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Neue Fliesen für Alten Elbtunnel

Hamburger Baudenkmal wird umfassend saniert

Hamburg Port Authority HPA, Baustoffe, Modernisierung und Sanierung

Die Untertunnelung der Elbe verbindet St. Pauli mit dem Hafengebiet Hamburgs. Gebaut wurde sie zwischen 1907 und 1911, um den vielen Beschäftigten im Hafen und in den Werften den Weg zum Arbeitsplatz zu erleichtern.

Hamburg (ABZ). – Seit über 100 Jahren verrichtet der St. Pauli Elbtunnel in Hamburg seinen Dienst. Bis hin zu den Stahlringen, die das Grundgerüst des Tunnels bilden, wird nun die erste von zwei Röhren komplett saniert. Die neuen Fliesen an Wänden und Deckengewölbe greifen die ursprüngliche Gestaltung wieder auf. Bauherr und Bauträger legten dabei besonderen Wert auf den Einsatz von mineralischen und emissionsarmen Baustoffen.

Bei seiner Eröffnung im Jahre 1911 stellte der St. Pauli Elbtunnel eine technische Meisterleistung dar. Bis heute werden Fahrzeuge mit von Hand gesteuerten Fahrstuhlkörben in die Tiefe befördert. Autos teilen sich die enge, 426 m lange Passage durch die zwei Tunnelröhren mit Fußgängern und Radfahrern. Doch der "Alte Elbtunnel" erleichtert nicht nur den Arbeitsweg vieler Hamburger, er ist auch eine beliebte Sehenswürdigkeit für Reisende aus aller Welt.

Die Untertunnelung der Elbe verbindet St. Pauli mit dem Hafengebiet Hamburgs. Gebaut wurde sie zwischen 1907 und 1911, um den vielen Beschäftigten im Hafen und in den Werften den Weg zum Arbeitsplatz zu erleichtern. Zunächst konnten die Arbeiter ihre Stellen nur mit einer Fähre erreichen. Dies ging nicht nur mit langen Wartezeiten einher, es bedeutete auch eine finanzielle Belastung. Hinzu kam, dass die vielen Fährfahrten zu Schichtwechselzeiten, den normalen Schiffsverkehr behinderten. So entschied sich der Senat der Hansestadt, das kostspielige Großprojekt in Angriff zu nehmen. Mit der Eröffnung zeigte sich die tatsächliche Bedeutung des Bauwerks. An die 20 Mio. Menschen nutzten es seit 1911 pro Jahr, die meisten davon zu Fuß. Erst Jahrzehnte später verlor der Tunnel einhergehend mit einem Strukturwandel im Hafen und einer sinkenden Zahl an Werften wieder an Bedeutung. In neuerer Zeit belebt sich die Lage, da Freizeit und Touristikangebote auf der südlichen Elbseite viele Besucher anlocken.

Neben seinen technischen Besonderheiten entwickelt der Tunnel durch seine keramische Ausgestaltung einen ganz eigenen Reiz. Die Wände und Decken der beiden Röhren sind komplett gefliest und mit einigen Reliefkacheln verziert. Der Bildhauer Hermann Perl war zu Beginn des letzten Jahrhunderts dafür zuständig, dem damals hochmodernen Bauwerk eine angemessene Erscheinung zu verleihen. Es gelang ihm, der Enge des Tunnels mit einem strahlenden Farbeindruck der Gewölbefliesen entgegen zu wirken. Zur Auflockerung schuf er zudem eine ganze Reihe an Motivfliesen, die die Tierwelt der Elbe um 1900 widerspiegeln. Zwar ist der St.Pauli Elbtunnel im Laufe der Jahre wiederholt modernisiert worden, doch zurzeit befindet er sich in den tiefgreifendsten Sanierungsarbeiten seiner Geschichte. Als Bauherr ist die HPA, die Hamburg Port Authority, tätig. Nach der Überarbeitung der Schachtgebäude saniert sie nun seit 2010 auch die Tunnelröhren. Den Anfang machte die Röhre Ost.

Die noch unsanierte aber weiterhin geöffnete Tunnelröhre West zeigt die Gründe für den Sanierungsbedarf auf. Schmutz, Feuchtigkeit und Abgase haben die historischen Fliesen stark angegriffen. An einigen Stellen haben sie sich von der Decke gelöst. Das Deckengewölbe wird mit einer Folie geschützt. Sie verhindert, dass weitere Fliesen abfallen. Auch optisch haben die Fliesen im Laufe des letzten Jahrhunderts stark gelitten. Für die Sanierung der Oströhre wurden alle ursprünglichen Gewölbe- und Wandfliesen abgestemmt und entsorgt.

