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Modellprojekt von UNESCO und Kärcher

Aachener Dom wird restauratorisch gereinigt

Von Robert Bachmann

Kärcher, Fassade, Kleingeräte und Werkzeuge

Den organischen Verunreinigungen rücken die Reinigungsspezialisten mittels Heißwasserhochdruckstrahlern zu Leibe.

AACHEN. - Kärcher reinigt im Rahmen eines Modellprojekts mit der Deutschen UNESCO-Kommission die Karls- und Hubertuskapelle des Aachener Doms. Die restauratorische Reinigung soll die 540 Jahre alte Kapelle von steinschädigenden Verschmutzungen befreien. In Zusammenarbeit mit dem Domkapitel Aachen wurden die Arbeiten vor kurzem begonnen und werden voraussichtlich zwei Monate andauern.

"Jetzt wird der Dom gekärchert …" Kommentare wie dieser, sagt Dombaumeister Helmut Maintz, ließen nicht lange auf sich warten, nachdem bekannt wurde, dass sich Kärcher im Rahmen seines Kultursponsoring-Programms der Karls- und Hubertuskapelle des Aachener Doms annehmen wird. Für die Reinigungsspezialisten aus Winnenden nichts Neues. In der Tat sei die Skepsis zu Beginn fast immer groß, erklärt Frank Schad, Pressesprecher bei Kärcher. Zum einen, weil gerade Laien oft befürchten, den altehrwürdigen Bauwerken werde hier mit grobschlächtigen Hochdruckgeräten zu Leibe gerückt; zum anderen wegen des ehrenamtlichen Programmkonzeptes an sich, der die Denkmalseigentümer zunächst oft stutzig mache.

Mehr als 100 historische Baudenkmäler hat das Winnendener Unternehmen in den vergangenen 35 Jahren mit seinen Hochdruck-, Dampf- und Partikelstrahlern gereinigt. In der umfangreichen Liste von Projekten, die Kärcher im Rahmen seines Kultursponsorings bereits durchgeführt hat, finden sich eindrucksvolle Namen wie die Freiheitsstatue in New York, die Kolonnaden in Rom und die berühmten Präsidentenköpfe am Mount Rushmore. Einzigartige Bauwerke rund um die Welt und aus verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte – jedes Projekt mit seinen individuellen Gegebenheiten und Anforderungen.

Kärcher, Fassade, Kleingeräte und Werkzeuge

Mehr als 500 Jahre ist sie alt, jetzt wird die Karls- und Hubertuskapelle (hier eingehaust) am altehrwürdigen Aachener Dom gereinigt.

Der Begriff Sponsoring ist dabei tatsächlich im Wortsinne zu verstehen. Alle Kosten, die im Zusammenhang mit den Reinigungsarbeiten entstehen, trägt das Unternehmen selbst. Dass sich die Sache für Kärcher trotzdem lohnt, liegt nicht nur am positiven Imagegewinn, der sich aus solchen Projekten ziehen lässt. Auch und vor allem die wertvollen Erfahrungen, die sich über die Arbeit an diesen einzigartigen Objekten sammeln lassen, erweisen sich nach Aussage des Unternehmens von unschätzbarem Wert. Etwa, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte geht, oder bestehende Techniken weiter verbessert werden.

Nachhaltigkeit steht dabei an oberster Stelle. Kommt ein Projekt ins Rollen werden zunächst umfangreiche Voruntersuchungen angestellt. Aus welchem Material besteht die zu reinigende Oberfläche und in welchem Zustand ist sie? Welche Art von Verunreinigung liegt vor? Welche Umgebungsbedingungen sind bei der Reinigung zu beachten? All diese Fragen werden zunächst durch Tests und Analysen geklärt, bevor sich die Spezialisten auf die jeweils am bestgeeignete Reinigungsmethode sowie die dabei angewandten Parameter festlegen. Hinzu kommen Aspekte die schon eher philosophischer Natur sind. Z. B., was das eigentliche Ziel der Reinigung ist. Ob ein Bauwerk bspw. möglichst in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden soll oder gewisse Verfallserscheinungen als Teil des Denkmals erhalten bleiben sollen, wird in verschiedenen Fach- und Kulturkreisen durchaus unterschiedlich betrachtet.

