu den Ausnahmefällen, in denen unsere Mobilkrane für die Kunden nicht die wirtschaftlichste Lösung darstellen", führt er aus. "Als einer der innovativsten Anbieter von Krantechnik in der Branche ist das Turmdrehkrangeschäft ein wichtiger Schwerpunkt für uns, um unsere Kunden bei allen ihren Anforderungen als Partner unterstützen zu können."

Der CTL 430-24 trug somit in erheblichem Maße dazu bei, SBW den Zuschlag für dieses Projekt zu sichern. Für das auf ein Jahr angelegte Sanierungsprojekt hat SBW den Terex Wippausleger-Turmdrehkran der 24-t-Klasse über einen Zeitraum von sechs Monaten von Leavitt angemietet.

Insgesamt sieben Turmsegmente vom Typ HD23 22.6 waren erforderlich, um die benötigte Ausleger-Basishöhe von45 m zu erreichen. Um die gesamte Baustelle abzudecken, wurde der CTL 430-24 anschließend mit einem Wippausleger von 55 m Länge ausgestattet. Während des Projekts wurde ein 15°-Arbeitsradius genutzt, um die Materialien auf und vom Dach des Gebäudes zu heben. "Durch Nutzung des Wippauslegers konnten wir den Turm zwar näher am Bibliotheksgebäude aufstellen, aber dennoch erfolgten die meisten der Hübe nahe am Spitzenradius des 55-m-Auslegers", berichtet Brown. Arsene ergänzt: "Wenn der Kran nicht in Betrieb war, haben wir den Ausleger auf einen 65°-Winkel gesetzt, damit er schwenken konnte, ohne eines der benachbarten Gebäude zu berühren." Eine sorgfältige Planung ermöglichte den reibungslosen Aufbau des Krans durch Leavitt und SBW zu dessen Zweck die Stadt die Sperrung der angrenzenden Homer Street genehmigt hatte. "Unter Zuhilfenahme eines Mobilkrans mit 300 t Tragfähigkeit hatten wir den Turm, den Gegenausleger und die Turmspitze bereits am ersten Tag fertig montiert", erinnert sich Arsene. "An Tag zwei folgten dann der Wippausleger und das Gegengewicht. Es war ein völlig reibungsloser Aufbau, den wir in rd. anderthalb Tagen erledigt hatten." Während der Abbrucharbeiten war der Kran fast durchgängig damit beschäftigt, die großen Struktur- und Betonteile vom Gebäudedach zu heben. Durch die Wahl eines Turmdrehkrans für dieses Projekt profitierten die Arbeitsmannschaften von deutlich mehr Flexibilität beim Abtransport des Materials.

Wenn die Arbeiten dann in die Sanierungsphase übergehen, wird der Kran dazu genutzt werden, große Baumaterialien und volle Betonkübel vom Straßenniveau auf das 8. und 9. Stockwerk zu heben. Die größten und schwersten geplanten Hübe betreffen die beiden 5,4 t schweren Rolltreppen, die aus Zeit- und Kostengründen in einem Stück an ihre Position gehoben werden sollen. "Laut Plan müssen die Rolltreppen fast am En-de des 55-m-Auslegers positioniert werden, aber die Traglasttabelle des Krans bietet auch hier ausreichend Reserven, um die beiden Elemente korrekt zu platzieren", erklärt Arsene. Brown fügt hin-zu: "Der von uns eingesetzte Krantyp erweist sich für uns als Erfolgsgarant, und der CTL 430-24 erledigt seine Arbeiten bislang zu unserer höchsten Zufriedenheit."

Um die Projektkosten noch weiter zu senken, beinhaltete der Plan von SBW für den CTL 430-24 einen freistehenden Turm, der nicht am Bibliotheksgebäude verankert ist. Ursprünglich hatte SBW vorgesehen, für den Turm eine Unterwagen-Montage mit Druckstreben zu verwenden. Diese optionale Basis war jedoch nur eingeschränkt und im westlichen Kanada gar nicht verfügbar. Also setzte SBW auf seine mehr als 100-jährige Erfahrung im Betonbau und holte zusätzlich das Planungsbüro TNAI Engineering Ltd. aus Vancouver ins Boot, um einen speziellen Betonsockel als Verankerungspunkt für den Kranturm zu konstruieren. TNAI erarbeitete eine gerade-zu geniale Methode zur Verankerung des Krans, ohne dass er direkt mit dem Fundament des Gebäudes verbunden werden musste.

Eine Verankerung mit dem Gebäudefundament hätte ein Durchtrennen der Gebäudehülle auf Bodenniveau und eine Schließung der dreistöckigen Tiefgarage erfordert. "Man weiß nie, auf welche Versorgungs- und Stromleitungen man beim Durchtrennen der Außenhülle stößt, was dann zu immensen Kosten und Verzögerungen führen kann", erklärt Arsene. Das Planungsteam von TNAI konzipierte daher eine "schwimmende" 10 x 10 m gro-ße, x-förmige Betonbasis.

"In den Bauzeichnungen entdeckten wir Säulenfundamente zur Abstützung des Bibliotheksparkhauses, die auf einer Fläche von 10x10 m angeordnet sind, also haben wir die Verankerung mit diesen Säulen verbunden", erzählt Arsene weiter. Diese Säulen fungierten somit als Verbindung zum Fundament unterhalb der Tiefgarage. Der Betonanker maß 1,8 m in der Breite, während die Höhe über den Großteil des Querschnitts 2 m betrug. Die außenliegenden, 1,2 m großen Endsegmente der Verankerung in die Säulenfundamente waren 2,6 m hoch. "Damit erhielten wir unterm Strich 0,6 m Abstand zwischen den Beton-Endsegmenten und dem Riegel in der Mitte der X-Form, um die schwimmende Basis herzustellen, die zur ordnungsgemäßen Verteilung der Last erforderlich war", erläutert Arsene weiter.

Durch die Nutzung dieser ausgefeilten Lösung konnte SBW Zeit einsparen, die Kosten senken und nicht zuletzt dafür sorgen, dass das Parkhaus während des gesamten einjährigen Umbaus geöffnet bleiben kann. "Die Zusammenarbeit mit SBW an diesem Projekt war ein reines Vergnügen", konstatiert Arsene. "Sie verfügen über die Kompetenz, mit der sie Lösungen finden, um ein schwieriges Projekt wie die VPL erfolgreich abzuschließen – und sie zögern nicht, auch ungewöhnliche Lösungen konsequent umzusetzen."

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