Nachhaltigkeit und Fachkräftemangel als wichtige Aufgabenstellungen

Mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft

Layher-Geschäftsführer Wolf Christian Behrbohm im Gespräch mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga über aktuelle Herausforderungen der Gerüstbaubranche.
Layher Baukonjunktur Gerüstbau
Wolf Christian Behrbohm ist Layher-Geschäftsführer. Foto: Layher

ABZ: Herr Behrbohm, die Pandemie ist überwunden, Lieferkettenprobleme scheinen weitgehend gelöst. Wie stellt sich die aktuelle Marktsituation für Layher dar?

Behrbohm: Wir können seit Jahresbeginn von Woche zu Woche eine steigende Nachfrage verzeichnen. Auch in diesem Jahr haben wir über die Wintermonate sowohl unser Zentrallager am Stammsitz in Eibensbach als auch unsere 31 Service-Stützpunkte in ganz Deutschland gut mit Fertigmaterial gefüllt. Davon profitieren unsere Kunden jetzt. Die kurzfristige Materialverfügbarkeit gehört schließlich zu den Erfolgsfaktoren im Gerüstbau, denn nur so können Aufträge termingerecht und kurzfristig begonnen werden. Möglich ist dies zum einen durch unsere vorausschauende Planung bei Rohmaterialien und zum anderen durch die Flexibilität unserer hochautomatisierten Fertigung in Deutschland. Mit dem Bau unseres dritten Fertigungswerks sind wir künftig noch schlagkräftiger aufgestellt und können noch flexibler auf den Bedarf unserer Kunden reagieren – von klein bis groß.

ABZ: Zu Anfang des Jahres sagten Sie, dass es schwierig sei, die Baukonjunktur verlässlich einschätzen zu wollen. Hat sich daran etwas geändert?

Behrbohm: Hier lässt sich aus unserer Sicht noch immer kein einheitliches Bild erkennen. Aktuellen Berichten zufolge hat die Bautätigkeit insgesamt zugelegt, die diesbezüglichen Erwartungen haben sich jedoch eingetrübt. Andererseits hellt sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft insgesamt laut ifo-Institut weiter auf. Wenn wir speziell unsere Branche betrachten, blicken unsere Kunden aus dem Gerüstbau vorsichtig optimistisch in die Zukunft, da Gerüstbaudienstleistungen weiterhin nachgefragt werden, wenn auch die Gewichtung der Anwendungsbereiche sich verschiebt.

ABZ: Seit Monaten überschlagen sich Negativmeldungen zu rückgestellten oder stornierten Wohnungsbauaufträgen. Inwieweit betrifft das ihr Unternehmen?

Behrbohm: Das ist einer der Faktoren, von denen ich sprach. Während der private Wohnungsbau über Jahre zu den Wachstumsmotoren gehörte, erlebt er jetzt aufgrund hoher Baupreise bei gleichzeitig gestiegenen Zinsen eine Talfahrt – obwohl Wohnraum unter anderem in Ballungszentren weiterhin stark nachgefragt ist und der Wohnungsbau sich unserer Einschätzung nach deshalb mittelfristig wieder erholen sollte. Dagegen ist die Nachfrage im Industriebau nach einem Corona-bedingten kurzen Einbruch wieder gestiegen. Solche Nachfrageverschiebungen sind für unsere Gerüstbaukunden jedoch eine relativ normale Marktentwicklung, wenn vielleicht auch nicht in dieser Intensivität, wie wir sie gerade erleben.

Warum unsere Kunden trotzdem vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken? Das ist leicht erklärt. Gerüstbauunternehmen haben den Vorteil, dass sie mit dem Integrierten Layher System sehr flexibel agieren und Lösungen für die verschiedensten Anwendungsbereiche bieten können: Neubau ebenso wie Wartung und Sanierung. Wohnungsbau ebenso wie Brücken- und Industriebau. Und mit Ergänzungsbauteilen wie dem neuen und inzwischen mehrfach ausgezeichneten Aluminium-Träger TwixBeam können sich unsere Kunden noch flexibler aufstellen und bei Bedarf neue Geschäftsfelder für sich erschließen.

ABZ: Was sind für Sie die aktuellen Herausforderungen der Gerüstbaubranche?

Behrbohm: Aktuell gibt es zwei Themenstellungen, die die Branche beschäftigen. Da gibt es zum einen die Fragestellung, wie die Attraktivität des Gerüstbauberufs bei Fachkräften noch weiter gesteigert werden kann. Die kreativen Möglichkeiten und vielfältigen Aufgaben im Gerüstbauerhandwerk sind oftmals noch gar nicht so gut bekannt. Hier sind wir auch als Hersteller gefragt. Indem wir Lösungen wie Layher Lightweight anbieten, die sowohl hinsichtlich Montageschnelligkeit überzeugen als auch im Bereich der Arbeitsergonomie, trägt dies natürlich positiv zum Bild des Gerüstbaus bei – als ein wichtiger Aspekt von vielen.