In die Fußstapfen des Bildhauers Hermann Perl ist heute der Keramikspezialist Hans Kuretzky getreten. Ihm fiel die Aufgabe zu, die alten Gewölbe- und Wandfliesen möglichst originalgetreu zu rekonstruieren. Kuretzky nutzte seine eigene Werkstatt dafür, sich mit viel Geduld und Erfahrung der Vorlage der historischen Fliesen anzunähern. Die im Vergleich zu den restlichen Fliesen geringe Anzahl an Reliefkacheln wurde besonders behandelt. Soweit möglich, wurden Sie als Ganzes herausgelöst und Kuretzky konnte einen Teil davon ausbessern und wieder aufbereiten. Einige waren durch den zeitlichen Verfall oder die Entnahme jedoch soweit zerstört, dass er sie komplett neu rekonstruieren musste.

Für die knapp 5000 m² Wand- und Deckenfläche in der Röhre Ost wurden rund 300 000 neue Gewölbefliesen und 70 000 neue Wandfliesen benötigt. Hans Kuretzky bekam von der HPA den Auftrag, ein Unternehmen zu finden, dass diese möglichst originalgetreu nach seinen Vorgaben herstellt. Fündig wurde er bei Boizenburg Fliesen. Der Fliesenproduzent aus der Nähe von Hamburg übernahm die Aufgabe, den Geist der alten Fliesen mit neuen Produkten wieder auferstehen zu lassen. Auch Porphyr-Fliesen für die Fußleisten entwickelte das Unternehmen.

Hans Kuretzky erarbeitete in seiner Werkstatt passende Rezepturen für die Gewölbe- und die Wandfliesen. Dabei hatte er nicht nur die Originale im Blick sondern auch die Lichtverhältnisse im Elbtunnel. Bei den Gewölbefliesen (Maße 72 x 123 mm) erzielte er die gewünschte Lichtbrechung durch einen Glaskörper auf der engobierten Fliesenoberfläche. Zudem weisen die einzelnen Fliesen eine schwache Aufwölbung vor, so dass sie nicht völlig plan erscheinen. Ein erhabener Glasurauftrag am Rand reflektiert das Licht auf eine spezielle Weise. Auch bei den Wandfliesen (Maße 150 x 150 mm) entspricht die Farbwirkung dem Original, hier gibt es sogar sechs unterschiedliche Farbnuancen. Das Licht bricht sich in den Fliesen fast wie in einem Kristalllüster und sorgt so für eine warme und angenehme Lichtführung. Gerade wenn die Fliesen die harten Lichter der Autoscheinwerfer zurückwerfen, zeigt sich ein großer Unterschied. Herkömmliche ganz plane Fliesen hätten vollkommen andere Lichteffekte hervorgerufen und ein typisches Tunnellicht mit sich gebracht. Dieses Spiel mit dem Licht zählt laut Hans Kuretzky zu den wichtigsten Aspekten bei der Herstellung der neuen Fliesen.

Für die umfassende Sanierung wurde die Röhre Ost komplett entkernt. Stehen blieben nur die historischen Tübbings, die äußeren Ringe aus Stahlsegmenten. Die Ringe wurden in einem sehr aufwendigen Prozess in Stand gesetzt und danach innen komplett neu einbetoniert. Heißdampf und Hochdruckreiniger befreiten im Anschluss den Beton von Schalölen und anderen haftungsmindernden Stoffen. Nach dem Austrocknen konnten die Fliesenarbeiten starten.

Hamburg Port Authority HPA, Baustoffe, Modernisierung und Sanierung

Die Fliesenleger verlegten die Fliesen mit dem Flexkleber FX 900 im Buttering-Floating-Verfahren.

