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Mittelständische Bauwirtschaft geht optimistisch in das Baujahr 2020

Von Michael Gilka, Haupt-geschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e. V., Bonn

Die deutsche Bauwirtschaft und insbesondere die mittelständischen Bauunternehmen können auf ein gutes Baujahr 2019 zurückblicken. Erneut konnten die Unternehmen die Umsätze steigern und die Zahl der Beschäftigten erhöhen. Die deutsche Bauwirtschaft ist damit auch die Konjunkturlokomotive in Deutschland. Allen Unkenrufen zum Trotz hat die Bauwirtschaft auch die Kapazitäten zur Verfügung gestellt, um der gestiegenen Nachfrage nach Bauleistungen gerecht zu werden. Bestes Beispiel dafür ist das 875-Brücken-Programm der DB Netz AG, das im November des vergangenen Jahres allein mit 275 im Jahr 2019 fertiggestellten Eisenbahnbrücken pünktlich umgesetzt werden konnte. Das Beispiel zeigt zudem eindrucksvoll, dass Kapazitäten dann von der Bauwirtschaft zur Verfügung gestellt werden, wenn für die Unternehmen eine detaillierte Transparenz über das Bauprogramm vorliegt und damit Planungssicherheit besteht. Eine wünschenswerte Blaupause aus Sicht der BVMB auch für andere Auftraggeber.

Die Diskussion um den Klimaschutz führt 2020 zu neuen Zielsetzungen und zur Verlagerung von Investitionen. Die realen Bauinvestitionen im Infrastrukturbereich werden weiter spürbar steigen. Hier wird sich zuerst die Umsetzung klimapolitischer Ziele durch die Stärkung des Schienenverkehrs und deren notwendiger Infrastruktur bemerkbar machen. Mit der erfolgreichen Vereinbarung der dritten Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV III) zwischen dem Bund und der DB AG mit einem Investitionsvolumen von 86 Milliarden Euro für die Instandhaltung, die zudem eine zehnjährige Laufzeit vorsieht, wird der Grundstein für Planungssicherheit für alle in diesem Sektor am Bau Beteiligten gelegt. Zusätzliche Investitionsmittel werden auch für den Neu- und Ausbau des Schienennetzes zur Verfügung gestellt, um den Deutschlandtakt bis 2030 umzusetzen. Die Politik hat sich bei den vergangenen Haushaltsverhandlungen auf Bundesebene ebenfalls darauf verständigt, die Mittelbereitstellung im Bundesfernstraßenbau für 2020 und die Folgejahre auf hohem Niveau fortzusetzen. Leider ist derzeit zu beobachten, dass die Ausschreibungsaktivitäten in diesem Marktsegment deutlich hinter den Erwartungen der Bauunternehmen zurückbleiben. Sowohl das BMVI als auch die Autobahn GmbH haben bisher keine schlüssige Erklärung für diese Situation.

Insgesamt ist festzustellen, dass nicht fehlendes Geld das Problem der Auftraggeber ist, sondern fehlende Mitarbeiter, um Planungen und Ausschreibungen auf den Markt zu bringen. Nur die Kommunen begegnen oftmals ihren Finanzierungsnöten bei laufenden Ausgaben mit Kürzungen bei den Investitionsausgaben. Einerseits nimmt der Verfall öffentlicher Infrastruktur dort weiter rasant zu, andererseits fehlt es den regional ansässigen, kleineren mittelständischen Bauunternehmen an kontinuierlicher Auslastung.

Auch im Wirtschaftsbau ist aufgrund der gedämpften Erwartungen in einigen Branchen, zum Beispiel der Automobilindustrie, mit einer Stagnation zu rechnen. Auf der anderen Seite bieten der private und öffentliche Neubau durch die nach wie vor niedrigen Zinsen und die sprudelnden Steuereinnahmen gute Perspektiven für die Bauwirtschaft. Im Bereich des Klimaschutzes, des nachhaltigen Bauens sowie des energieeffizienten Bauens und Sanierens wartet ein großes Auftragspotential auf die interessierten Bauunternehmen. Die Entwicklung wird für die deutsche Bauwirtschaft über das Jahr 2020 hinaus mit den Themen Mobilität, Energieeffizienz und nachhaltigem Bauen weiterhin positiv sein. Insgesamt ist die Stimmung in der Bauwirtschaft nach wie vor optimistisch. Für das Jahr 2020 geht die BVMB trotz einiger Unwägbarkeiten davon aus, dass die konjunkturelle Entwicklung der Bauwirtschaft ähnlich positiv verläuft wie 2019.

Diese durchaus positiven Erwartungen dürfen die mittelständische Bauwirtschaft aber nicht ruhen lassen, weiter nach Verbesserung zu streben. Gerade die Herausforderungen bei der Fachkräftegewinnung, der Digitalisierung und der Produktivitätssteigerung erfordern nicht nur den Fokus auf das operative Geschäft zu richten, sondern auch die eigene strategische Ausrichtung auf die Zukunft zu verstärken und die notwendigen Investitionen vorzunehmen. Die Politik ist gehalten, ihren Beitrag zu den erforderlichen Voraussetzungen, wie Bürokratieabbau, schnelleren Genehmigungsverfahren, Arbeitszeitflexibilisierung und Steuererleichterungen, zu leisten. Notwendig und nicht mehr aufschiebbar ist auch ein Masterplan der Bundesregierung zum Breitbandausbau in Deutschland.

Wer Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand in Deutschland nachhaltig sichern will, wird dies nur mit dem Mittelstand und mit mittelstandsgerechten Rahmenbedingungen erreichen können. Das gilt auch für die deutsche Bauwirtschaft. Entsprechend müssen den von Bundeswirtschaftsminister Altmaier versprochenen Entlastungen in seiner jüngst verkündeten Mittelstandsstrategie nun endlich auch im Jahr 2020 Taten folgen.

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