Ein weiteres Thema ist das Thema Arbeitssicherheit und Vorschriften wie die vorlaufende Geländermontage im Fassadengerüstbau bei durchgehender Gerüstflucht. Die technischen Möglichkeiten wie beispielsweise das systemintegrierte I-Geländer für das Blitz Gerüst sind vorhanden. Jetzt geht es daran, diese auch einzusetzen, was in der Regel eine veränderte Arbeitsweise bedingt. Das sind Veränderungsprozesse, die oftmals einfach Zeit brauchen – und die wir mit Schulungen bei uns am Stammsitz oder vor Ort bei Kunden eng begleiten.

ABZ: An welchen Projekten arbeitet Layher aktuell?

Behrbohm: Eines der Themen, die inzwischen auch die Baubranche und damit auch die Gerüstbaubrache erreicht hat, ist das Thema Nachhaltigkeit. Gerüste als systemrelevante Produkte für Infrastrukturmaßnahmen ebenso wie für die nachhaltige Transformation – beispielsweise im Bereich der Energiesicherheit – spielen hier eine wichtige Rolle. Dabei denken wir das Thema Nachhaltigkeit für Gerüstbauunternehmer in der Produktentwicklung gleich mit. Ergänzend zum Einsatz leistungsfähiger Werkstoffe ermöglicht gerade die Philosophie des Integrierten Layher-Systems, dass Layher-Gerüste miteinander verbaubar sind, generationenübergreifend funktionieren und für viele Jahre wiederverwendet werden können. Neben einer schnellen Amortisation lässt sich durch diesen ressourcenschonenden Ansatz die Ökobilanz von unseren Kunden nachhaltig optimieren. Und für Nachhaltigkeit im Bereich der Investitionssicherheit ist ebenfalls gesorgt.

Natürlich müssen wir als Hersteller das Thema Nachhaltigkeit aber auch bei der Fertigung berücksichtigen. Als familiengeführtes Unternehmen ist ressourcenschonendes Arbeiten ein fester Bestandteil unseres Leitbilds. Vielschichtige Maßnahmen beispielsweise zur Steigerung der Energie-Effizienz wirken sich nicht nur positiv auf die Umwelt aus, sondern erlauben es uns auch, in Deutschland weiterhin zu wettbewerbsfähigen Preisen zu produzieren – trotz der rasant gestiegenen Preise wie bei Rohmaterialien oder bei der Energie. So haben wir beispielsweise vor kurzem eine großflächige Photovoltaik-Anlage bei uns am Stammsitz installiert – bei Neubauten wie unserem dritten Fertigungswerk ist dies sowieso bereits Standard.

ABZ: Lassen sich mich nochmals kurz einhaken – was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit im Bereich Investitionssicherheit?

Behrbohm: Bei Systemgerüsten handelt es sich um ein Investitionsgut – in das unsere Kunden oft schon seit Jahrzehnten investieren. Die Philosophie des Integrierten Systems erlaubt es unseren Kunden, neue Systemgenerationen wie Layher Lightweight oder neue Ergänzungsbauteile wie den Aluminium-Träger TwixBeam mit ihrem bestehenden Materialbestand kombinieren zu können. Dies gewährleistet Investitionssicherheit und spart Ressourcen, da unsere Kunden ihren bestehenden Materialbestand weiter einsetzen können. Ein gutes Beispiel ist das neue modulare Fassadengerüst AGS. Viele unserer Kunden machen sich gerade intensiv Gedanken über ihre künftige Marktausrichtung – selbst, wenn dies Änderungen im Materialbestand mit sich bringt.

Das Stichwort Flexibilität ist hier neben Wirtschaftlichkeit zunehmend ein entscheidender Faktor, was wir angesichts des gestiegenen Interesses am AGS als modularem Fassadengerüstsystem erkennen können. Das AGS besteht aus einem durchdachten Grundsystem aus nur wenigen Bauteilen, was den Investitionsbedarf und die Logistikkosten für Kunden senkt – und damit gleichzeitig den Ressourceneinsatz. Ich benötige beispielsweise für verschiedene Längen, Breiten und Höhen und auch Anwendungsbeispiele nur einen einzigen Stiel. Und falls Kunden sich aufgrund einer veränderten Marktausrichtung für das modulare Fassadengerüst AGS entscheiden, können Gerüstböden ebenso wie Ausbau- und Ergänzungsbauteile weiterverwendet werden. Unternehmen schützen dadurch ihren Materialbestand und sind mit einer minimalen Neuinvestition auch weiterhin sehr wettbewerbsfähig am Markt.

