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Museum Sinclair-Haus

Modernisierung erfolgreich umgesetzt

Das Museum aus der Südansicht.

Bad Homburg (ABZ). – Das Museum Sinclair-Haus, eine Einrichtung der Stiftung Nantesbuch gGmbH, befindet sich in der Stadtmitte von Bad Homburg v. d. Höhe in direkter Nachbarschaft zum Schlossgarten und der Erlöserkirche. Das Museum präsentiert Ausstellungen, vor allem von zeitgenössischer Kunst, die von einem umfassenden Veranstaltungsprogramm begleitet werden. Ein wichtiger Bestandteil ist ferner ein umfangreiches Bildungsprogramm, das im eigenen Atelier im Dachgeschoß des Museums stattfindet.

Das 1708 als Wohnhaus errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz. Über die Jahrhunderte hinweg wurde es mehreren Sanierungen, Umbauten und Nutzungsänderungen unterzogen. Seit 1982 ist das Sinclair-Haus für kulturelles und gesellschaftliches Engagement geöffnet und hat sich als unverwechselbare Marke in der Region etabliert. Um auch in Zukunft beste Rahmenbedingungen zu garantieren, beschloss die Stiftung Nantesbuch eine umfassende, technische Modernisierung des historischen Gebäudes, mit der sie die Plan Forward Architekten beauftragte.

Die Aufgabenstellung war zunächst die Planung und Erstellung eines Konzepts zur Modernisierung des Museums. Wesentliches Ziel war eine ganzheitliche Betrachtung aller Maßnahmen innerhalb der denkmalgeschützten Struktur. Durch die Modernisierung der Anlagentechnik sollte in den Ausstellungsräumen ein bedarfsgerechtes Klima bereitgestellt und ein zeitgemäßes Beleuchtungskonzept in einen gestalterisch beruhigten raumbildenden Ausbau integriert werden. Die Herausforderung für die Architekten bestand also einerseits darin, die bestehenden Räumlichkeiten an zeitgemäße Museumskonzepte – gestalterisch sowie technisch – anzupassen, andererseits sollte die historisch geprägte Aura der Räumlichkeiten erhalten werden.

Die Plan Forward Architekten gingen sehr feinfühlig ans Werk. Wesentlich für die Qualität der Modernisierung und des Umbaus war die gründliche Untersuchung der Bausubstanz und die enge Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Mithilfe von 3D-Laserscans wurde im ersten Schritt eine Bestandsaufnahme durchgeführt und ein 3D-Gesamtmodell erstellt. Dieses bildete die Basis für die konzeptionelle Arbeit sowie die weitere Planung. Bereits im Entwurfsstadium unterstützen 3D-Visualisierungen und virtuelle Rundgänge die Entscheidungsfindung.

Das Konglomerat aus verschiedenen Gestaltungstypologien wurde durch ein zeitgemäßes gestalterisches Konzept ersetzt, das eine einheitliche Formensprache bei Böden, Wände und Decken entspricht. Das neue Beleuchtungskonzept mit homogenen LED-Leuchten erzeugt ein harmonisches, aufeinander abgestimmtes Raumlicht. In den Ausstellungsräumen bestimmt eine Kombination aus Leuchtenband, Stromschiene sowie Luftauslass den Deckenspiegel. Dezente Dome-Kameras und Unterputzlautsprecher ergänzen die technische Ausstattung. Außerdem erfolgt die Rauchdetektion mittels eines Rauchansaug-systems (RAS) – sichtbare Rauchmelder sind nicht mehr erforderlich. Das neue Verdunklungs-System ist ebenfalls in die Decke integriert und ersetzt die alten Rollos. Die damit verbundene gestalterische Reduzierung der Deckenspiegel entspricht dem architektonischen Konzept und definiert das neue, frische Gesamtbild.

Um die beiden Ausstellungsräume im Erdgeschoss flexibler nutzen zu können, wurde der Durchgang zwischen den Räumen vergrößert. Dies ermöglicht bei Veranstaltungen eine effizientere Bestuhlung mit mehr Sichtkontakt zum Vortragenden. Eine zentrale Steuerungs- und Beleuchtungstechnik ermöglicht eine flexible Anpassbarkeit an die unterschiedlichen Anforderungen. Funktionale Wandnischen sowie unsichtbare Wandflächenheizungen unterstützen die reduzierte Raumwirkung.

Mit einigem Aufwand wurde das Museum für künftige Nutzungen hergerichtet. Hinter der originalgetreuen Fassade haben die Architekten den typischen Altbau-Flair des Museums erhalten. Durch moderne Lichttechnik sowie neue Wand- und Bodengestaltung wird die Kunst neu in Szene gesetzt. Die neue, behutsam integrierte Technikzentrale schafft die notwendigen Flächen sowohl im Neubau als auch im Bestand. Klima-, Licht- und Audiotechnik wurden auf modernsten Stand gebracht und erhöhen die Aufenthaltsqualität.

Im Rahmen einer integralen und ganzheitlichen Betrachtung der Spannungsfelder Architektur, Denkmalschutz, Brandschutz und technischer Gebäudeausrüstung wurde zur Erreichung der Planungsziele ein unterirdischer Erweiterungsneubau beschlossen. Dort ist die neue Technikzentrale untergebracht, in der Raumklima und Beleuchtung des Gebäudekomplexes zentral gesteuert werden. Nur ein geringer Anteil der Haustechnik ist noch im Bestandsgebäude untergebracht. Durch die Auslagerung der bisherigen ELT-Räume konnten zusätzliche Flächen in mehreren Geschossen gewonnen werden. Im Untergeschoss konnten so beispielsweise Nebenräume für Mitarbeiter realisiert werden.

Für den unterirdischen Neubau bot sich der Innenhof mit dem barock nachgestalteten Garten an, der zuvor kartiert wurde. So konnte der Garten nach abgeschlossenen Bauarbeiten in ursprünglicher Form wiederhergestellt werden. Oberirdisch tritt der Neubau nicht in Erscheinung und wird über das Unter-geschoss im Bestand erschlossen.

Im Dachgeschoss ist das Atelier mit Werkräumen und einer Teeküche untergebracht. Hier wurden teilweise nichttragende Innenwände entfernt und durch raumhohe Schiebetüren ersetzt, sodass ein offenes Raumgefühl entstehen konnte. Einbauschränke wurden im Werkraum und im Flur eingebaut beziehungsweise erneuert. Ein einheitliches Lichtkonzept beruhigt den Deckenspielgel sowie den Gesamteindruck.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 13/2021.

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