Nachhaltiges Gebäude im eigenen Wald

Wohnhaus fügt sich perfekt in Hanglage in Tiroler Alpenkurort ein

Bad Häring/Tirol (ABZ). – Für die Planung und den Bau ihres neuen Wohnhauses hat sich Familie Bramböck ausreichend Zeit genommen. Schließlich galt es nicht nur, den richtigen Partner für die hohen Ansprüche an Baubiologie und -physik zu finden, sondern auch den geeigneten Platz am landwirtschaftlichen Anwesen in der Tiroler Gemeinde Bad Häring. Heute steht das gemeinsam mit holzius realisierte Wohnhaus optimal ausgerichtet in Mitten des sonnigen Grundstücks, umrahmt vom eigenen Wald.
Bauen mit Holz
Das gemeinsam mit holzius realisierte Wohnhaus steht optimal ausgerichtet in Mitten des sonnigen Grundstücks, umrahmt vom eigenen Wald. Foto: holzius/Günter Dirr

Wenn man an Tirol denkt, denkt man an Berge, Täler und schroffe Felsformationen. Bad Häring, Kurort in Tirol, überrascht allerdings mit seiner flachen Plateaulage, die in dieser Alpenregion einmalig ist. Das weitbereiste Ehepaar Bianca und Franz Bramböck ist in der Region aufgewachsen und wollte gemeinsam mit ihren zwei Kindern hier im Tiroler Unterland ein nachhaltiges Gebäude mit Bestand für Generationen errichten.

Es sollte dementsprechend kein klassisches Einfamilienhaus, sondern vielmehr ein Lebens-Mittelpunkt sein. Der Hof "Kleinharrain" bot dafür die optimalen Voraussetzungen: Großzügige Wiesen sowie alter Waldbestand rund um ausreichend Freifläche in der Mitte des sonnigen Grundstücks mit leichter Hanglage. "Lebensmittelpunkt deshalb, weil wir hier nicht nur wohnen, sondern auch im landwirtschaftlichen Nebenerwerb unsere Jungrinderaufzucht und die Pflege unserer in Aufbau befindlichen Mutterkuhherde mit Tuxer Rindern, einer ganz alten und kleinwüchsige Rasse aus dem Zillertal, betreiben", geht Franz Bramböck ins Detail.

Gut Ding braucht Weile. Bianca und Franz Bramböck wollten die natürlichen Eigenschaften ihres Grundstücks im Jahreslauf beobachten. Es zeigte sich, dass der beste Platz, das Wohnhaus zu errichten tatsächlich jener war, auf dem bereits das alte Bauernhaus stand. Mit kaltfeuchter Grundsubstanz, dicken Steinmauern, niedrigen Räumen und kleinen Fenstern wurde der alte Einhof, 1882 gebaut, offiziell als nicht erhaltungswürdig eingestuft.

Die Bauherren wollten den Abriss aber auch als Möglichkeit zum Recyceln des Baumaterials nutzen – und dieses Konzept der Planung des neuen Hauses zugrunde legen: "Unser Ziel war es, so zu bauen, dass nachfolgende Generationen das verarbeitete Baumaterial bei Bedarf wiederverwenden, oder problemlos in den Naturkreislauf rückführen können." Mit dem auf Holzbau spezialisierten Architekturbüro von Mario Handle hat Familie Bramböck einen Partner gefunden, der mit viel Gefühl ein landwirtschaftlich genutztes Ensemble zukunftsfit konzipiert hat.

Der erste Kontakt zu holzius wurde schließlich auf der Tiroler Hausbau & Energiemesse in Innsbruck geknüpft. Das Baukonzept hat gefallen, eine persönliche Besichtigung des Werks im Südtiroler Prad am Stilfserjoch hat überzeugt. Das leim- und metallfreie Baukonzept von holzius basiert auf der modernen Interpretation einer uralten Holzverbindungstechnik. Dabei werden bei den Wandelementen die Bohlen in Wuchsrichtung verbaut und mit einer Gratleiste in Schwalbenschwanzform miteinander verbunden. Die Gratleiste wird quer in die Holzbohlen eingepresst, die dadurch von außen her nicht sichtbar kraftschlüssig miteinander verbunden werden. Die Vollholz-Wandelemente von holzius erreichen durch die Ausführung als mehrlagig stehender Block eine hohe Tragfähigkeit, wodurch auch mehrgeschossige Gebäude – wie der neue Hof Kleinharrain – realisiert werden können. Franz Bramböck fasst zusammen: "Es war tatsächlich nicht einfach, einen Partner zu finden, der unsere Anforderungen an Reinheit und Qualität der Grundstoffe sowie Professionalität in der Umsetzung erfüllen konnte."

