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Modernes Bürogebäude entsteht auf traditionsreichem Grund

Innenraum nachhaltig und innovativ ausgebaut

Neben einem wirksamen Schallschutz sollte auch räumliche Flexibilität sichergestellt werden. Daher planten die zuständigen Architekten den Großteil des Gebäudes mit variablen Grundrissen und Open-Space-Arbeitsbereichen.

Essen (ABZ). – Nach Entwürfen des Architekturbüros kadawittfeldarchitektur ist vor Kurzem ein Neubau nahe des Zeche Zollvereins in Essen entstanden. Die neuen Bürogebäude sind für die RAG-Stiftung und die RAG Aktiengesellschaft vorgesehen. Für den modernen Innenausbau auf rund 9400 m² Bruttogeschossfläche zeichneten die Mitarbeiter der J. Brinkmann Bauunternehmung GmbH aus Essen und Oberhausen verantwortlich.

Der zweigeschossige Neubau besteht aus zwei nahezu rechtwinklig angelegten Gebäudeflügeln, die durch ein "Gelenk" miteinander verbunden sind. Planung und Umsetzung des Neubaus erfolgten nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) sowie unter dem Gesichtspunkt der Öko-Effektivität, dem sogenannten "Cradle-to-Cradle"-Prinzip. Durch Geothermie- und eine Photovoltaikpergola auf den Dachflächen werden Erdwärme und Sonnenenergie für die Beheizung des Gebäudes genutzt.

Um die Innenräume auszubauen, war die J. Brinkmann Bauunternehmung GmbH eigenen Angaben zufolge zeitweise mit bis zu 30 Mitarbeitern vor Ort tätig. "Der Zeitrahmen war – angesichts der Komplexität des Innenausbaus – mit acht Monaten recht sportlich bemessen", so Geschäftsführer Peter Brinkmann. "Im gesamten Gebäude mussten hohe Schallschutzanforderungen erfüllt werden, wofür zahlreiche Details einen konstruktiven Beitrag leisten mussten." In Arbeitsbereichen mit besonders hohen Schallschutzvorgaben von bis zu Rw = 64 dB errichteten die Ausführenden spezielle, bis zu 5,5 m hohe Schallschutzwände mit dem Rigips-System MW12DH. Dafür beplankten die Mitarbeiter die 100 bis 125 mm starken Metallständerwände beidseitig zweilagig mit den Rigips-Hartgipsplatten der Bezeichnung "Die Harte" (2 x 12,5 mm). "Zusätzlich erschwert wurde die Montage dadurch, dass sich ein Großteil der rund 1400 Quadratmeter großen Wandflächen unterhalb von schrägen Rohdeckenverläufen mit zum Teil unterschiedlichen Steigungswinkeln befand", erläutert Dr. Benjamin Brinkmann, der für die Gesamtprojektleitung seitens der J. Brinkmann Bauunternehmung GmbH verantwortlich war.

Da die Dachgärten begehbar sind und die Decken deshalb großen Lasten standhalten müssen, montierten die Mitarbeiter für weite Teile der Wände gleitende Deckenanschlüsse. Diese durften die Schallschutzeigenschaften nicht verringern.

Für alle TGA-Einbauten und Durchgänge wurden zudem innerhalb der Trockenbauwände spezielle Schallschotts aus teilweise umlaufend doppellagig beplankten Laibungen realisiert. Die Zwischenräume der TGA-Leitungen füllten die Ausführenden mit schwerer Mineralwolle und schotteten sie je nach Anforderung ein- oder beidseitig doppellagig mit Hartgipsplatten.

Die Architekten planten einen Großteil des Gebäudes mit variablen Grundrissen und Open-Space-Arbeitsplätzen. Um die Räume zukünftig flexibel anpassen zu können, wurden Trockenbaulösungen verwendet. "Wir haben die Bürowände beispielsweise nicht bis unter die eigentliche Rohdecke montiert, sondern unterhalb von speziellen Deckenschürzen angeordnet", erklärt Dr. Brinkmann. "Der Vorteil: Bei später gewünschten Nutzungsänderungen können die bestehenden Wandkonstruktionen relativ unkompliziert, zeit- und kosteneffizient demontiert werden." Auch bestehe die Möglichkeit, variable Glastrennwandsysteme zu integrieren. Die bereits erwähnten schrägen Deckenverläufe stellten auch an anderer Stelle eine Herausforderung für das Ausbau-Team dar: Im Kantinenbereich etwa sah die Planung eine in drei Richtungen ansteigende Deckenkonstruktion vor. Die abgehängte, in etwa 275 m² große und teilweise ebenfalls schrägverlaufende Akustikdeckenfläche wurde mit "Rigitone Activ'Air"-Lochplatten (6/18 R) und einer vollflächigen Akustikdämmauflage ausgeführt. Um die sichtbare Struktur der Deckenfläche beizubehalten, setzten die ausführenden Mitarbeiter die Entlüftung des gesamten Kantinenbereiches über das Deckensystem mithilfe einer umlaufenden Abluftfuge um.

Unterhalb der Treppenanlage ist ein Konferenzraum entstanden, dessen Raumdecke dem ansteigenden Verlauf der Treppe folgt. Dadurch ist der Raum an der niedrigsten Stelle 2,8 m hoch, an der höchsten Stelle reicht die Decke mehr als 7,5 m in die Höhe. "Die von uns umgesetzte 'Rigitone Activ'Air'-Akustikdecke folgt diesem ansteigenden Verlauf in einem Winkel von in etwa 25 Grad", teilt Dr. Brinkmann mit. "Darüber hinaus wurde der Raum mittels einer hochschalldämmenden Wand in zwei separate Konferenzräume unterteilt. Beide Räume werden vom Flur aus durch eine vom Deckenbereich schallentkoppelte Glastrennwand begrenzt. Zusammen mit dem beidseitigen Lichteinfall entstehen so sehr helle, transparente Räume."

Für den Küchenbereich haben die Architekten gemeinsam mit den Rigips-Technikern ein spezielles Korrosionskonzept erarbeitet. "Da während des Betriebes, besonders im Bereich der Koch- und Spülstation, mit einer überdurchschnittlich hohen Feuchtigkeitsbelastung zu rechnen ist, fiel die Wahl auf ein Wandsystem der Beanspruchungsklasse C5", erläutert Dr. Brinkmann. Die korrosionsgeschützten Rigips-Profile wurden hierfür zweilagig mit zementgebundenen Platten beplankt. Dadurch erfüllen die Wände gleichzeitig die geforderten F-90-Brandschutzanforderungen wie auch die Maßgaben an einen hohen Schallschutz.

Neben den baulichen Besonderheiten empfanden Peter Brinkmann und Benjamin Brinkmann vor allem die hohen Ausführungs- und Materialanforderungen als außergewöhnlich, die sich aus der höchsten DGNB-Bewertungsstufe Platin ergaben. Das Bauvorhaben wurde in regelmäßigen Abständen durch unabhängige Sachverständige kontrolliert.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 33/2020.

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