Im Rahmen des Kultursponsoring-Programms arbeitet Kärcher eng mit externen Fachleuten zusammen. Neben dem Denkmalseigentümer gehören dazu Denkmalschützer, Restauratoren, Kunsthistoriker und andere Fachwissenschaftler. Für die restauratorische Reinigung der Karls- und Hubertuskapelle übernahm einmal mehr Prof. Dr. Gabriele Grassegger-Schön von der Hochschule für Technik in Stuttgart die Leitung der wissenschaftlichen Betreuung des Projekts. Ihr zur Seite stehen die Geologin Dr. Esther von Plehwe-Leisen (Steinkonservierung LPL, Köln), der Restaurator Georg Schmid (AeDis AG, Hochdorf) und die Mitarbeiter der ATU GmbH Umwelttechnik aus Herrenberg.

Kärcher, Fassade, Kleingeräte und Werkzeuge

Die Gipskrusten auf dem Aachener Blaustein werden mit Partikelstrahlern auf Basis von Hochofenschlacke als Zuschlagstoff entfernt.

Die Entscheidung für das Projekt wurde nicht willkürlich gefällt, sondern geht auf eine Kooperation zwischen Kärcher und der Deutschen UNESCO-Kommission zurückging. Mit einem bundesweiten Modellprojekt wollen die Reinigungsspezialisten und die UN-Organisation den Erhalt von Kulturdenkmälern in Deutschland fördern. Die Zusammenarbeit ist Teil des Public Private Partnerships-Programms der Deutschen UNESCO-Kommission. Für zunächst zwei Jahre bündeln die Partner nun ihre Fachkompetenz. Mit der kostenlosen und denkmalgerechten Reinigung einer deutschen UNESCO-Welterbestätte soll die Zusammenarbeit nun konkrete Früchte tragen.

Um ein geeignetes Projekt zu ermitteln, wurde eine Fachjury zusammengestellt, die aus verschiedenen Kandidaten ein geeignetes Objekt wählen sollte. In der engeren Auswahl konnte sich die Karls- und Hubertuskapelle gegen das Quedlinburger Rathaus und den Frankoniabrunnen der Würzburger Residenz durchsetzen. Auch hier war der Nachhaltigkeitsgedanke entscheidend, wie Katja Römer, Pressesprecherin der Deutschen UNESCO-Kommission, erklärte. Nach sorgfältiger Abwägung erschien die Karls- und Hubertuskapelle als das Bauwerk, das von einer restauratorische Reinigung am meisten profitieren könne.

Nach der Notwendigkeit für die Reinigung der Kapelle gefragt, ergänzt Dombaumeister Maintz kurz und bündig: "Weil sie bislang noch nie gesäubert wurde." Zwar seien andere Teile des Doms bereits in früheren Jahren von Verunreinigungen befreit worden, im Falle der Karls- und Hubertuskapelle habe es seinerzeit jedoch schlichtweg an geeigneten technischen Verfahren gemangelt.

Und in der Tat: So klein sich die Aufgabe im Vergleich mit manch anderen Referenzobjekten des Kärcher Kultursponsorings auch auszunehmen scheint, ist sie doch kaum weniger komplex. Bei dem zu reinigenden Material handelt es sich im Wesentlichen um zwei Bestandteile: Aachener Blaustein und Herzogenrather Sandstein. Hinzu kommen einzelne Steine neueren Datums, die im Zuge punktueller Sanierungsmaßnahmen in der Vergangenheit eingebracht wurden. Darüber hinaus zieren diverse Skulpturen das Bauwerk, die aus Savonnières-Kalkstein bestehen. Die zu entfernenden Substanzen lassen sich grob in zwei Kategorien unterscheiden: organische Verunreinigungen wie Flechten, Moose und Algen sowie mineralische Verunreinigungen, wobei es sich hauptsächlich um Gipsausbildungen auf den Blausteinquadern der Kapelle handelt. Insbesondere letztere sind nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern gefährden unter anderem den Feuchtehaushalt des Gemäuers, so Maintz, und müssen für einen langfristigen Erhalt daher unbedingt entfernt werden.

