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Modulares Bauen mit Betonfertigteilen

Ein wettergeschützter Wertstoffhof wurde in "Lego"-Bauweise erstellt

Die Wandstärken der Elemente betragen 14 cm, die Deckenstärken 23 cm. Alle Elemente wurden mit einer Länge von 3 m geplant. Die Höhen variieren dabei zwischen 0,85 m und 2,60 m. Die max. Spannweite beträgt 5 m.

Herne (ABZ). – Vor allem im Brücken- und Tunnelbau ist sie seit einiger Zeit in aller Munde, die so genannte "Lego"-Bauweise. Hierunter versteht man ein Bauverfahren, bei dem Teile des Bauwerkes aus vorge-fertigten Bestandteilen nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt werden. Die Herstellung von Baukörpern entsteht hierbei also nicht vor Ort, sondern im Herstellerwerk. Größter Vorteil liegt in der Zeitersparnis gegenüber der herkömmlichen Bauweise. Um sich diesen Vorteil zu Nutze zu machen, setzten auch die Bauherren des neuen Wertstoffhofes in Herne auf eine modulare Bauweise. Kürzlich wurde er bei einem Erlebnistag der Öffentlichkeit vorgestellt. Nachdem der alte im Jahre 2006 in Betrieb genommene Recyclinghof (ca. 11 000 t Abfälle und Wertstoffe pro Jahr) schon seit längerer Zeit als nicht mehr zukunftsfähig galt, diskutierten die Akteure bereits seit 2014 sehr intensiv über neue Lösungen. Verkehrstechnische, bauliche und kapazitative Schwachstellen schlossen eine Optimierung der Anlage aus und legten einen Neubeginn nahe. Neben der Bauzeit standen die Aspekte Kundenfreundlichkeit und Nachhaltigkeit dabei im Fokus der Überlegungen. Unter Berücksichtigung dieser Punkte, sowie spezieller Anforderungen an Raumhöhen für Arbeitsplätze, Raumakustik, Wärmedämmung und an flexible Nutzungsmöglichkeiten, entschieden sich die Herner Entsorger für den Neubau eines wettergeschützten Wertstoffhofes auf Basis von Beton-Fertigteilen.

Kernstück des Wertstoffhofes auf dem rd. 23 000 m² großen Gelände bildet die Annahme der Wertstoffe auf zwei Ebenen. Der Kunde zahlt seine Gebühr an einer überdachten Kassenanlage, dort erfolgt auch die Steuerung der Kundenströme durch die Mitarbeiter. Der Nutzer fährt auf der rechten Seite der modular aufgebauten Anlage eine Rampe hoch, stellt seinen Pkw in diesem "Obergeschoss" ab und entsorgt den Abfall ohne größere Anstrengung in tiefer stehenden Containern. Anschließend fährt er auf der anderen Seite wieder herunter. Die Ein- und Ausfahrten sind vom normalen Betriebsverkehr getrennt. Ebenerdig ist ein Bereich mit Schüttboxen für die Anlieferung größerer Mengen eingerichtet. Kurz vor dem Verlassen des Geländes kann der Kunde noch eine Wertstoffinsel für Altglas und Alttextilien nutzen. Dank der zwei Ebenen soll künftig gewährleistet sein, dass das in den letzten Jahren häufig auftretende Verkehrschaos ausbleibt. Auf der oberen Ebene werden zudem zentral Schadstoffe, Elektroaltgeräte sowie Metalle angenommen. Ein weiterer Bereich der Anlage wird für die Abwicklung interner Stoffströme und das gewerbliche Containerangebot genutzt.

Die Montage der 149 Fertigteile für den Wertstoffhof erfolgte in nur zehn Tagen.

Die notwendige Energie für den Betrieb liefert die Photovoltaikanlage auf der südlichen Dachseite des Hofes. Mit Geothermie wird genügend Wärme für das Besucherzentrum erzeugt. Bei Regenwetter dient ein Rückhaltebecken dazu, das Niederschlagswasser zu speichern, um für Fahrzeuge der Straßenreinigung und des Winterdiensts oder auch für Grünflächen auf dem Gelände wieder Verwendung zu finden. Ein begrünter Lärmschutzwall sorgt dafür, dass die Nachbarn nicht zu sehr gestört werden, sollte es bei der Arbeit einmal lauter werden. Möglich wurde all dies durch die flexible Modulbauweise: Nach aufwändigen Erschließungsarbeiten und dem Gießen eines soliden Fundaments fiel der Startschuss für den Hochbau. Insgesamt 149 im Fertigteilwerk Kleihues in Emsbüren monolithisch hergestellte Fertigteile gelangten in insgesamt 70 Lkw-Fuhren auf die Baustelle. Sie wurden vor Ort auf tragfähigem Boden aufgestellt und konstruktiv miteinander verbunden.

Die Wandstärken der Elemente betragen 14 cm, die Deckenstärken 23 cm. Alle Elemente wurden mit einer Länge von 3 m geplant. Die Höhen variieren dabei zwischen 0,85 m und 2,6 m. Die max. Spannweite beträgt 5 m. In Summe bestehen die Elemente aus etwa 1500 t Beton. Der große Vorteil der Modulbauweise: Die Montage der Elemente erfolgte in nur zehn Tagen. Neben dem Zeitfaktor resultieren aber noch weitere Vorteile aus der Bauweise: Oft ergeben sich im Laufe der Jahre veränderte umweltbezogene und gesetzliche Anforderungen. Die Fertigteilbauweise bietet hier max. Flexibilität, denn die Elemente können angepasst, erweitert, umgesiedelt und wiederverwendet werden. Dank der hohlen Unterseite kann die Fläche doppelt genutzt werden. Und die Kosten? Diese sind vergleichbar mit einer konventionellen Bauweise. Das gesamte Projekt schlug mit rd. 5,6 Mio. Euro zu Buche. Eine Besonderheit besitzt dieser Wertstoffhof mit seinem Besucherzentrum. Es ist als Ort der Begegnung, der Kommunikation, des Lernens und des gemeinsamen Handelns konzipiert und befindet sich im südlichen Flügel des U-förmigen Erdgeschosses. Ein Medienraum und eine Werkstatt gehören dazu.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 08/2019.

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