ABZ: Was bedeutet dies für Ihre bestehenden Systeme, zum Beispiel das Rahmensystem? Wird dieses durch das AGS ersetzt?

Behrbohm: Hier können wir mit einem klaren Nein antworten. Das AGS ist je nach Marktausrichtung des Gerüstbauunternehmens eine sinnvolle Ergänzung. Das Blitz Gerüst als das Rahmensystem überzeugt auch weiterhin an der Fassade in der Montageschnelligkeit und mit statischen Vorteilen. Laut geprüfter Typenstatik sind hier Aufbauhöhen bis 100 Meter ohne projektbezogenen Einzelnachweis problemlos möglich. Viele Kunden entscheiden sich daher bewusst dafür, weiterhin beim Rahmensystem zu bleiben – die kontinuierlich hohe Nachfrage zeigt dies sehr deutlich. Unserer Meinung nach müssen unsere Kunden eine Wahlmöglichkeit haben. Wir bieten ihnen daher keine Einheitslösung an, die verschiedene Anforderungen mehr oder weniger erfüllt. Unsere Kunden können vielmehr die für ihr Unternehmen und ihre Marktausrichtung individuell passende Lösung wählen – technisch wie kaufmännisch.

ABZ: Die Einführung digitaler Prozesse ist nach wie vor ein Dauerthema in der Bauwirtschaft. Wie reagieren ihre Kunden auf digitale Produkte- und Dienstleistungsangebote?

Behrbohm: Die Digitalisierung gehört neben der richtigen Systemlösung und einer qualifizierten Montage heutzutage zu den Erfolgsfaktoren im Gerüstbau. Für unsere Kunden ist sie damit Chance und Herausforderung zugleich. Auf der einen Seite erkennen sie ganz klar deren Vorteile im Hinblick auf Transparenz, Kostenkontrolle sowie Planungs- und Terminsicherheit. Auf der anderen Seite sind unsere Kunden im Tagesgeschäft zeitlich sehr eingespannt. Dass Layher als führender Hersteller von Systemgerüsten sich im Zuge unseres Versprechens "Mehr möglich" nicht nur mit diesem Thema und den Umsetzungsmöglichkeiten für unsere Kunden sehr intensiv beschäftigt, sondern auch bei der Umsetzung tatkräftig unterstützt, wird positiv begrüßt.

ABZ: Und wie läuft die Umsetzung?

Behrbohm: Je nach Unternehmensgröße, Ausrichtung und Erfahrung zeichnet sich bei unseren Kunden ein sehr differenziertes Bild. Für Gerüstbauunternehmen mit eigener Planungsabteilung ist digitale Planung häufig bereits Standard, die Einführung digitaler Prozesse in anderen Bereichen wie Logistik und Umsetzung – also Montage und Demontage – in der Regel der nächste logische Schritt. Bei anderen beginnt die Reise in die digitale Zukunft zuallererst mit einer Bedarfsanalyse, bei der wir unsere Kunden eingehend beraten und ihnen im Rahmen der anschließenden Umsetzung zur Seite stehen. Layher SIM als individuell anpassbarer Prozess zur Einführung digitaler Prozesse – wo sinnvoll und wirtschaftlich – trägt dem Rechnung.

Mit Layher SIM lässt sich der gesamte Lebenszyklus eines Gerüstprojekts abdecken. Natürlich ist dieser Prozess nicht statisch, sondern wird ebenfalls ständig weiterentwickelt. Neuester Baustein ist der effizient handhabbare 3D-Scan für Objekte, für die noch keine 3D-Modelldaten vorliegen – die Grundlage für die Planung in 3D. Ein Service, den jeder unserer Kunden buchen kann.

ABZ: Die Bundesfachtagung Gerüstbau steht vor der Tür. Welchen Themen wünschen Sie mehr Beachtung?

Behrbohm: Der Gerüstbauverband ist eng am Puls der Zeit und hat mit der Podiumsdiskussion zum Thema Unternehmensnachfolge ein weiteres wichtiges "Nachwuchsthema" auf die Agenda gesetzt, was wir sehr begrüßen. Die At-traktivität des Gerüstbauberufs herauszuarbeiten und bekannt zu machen, gehört sowohl für den Verband als auch für uns als Hersteller und unsere Kunden zu den Aufgaben der Zukunft.

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