Kärcher, Fassade, Kleingeräte und Werkzeuge

Arbeiten im Rahmen des Modellprojekts eng zusammen (v. l.): Rolf-Peter Cremer (Domkapitular, Domkapitel Aachen), Helmut Maintz (Dombaumeister, Domkapitel Aachen), Katja Römer (Pressesprecherin, Deutsche Unesco-Kommission), Frank Schad (Pressesprecher, Kärcher), Franz Kretschmann (Pressesprecher, Bistum Aachen).

Nach eingehenden Tests fiel die Wahl auf zwei verschiedene Reinigungsverfahren: Für die Beseitigung der organischen Verschmutzungen entschieden sich die Experten für eine Heißwasserhochdruckreinigung. Ein sowohl sehr flexibles als auch sehr schonendes Verfahren, wie Frank Schad, Pressesprecher bei Kärcher, betont. Auch wenn der Name etwas anderes suggeriere, handle es sich keineswegs um ein rabiates Verfahren. Ganz im Gegenteil könne mit dieser Technik bei Bedarf auch nahezu drucklos gearbeitet werden. Von 200 bar Düsendruck und einem Abstand von 40 cm zum Reinigungsobjekt käme auf der Oberfläche lediglich 1 bar an, erklärt Schad. Mittels der vielfältigen Parameter – Druck, Winkel, Temperatur etc. – könne auf diese Weise höchst flexibel und schonend gearbeitet werden.

Für die Entfernung der Gipsausbildungen entschieden sich die Spezialisten für eine Reinigung mittels Niederdruck-Partikelstrahlen. Dabei wird ein Luftstrom verwendet, dem genau dosierbar Strahlmittel zugesetzt wird. Durch die sachgerechte Wahl von Strahldüse, Strahlmenge und -art sowie Höhe des Luftdrucks lasse sich auch hier die Wirkungsweise des Verfahrens an fast allen Fassadenoberflächen anpassen. Wie Dr. Esther von Plehwe-Leisen vor Ort erklärte, sind derzeit rund 2000 verschiedene Strahlmittelsorten am Markt erhältlich.

Diese reichen von Maiskolbenmehl über Kalk- und Glaspuder bis zu Trockeneisperlen. Sie unterscheiden sich nicht nur im verwendeten Ausgangsmaterial, sondern auch in der Größe und Form des Korns, was letztlich entscheidend für die Art und Weise des Abtrags ist. Im Falle der Domkapelle wurde Hochofenschlacke (Alumi-niumsilikat) als das am besten geeignete Material für die Reinigung ermittelt.

Das zweijährige Modellprojekt wird auch während der Reinigung von wissenschaftlichen Untersuchungen und Bildungsprojekten begleitet: Unter der Federführung der Hochschule für Technik Stuttgart führen verschiedene unabhängige Experten wissenschaftliche Analysen an der Fassade der Karls- und Hubertuskapelle durch. So werden alle für den Stein schädlichen Komponenten identifiziert. Mehrere Bildungsworkshops sollen außerdem junge Menschen für das Welterbe begeistern und zu nachhaltigem Handeln ermuntern. Schüler des Inda-Gymnasiums in Aachen-Kornelimünster drehen bspw. einen Kurzfilm über rihren Dom und setzen sich in einer Arbeitsgemeinschaft umfassend mit dem historisch bedeutsamen Bauwerk und den Reinigungsarbeiten auseinander.

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