Das neue Wohnhaus fügt sich perfekt in die Hanglage des Grundstücks ein. Die Zufahrt erfolgt aus nördlicher Richtung und endet im Carport neben dem Hauseingang im (eigentlichen) ersten Obergeschoss. Besucher werden von dort aus gleich von der Treppe in das darunter liegende Geschoss geleitet, wo sich neben Wirtschaftsräumen die Wohnräume, also das Wohnzimmer mit offener Küche und Kachelofen sowie der großzügig dimensionierte Essbereich befinden. Über eine Schiebetür gelangt man von dort in den Garten mit dem Pool direkt neben der Terrassenfläche. "Hier empfangen wir Freunde und Gäste. Die Privaträume befinden sich direkt darüber", führt Bianca Bramböck wieder zurück.

Eine architektonische Besonderheit ist die Anordnung der Schlafzimmer im Obergeschoss. Sie sind auf einer Gesamtlänge von 22 m und einer Raumtiefe von rund 6 m alle nach Westen hin ausgerichtet und mit einem langen Vorzimmergang verbunden. Sowohl Elternschlafzimmer als auch die beiden Kinderzimmer sollten über die bodentiefen Fenster bestmöglich mit natürlichem Sonnenlicht durchfluten werden. Wie sich nach dem Einzug zeigte, reizen die großen Fensterfronten auch in der Nacht mit ihrem direkten Blick vom Bett auf Mond und Sterne", wie Bianca Bramböck ergänzt. Alle Zimmer sind mit einem durchgängigen Balkon vor den (ebenfalls) bodentiefen Fenstern und Türen verbunden. Das große Vordach dient dabei sowohl der natürlichen Beschattung als auch als Schutz vor den regional auftretenden Starkregen und Gewittern.

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Bauen mit Holz
Die Außenwandelemente von holzius in 180 mm Stärke sind zusätzlich mit Holzfaserdämmung und hinterlüfteter, unbehandelter Lärchenschalung als Außenfassade ausgestattet. Foto: holzius/Günter Dirr

Das gesamte Haus funktioniert als Wohlfühlzone mit angenehmer Wohnatmosphäre. Die Außenwandelemente von holzius in 180 mm Stärke sind zusätzlich mit Holzfaserdämmung und hinterlüfteter, unbehandelter Lärchenschalung als Außenfassade ausgestattet. "Sollten sich zukünftige Generationen für einen Rückbau entscheiden, kann dieses Material als nachhaltiger Brennstoff genutzt werden", geht Franz Bramböck ins Detail. Die Wände im Inneren sind mit natürlichen Lehm- und Kalkputz versehen, die Fußböden aus Eiche sowie die Steinplatten aus Granit stammen sämtlich aus österreichischer Produktion, denn "es sollte schon alles bis ins Detail stimmig sein". Über eine im Freien installierte Luftwärmepumpe können die Wohnräume im Winter geheizt und im Sommer gekühlt werden. Für eine in Zukunft vorgesehene Photovoltaikanlage auf dem Dach des Stallgebäudes wurde in den vorgefertigten Vollholzelementen des Hauses bereits die Leerverrohrung eingefräst.

Familie Bramböck hat sich für dieses – im wahrsten Sinne des Wortes – Generationenprojekt ausreichend Zeit genommen. Zwischen der ersten Idee bis zum Start auf der Baustelle sind rund drei Jahre vergangen. Dann ging alles schnell, denn die holzius-Vollholzelemente waren innerhalb weniger Tage aufgestellt, die Familie konnte rund ein halbes Jahr nach Baustart einziehen. Franz Bramböck zieht Resümee: "Dank den Perfektionisten von holzius wohnen wir heute in einem Haus, das tatsächlich voll und ganz unseren Vorstellungen entspricht. Uns fehlt lediglich eine zusätzliche Steckdose, auch das wird holzius für uns lösen."

Der neue Hof Kleinharrain in Bad Häring ist ein Musterbeispiel praktizierter Nachhaltigkeit. holzius-Geschäftsführer Herbert Niederfriniger zeigt sich begeistert: "Für uns war es keine 'Zusammen-Arbeit', sondern ein 'Zusammen-Spiel'. Die Bauherrenfamilie und Architekt Mario Handle hatten ein rundum schlüssiges Konzept, das zu 100 % zu unserer Umsetzungsphilosophie gepasst hat. Heute steht das Vollholzhaus auf einer weitläufigen Grünfläche, umgeben von einem Blühstreifen als Bienenhabitat sowie einem klimafitten Mischwald, in dem Franz Bramböck persönlich mehr als 4000 junge Bäume gepflanzt und somit den Rohstoffgrundstein für ein mögliches nächstes gemeinsames holzius Projekt geschaffen hat. Das ist gelebte nachhaltige Planung für Generationen."

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