Anzeige

Mythos entzaubert

Galfan-Überzüge nicht beständiger als reiner Zink

DÜSSELDORF (ABZ). - Der Eisengehalt des Spinats ist ein Musterbeispiel für Irrtümer, die durch permanente Wiederholung zur vermeintlichen Wahrheit werden. Der Spinat des Korrosionsschutzes ist die Galfan-Verzinkung. Immer noch glauben selbst gestandene Korrosionsschutzexperten, dass die aus einer sehr dünnen Zink-Aluminium-Legierungsschicht bestehenden Galfan-Überzüge eine vielfach höhere Korrosionsbeständigkeit aufweisen als solche aus reinem Zink. Wissenschaftliche Langzeituntersuchungen belegen hingegen, dass derartige Ressourceneffizienz-Träume in der Praxis wie Seifenblasen platzen.

Fakt ist nämlich dass, Galfan- und Reinzink-Überzüge bei üblicher atmosphärischer Korrosionsbeanspruchung ähnliche Korrosionsraten aufweisen. Da durch Stückverzinken hergestellte Reinzink-Überzüge deutlich höhere Schichtdicken besitzen als Galfan-Überzüge, erreichen sie auch eine erheblich längere Korrosionsschutzdauer.

Vor rund 30 Jahren kam die Galfan-Verzinkung mit großem Trommelschlag auf den Markt. Auf der Basis von Ergebnissen aus Kurzzeit-Labortests wie dem Salzsprühtest entstand die Legende von der vermeintlich überragenden Leistungsfähigkeit der neuen Zink-Aluminium-Überzüge, die trotz dünnerer Schichtdicken extrem lange Schutzzeiträume erreichen. Selbst heute noch wird Galfan mit Salzsprühtest-Ergebnissen beworben. Dabei bestätigt selbst das für die Salzsprühtest-Norm zuständige Normungsgremium, dass Ergebnisse von Salzsprühprüfungen nur "selten mit dem Verhalten in natürlichen Umgebungen übereinstimmen." Zahlreiche Praxisstudien unter Realbedingungen beweisen, dass die Schichtdicke für die Schutzdauer entscheidend ist, da die Schichtdickenverluste von Galfan-Überzügen unter üblichen atmosphärischen Belastungen denen von Reinzink-Überzügen entsprechen. Während Galfan-überzogene Bleche in der Regel Schichtdicken von maximal 25 µm aufweisen, liegen übliche Schichtdicken von stückverzinkten Stählen zwischen 50 und 150 µm.

Schuhmacher und Wolfhard haben bereits in den 90er-Jahren Reinzink- und Galfanüberzüge in Stadt-, Industrie- und Meeresklima im Rahmen von Auslagerungstest überprüft. Nach sieben Jahren Auslagerungszeit wurden die Schichtdickenverluste ermittelt. Sie belegen, dass vor allem in Stadt- und gemäßigter Industrieatmosphäre keine oder nur marginale Unterschiede zwischen den beiden Überzugsarten existieren.

Lediglich im hochkorrosiven Meeresklima der Nordsee-Insel Baltrum zeigen Galfan-Überzüge eine um rund 30 % bessere Leistungsfähigkeit. Konkret bedeutet dies, dass bei einem derartigen meeresklimatischen Einsatz bspw. ein Galfan-verzinktes 3 mm-Blech mit einer maximalen Schichtdicke von 25 µm trotz geringerer Schichtdickenverluste nur eine Schutzdauer von unter 15 Jahren erreicht, während ein stückverzinktes 3 mm-Blech mit einer praxisüblichen Schichtdicke von 80 µm unter gleichen Bedingungen mehr als 33 Jahre geschützt ist.

Untersuchungen im Mineralbad Cannstatt von Nürnberger und Zehnder ergaben, dass sich sowohl bei galfan-verzinkten als auch bei kontinuierlich feuerverzinkten Spiralseilen "bereits ab etwa zehnjährigem Badbetrieb umfangreiche Korrosionserscheinungen mit Rotrostbildung" zeigten und dass in diesem hochkorrosiven Umfeld kaum Unterschiede zwischen galfan-verzinkten Seilen und den feuerverzinkten Seilen feststellbar sind. Beide Seiltypen wurden nach rund zehn Jahren ersetzt. Im Zeitraum 2002 bis 2007 überprüfte die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) das Korrosionsverhalten von Stahlschutzplanken mit Zink-Aluminium-Überzügen so-wie mit Reinzink-Überzügen an der Autobahn A 4 bei Bensberg. Nach fünfjähri-ger Freibewitterung zeigten die untersuchten Schutzplankenholme mit Reinzink- bzw. Zinkaluminiumüberzügen identische Schichtdickenveränderungen. Malgorzata Schröder berichtet über unveränderte Ergebnisse in einer weiterführenden Auswertung dieser Versuchsserie nach neun Jahren.

J.-M. Leclerque untersuchte das Korrosionsverhalten von Weinbergpfählen in Frankreich. Am gleichen Weinberg wurden stückverzinkte Pfähle und kontinuierlich verzinkte Pfähle mit Reinzink- sowie mit Zink-Aluminium-Überzügen eingesetzt. Der Schichtdickenverlust der Weinbergpfähle mit Zink-Aluminium-legierten Überzügen lag mit 1,2 µm pro Jahr sogar leicht über dem Schichtdickenverlust der Pfähle mit Reinzink-Überzügen.

Während die bandverzinkten Reinzink- bzw. Zink-Aluminium-Überzüge mit Schichtdicken von 19 bzw. 32 µm bereits nach 16-jähriger Verwendung überwiegend stark bzw. im Erdreich leicht ausgeprägten Rotrost aufwiesen, besaßen die stückverzinkten Pfähle noch immer Zinkschichtdicken von mehr als 60 µm und somit das Potenzial für eine weitere jahrzehntelange Verwendung.

ABZ-Stellenmarkt

Ausgewählte Unternehmen

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de
Anzeige

Weitere Artikel