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Neue digitale Reihe des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie

Serielles Sanieren könnte die Sanierungsquote erhöhen

Mechthild Heil (CDU) ist Vorsitzende des Bauausschusses im Bundestag.

Berlin (sow). – Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie will künftig etwa einmal im Monat in einer neuen digitalen Reihe regelmäßig mit Politikern ins Gespräch kommen. Unter dem Titel "BAUINDUSTRIE trifft am Morgen" hat kürzlich die erste Veranstaltung dieser Reihe stattgefunden. Das Thema war "serielles Sanieren" - und wie damit die Sanierungsrate im Land erhöht werden könnte.

Mit dabei waren Mechthild Heil (CDU), Vorsitzende des Bauausschusses im Bundestag, und Daniel Föst, der bau- und wohnungspolitische Sprecher der FDP. Als Vertreter der Bauunternehmen berichteten Patrick Bauer von B&O und Andreas Rieger von Goldbeck.

Mechthild Heil erläuterte, die Politik habe zwei Möglichkeiten, Anreize zu setzen, um die Sanierungsrate zu erhöhen: Zum seien dies finanzielle Anreize, zum anderen regulatorische Änderungen. Im Bereich der finanziellen Anreize sei viel schon "gemacht worden", wie Förderprogramme und steuerliche Maßnahmen. Sie könne daher nicht viel Hoffnung machen, dass in dieser Wahlperiode noch finanzielle Anreize gesetzt werden würden. Das Geld sei in anderen Bereichen gebunden. Regulatisch könne man neue Vorschriften schaffen oder bestehende Vorschriften erleichtern.

Neue Vorschriften zu schaffen, koste jedoch Geld. Das müssten am Ende Vermieter und Mieter zahlen. "Und das konterkariert unsere Wohnziele." Es wäre daher aus ihrer Sicht besser, Vorschriften zu streichen und zu vereinheitlichen. Ihrer Meinung nach werde das aber so schnell nicht gelingen. Denn: "Die Ministerpräsidenten lassen sich nicht gerne vom Bund reinreden." Serielles Bauen könne jedoch aus Sicht von Mechthild Heil eine interessante Möglichkeit sein, die Sanierungsquote zu erhöhen. Um dies flankierend zu unterstützen, könnten Forschungsprojekte oder einzelne Leuchtturmprojekte gefördert werden, sagte Heil.

Daniel Föst ist bau- und wohnungspolitischer Sprecher der FDP.

Generell bedauerte Heil, dass die Förderprogramme im Wirtschaftsministerium laufen würden, der Bau aber an das Innenministerium angeschlossen sei. Sie arbeite daran, dass das Innenministerium ebenfalls Gelder erhalte, um Wirtschaftsförderungsprogramme machen zu können. "Ich hoffe, dass wir da nach der nächsten Wahl weiter sind und einen eigenen Topf kriegen."

Auch Daniel Föst, der bau- und wohnungspolitische Sprecher der FDP, sagte, serielles Sanieren könnte eine kostengünstige Möglichkeit sein, im Bestand schneller und besser voranzukommen. Bezüglich des derzeitigen Reglungsrahmens kritisierte er, dass es nur steuerlich gefördert werde, selbstgenutztes Wohneigentum energetisch zu sanieren. Man müsste darüber reden, dieses Förderinstrument auf den vermieteten Wohnraum auszuweiten, meint er. Beim seriellen Sanieren stehe die förderale Bauordnungslandschaft einem großen Roll-out im Weg. Er regte an, eine Rahmenvereinbarung, wie es sie zum seriellen modularen Bauen zwischen BMI und der Architektenkammer und der Bauindustrie gab, auf das serielle Sanieren zu übertragen.

Patrick Bauer, Geschäftsführer der B&O Gebäudetechnik Nord GmbH, stellte das Geschäftsmodell des Unternehmens vor, zu dem unter anderem auch die Strangsanierung bewohnter Gebäude gehört. B&O saniert jährlich etwa 35 000 Wohnungen. Bei Modernisierungen im bewohnten Bestand nutzt B&O dabei einen hohen Vorfertigungsgrad und setzt unter anderem vorgefertigte Fassadenelemente ein. Die serielle Sanierung werde dabei individuell auf verschiedene Gebäude angepasst. Oft saniere das Unternehmen Geschosswohnungsbau der 50er, 60er Jahre. In verschiedenen Pilotprojekten saniert das Unternehmen dabei nach dem Energiesprong-Prinzip. "Wir wollen die Piloten so weit auf die Schiene bringen, dass es sich das Ganze in der Fläche ausrollt und wir Skalierungseffekte bemerken", so Bauer.

Über die serielle Sanierung im Gewerbebau sprach Andreas Rieger, Geschäftsführer bei Goldbeck. Revitalisierungen seien vom Bauvolumen her sehr relevant für das Unternehmen, sagte er, und prognostizierte, dass durch elementarisiertes Bauen und einen systematisierten Ansatz in den kommenden Jahren die Produktivität im Baugewerbe steigen werde. "Auch in der Sanierung kann ich vorfertigen", so Rieger.

Unter anderem setze Goldbeck oft modulare Energiezentralen ein, die vorgefertigt auf die Baustelle kommen und nur noch angeschlossen werden müssen. Ein Vorteil sei die Vorfertigung auch bei der Gewinnung von Arbeitskräften. "Die wollen nicht mehr bei Wind und Wetter auf einer Baustelle stehen", meint er. Wenn man Interessenten sagen könnte, dass sie die Tätigkeit in einer Fabrikhalle ausführen könnten, sei dies ein Vorteil. Damit Bauunterindustrienehmen im Bereich serielles Sanieren weiter voran kommen könnten, müsste die Politik für öffentliche Gebäude die Vergaberichtlinien verschlanken und vereinfachen, damit Projekte schneller realisiert werden können, wünschten sich beide Unternehmer abschließend.

Das Vergaberecht behindere die Arbeitsweise als Bauteam, erläuterte Bauer. "Man muss bereit sein, sich zu verheiraten", meint er. "Das funktioniert nur als Vertrauensmodell."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 50/2020.

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