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Nachhaltigkeit

Der (Bau)Stoff – aus dem die Zukunft ist

Von Jens Günther

Doka, Stadtentwicklung, Baustoffe

Jens Günther: "Bisher war ein Bauprojekt nach der erfolgreichen Abnahme abgeschlossen. Nun beginnen wir, vermehrt in Prozessen zu denken. Von der Planung, Ausschreibung und Ausführung über den laufenden Betrieb, die Instandhaltung und Revitalisierung, bis hin zur Abtragung und Wiederverwertung der eingesetzten Materialien."

Amstetten/Österreich. – Fast 15 Mio. Ergebnisse wirft Google beim Suchwort "Nachhaltigkeit" aus, die englische Entsprechung "Sustainability" erreicht 134 Mio. Treffer. Doch es handelt sich um weit mehr als einen trendigen Begriff. Das Wort beschreibt sämtliche Handlungs- und Denkweisen einer umwelt- und ressourcenschonenden Nutzung aller uns zur Verfügung stehenden Mittel. Nachhaltige Baustoffe zählen dazu. Die rege Bautätigkeit der vergangenen Jahrzehnte und die Tatsache, dass diese sich in den nächsten Jahren noch deutlich steigern wird, veranlassen uns darüber nachzudenken, wie Baumethoden und entsprechende Materialien in Zukunft aussehen werden.

Die Sustainable Development Goals der UN haben Themen wie den nachhaltigen Bau von Städten und Siedlungen und den Aufbau belastbarer Infrastruktur einerseits, aber auch die Entwicklung nachhaltiger Industrie und Innovation andererseits, zur Agenda gemacht.

Nicht ohne Grund: Der Prozess der Urbanisierung schreitet voran, in den nächsten drei Jahrzehnten werden wir für Milliarden von Menschen, die vor sozialen Unruhen, Krieg und Armut in die Städte fliehen, Wohnraum benötigen. Für die Schaffung dessen werden zwei Parameter entscheidend werden: Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Letzte Woche erreichte uns die Meldung, dass Siemens und Stratasys – Marktführer bei der Herstellung von 3D-Druckern – zukünftig gemeinsame Wege gehen werden. Ein deutliches Indiz dafür, dass diese Methode in der Industrie verstärkt Einzug halten wird. Häuser und Komponenten kommen vereinzelt schon jetzt aus dem 3D-Drucker. Setzt sich dieser Trend fort, wie er von Experten vorausgesagt wird, ist es zur Stadt, die auf diese Weise entsteht, nicht mehr weit. Verwendete Materialien sind in erster Linie Beton, aber auch Kunststoffe und Mikrofasern. Getestet wird auch der Einsatz recycelter Baumaterialen. Das macht es für die Bauindustrie besonders spannend. Denn genau an der Stelle geht es in die Verlängerung des Lebenszyklus eines Objekts. Bisher war ein Bauprojekt nach der erfolgreichen Abnahme abgeschlossen. Nun beginnen wir, vermehrt in Prozessen zu denken. Von der Planung, Ausschreibung und Ausführung über den laufenden Betrieb, die Instandhaltung und Revitalisierung, bis hin zur Abtragung und Wiederverwertung der eingesetzten Materialien: Wir gehen vom Projekt- in ein Prozessgeschäft über, welches durch und mit BIM unterstützt werden soll. Und in all diesen Phasen ist der schonende Umgang mit Mensch, Umwelt und Gesellschaft in den Mittelpunkt zu rücken.

An diesem Punkt möchte ich einen zweiten Aspekt aufgreifen, der in diesem Zusammenhang wesentlich ist: traditionelle, regionale Materialien, oft über Jahrhunderte bewährt und vor Ort meist reichlich vorhanden – optimiert in ihren Eigenschaften, verbessert in ihren Fähigkeiten, mit modernen Erkenntnissen kombiniert und aufbereitet. Hier ist Innovationsgeist gefragt.

Ein schönes Praxisbeispiel zeigt, wie das funktionieren kann, wenn Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen zusammenarbeiten: BASEhabitat. Dabei handelt es sich um ein Werkstudio, das von der Universität Linz und dem Fachbereich Architektur gegründet wurde. Das Werkstudio befasst sich mit dem Einsatz nachhaltiger Materialien. Regional ausreichend verfügbare sowie nachwachsende Rohstoffe stehen dabei im Fokus. Wie etwa Lehm. Der hat hervorragende Dämm-, Klima- und Schalleigenschaften. Regional eingesetzt verfügt er über eine ausgezeichnete Ökobilanz. Die traditionellen Lehmbautechniken werden im BASEhabitat-Projekt in internationalen Workshops, mit Teilnehmern von Universitäten und auch Unternehmen aus der ganzen Welt, weiterentwickelt. Die Doka beteiligt sich an diesem globalen Projekt. Der Lehm wird in Form gestampft – wofür Schalung zum Einsatz kommt. Ein Fall für die flexiblen Doka Komponenten. Aber auch im Beton liegt hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit noch großes Potenzial. Weltweit arbeiten viele Forschungseinrichtungen an immer leistungsfähigerem Beton.

Auch die holländische Firma B|A|S, die seit Mitte des Jahres Bestandteil der DokaGroup ist, arbeitet in ihren Betonlabors an der ständigen Optimierung dieses Baustoffs. Die Entwicklungen sind interessant und häufig schon marktreif. So kann bspw. durch die Zugabe von verschiedenen Zusatzstoffen – etwa agroindustrieller Abfallstoffe – der Zementanteil im Beton reduziert werden. Ein anderes Bespiel ist Karbonbeton: ästhetisch, filigran und leicht. Die Kombination aus Beton und Karbon gilt schon jetzt als der Baustoff, der das Ende des Stahlbetons einläuten könnte.

Entwicklungen wie diese sind beispielhaft und zeigen, wie wichtig es ist, weltweite Netzwerke im Bereich innovativer und nachhaltiger Baustoffe und -methoden zu stärken und den Austausch von Wissen und Erfahrungen zu fördern. Denn nur dann können wir die Zukunft weltweit nachhaltig gestalten.

Der Autor Jens Günther übernimmt mit Jahreswechsel den Vorsitz der Geschäftsführung der Doka.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 50/2016.

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