Schon bei der Ausschreibung für das Projekt legten Bauherr und Bauträger die Eigenschaften der Baustoffe fest, mit denen die Fliesen verarbeitet werden sollten. Besonders wichtig war es ihnen, dass als Spachtelmasse, Fliesenkleber und Fugenmörtel emissionsarme, mineralische Baustoffe eingesetzt werden. Nicht nur weil dies den originalen Baustoffen zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsprach, sondern auch, um im Tunnel ein dauerhaft gesundes Klima zu schaffen. Von Bedeutung waren darüber hinaus die Haftzugswerte und eine hohe Standfestigkeit des Fliesenklebers sowie gute Brandschutzwerte aller Produkte. Dazu führte die HPA umfangreiche Voruntersuchungen und Labortests mit unterschiedlichen Produkten durch. Die besten Werte erreichten die Baustoffe von quick-mix. Das Unternehmen hat mit dem Flexkleber FX 900 ein Produkt am Markt, das mit dem Emicode-Siegel für lösemittelfreie und emissionsarme Bauprodukte ausgezeichnet ist. Es besitzt die höchste Zertifizierung "sehr emissionsarm EC1PLUS R". Mit dem FX 900, dem speziell für den Elbtunnel entworfenen Fugenmörtel F-EHH und der Spachtelmasse SFSs warf das Osnabrücker Unternehmen die passende Kombination von Baustoffen in die Waagschale. Die Voruntersuchungen im Labor bestätigten sich bei den Musterflächen an der Tunnelwand. In Zusammenarbeit mit der Materialprüfanstalt für das Bauwesen, der MPA Braunschweig, wurden an den Musterflächen Bohrkerne entnommen, um die Haftzugwerte zu prüfen. Gefordert war ein Wert von mindestens 1 N/ mm², der FX 900 erreichte Werte von 1,7 bis 1,8 N/mm².

Damit war die Entscheidung gefallen. Die gesamte Fliesenfläche wurde komplett mit quick-mix-Produkten verlegt. Die Aufgabe, die neuen Fliesen an die Wände und die Gewölbedecke zu bringen, übernahm der Fliesenfachbetrieb Dieter Stadach Fliesen GmbH aus Hamburg. Für die gesamten Verlegearbeiten wurde die Tunnelröhre abgedichtet und auf eine Temperatur von 13–15 °C geheizt. Das sorgte bei winterlicher Kühle an der Oberfläche nicht nur für gute Verarbeitungsbedingungen, sondern kam auch den Handwerkern zugute.

In einigen Teilbereichen wies der Beton zu große Höhentoleranzen für sorgfältige Fliesenarbeiten auf. Hier kam die schnelle Spachtelmasse SFSs zum Einsatz. Nach dem Aufbringen wurde die Fläche geglättet und mit einem Holzbrettchen wurde überschüssiges Material entfernt, dann war sie für den nächsten Schritt bereit.

Die Fliesenleger verlegten die Fliesen mit dem Flexkleber FX 900 im Buttering-Floating-Verfahren. Der Kleber kam vollflächig sowohl auf die Fliesenrückseite als auch mit Kammstruktur an Wand und Decke. Die hohe Standfestigkeit des Klebers und die offene Zeit von ca. 30 Minuten waren wichtige Gründe für die Auswahl und erwiesen sich für die Fliesenleger besonders bei den Überkopfarbeiten an der Gewölbedecke als hilfreich. Im Labor erarbeitete quick-mix die optimale Wasserzugabe für die Bedingungen im Tunnel und gab diese den Fliesenlegern als Empfehlung mit auf den Weg.

Verfugt wurden die Fliesen mit einem speziell für Hamburg entwickelten Produkt: dem Fugenmörtel F-EHH (Fugenmörtel Elbtunnel Hamburg). Eine große Gefahr für den gefliesten Tunnel besteht darin, dass sich durch Feuchtigkeit und Abgase Säuren an den Wänden bilden und die Fugen schädigen. Deswegen ist der F-EHH durch ein entsprechendes Bindemittel hoch sulfatbeständig eingestellt. So ist er dem Angriff durch Abgase und Feuchtigkeit sowie Temperaturschwankungen auch langfristig gewachsen. Zudem erlaubt seine besonders widerstandsfähige Rezeptur, dass die Fliesen mit dem Hochdruckreiniger gesäubert werden.

Eine Zierleiste mit Reliefkacheln, die die Elektroleitungen in Höhe der Beleuchtung verbergen, die von Hans Kuretzky restaurierten Motivkacheln mit Tiermotiven und die Porphyr-Fliesen im Fußbereich vervollständigen schließlich die keramische Wandgestaltung.

Es wird noch einige Jahre dauern bis der St. Pauli Elbtunnel wieder vollständig für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Doch die Sanierungsarbeiten schreiten gut voran und die Röhre Ost soll 2018 in neuem keramischem Glanz eröffnet werden. Die neuen Fliesen und die modernen und emissionsarmen Baustoffe stehen für eine sichere Zukunft. Gleichzeitig sorgen viele Details dafür, dass der Charme und der Charakter des Alten Elbtunnels erhalten bleiben. Die restaurierten Motivkacheln sowie bewusst eingebrachte leichte Farbnuancen und kleine Aufwölbungen bei den Fliesen belegen, dass die über 100-jährige Vergangenheit des Tunnels und die künstlerische Leistung der Erbauer gewürdigt werden.

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