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Neue Großmaschinen im Kalksteinbruch Rüdersdorf

Spezial-Kipper kann leiser beladen werden

Von Sonja Weiße

Helmuth Herrmann, einer der Geschäftsführer der GP Baumaschinen Halle GmbH, (vierter v. l.) übergab kürzlich die neuen Komatsu-Maschinen an Thomas Weber, den Leiter des Tagebaus im Steinbruch von Cemex in Rüdersdorf (dritter v. l.). Fotos: Weisse

Rüdersdorf. – Einen speziellen gefederten Boden aus Gummi hat ein Muldenkipper von Komatsu, der seit Kurzem im Tagebau Rüdersdorf in der Direktgewinnung arbeitet. Dadurch ist das Beladen des Kippers leiser. Das ist wichtig, weil der Kalkstein 80 Meter von Wohnhäusern der Gemeinde entfernt abgebaut wird. Auch eine besonders große Planierraupe von Komatsu hat Tagebau-Betreiber Cemex erworben. Sie ist die Größte ihrer Klasse. Vier große Muldenkipper HD785-7 E0, eine große Planierraupe D475A-5 E0 und eine Planierraupe D65EXi-18 von Komatsu erwarb die Cemex Zement GmbH kürzlich von der GP Baumaschinen GmbH Halle. Das Baustoffunternehmen Cemex betreibt in Rüdersdorf in Brandenburg ein Zementwerk und einen Tagebau, in dem rund 40 Menschen beschäftigt sind. Der Tagebau ist 4 Kilometer lang, einen Kilometer breit und an der tiefsten Sohle 120 Meter tief.

Baugeräteführer Olaf Wilczynski lobt das Arbeiten mit der intelligenten Raupe D65EXi-18. Sie laufe einwandfrei. Ein Display in der Kabine zeigt das Schild an.

Er besteht aus zwei Abbaubereichen, dem Alvenslebensbruch und dem Friedrich Anton Freiherr von Heinitzbruch, benannt nach einem Oberberghauptmann beim Generaldirektorium des Bergwerks- und Hüttendepartements im 18. Jahrhundert. Schon seit mehr als 760 Jahren wird in Rüdersdorf Kalkstein abgebaut, erzählt der Leiter des Tagebaus Thomas Weber. 1254 wurde dies erstmals urkundlich erwähnt. Im 16. Jahrhundert entstanden hier die ersten Kalkbrennöfen, 1885 wurde begonnen, Zement herzustellen. Das Brandenburger Tor steht auf Kalkstein aus diesem Tagebau, und auch die Weinterrassen von Schloss Sanssouci sind daraus gebaut worden.

Normalerweise wird Kalkstein durch Sprengung gewonnen. Seit 2007 arbeitet Cemex jedoch zusätzlich mit dem Verfahren der Direktgewinnung. Denn der Tagebau wurde in Richtung des Ortes Rüdersdorf erweitert und ist mittlerweile bis auf 80 Meter an die Wohnbebauung herangerückt. Wegen dieser Nähe kann Cemex dort nicht mehr sprengtechnisch abbauen. Zum einen wegen der Erschütterungen, zum anderen wegen Gefahren durch Steinflug. Stattdessen baggert dort ein 9350-Bagger von Liebherr hochwertiges Material für die Kalk- & Zementherstellung mit einer Klappschaufel direkt aus der Wand. Der Vorteil des Abbaus mit einer solchen Schaufel liege darin, dass der Bagger beim Abbau unten vor der Wand steht, erläutert Weber. Das ist leiser für die Anwohner, da die Wand den Schall dämpft. Das Unternehmen achtet sehr darauf, Belästigungen für die Anwohner gering zu halten. Der Bagger lädt das gewonnene Material auf Muldenkipper, die es weiter befördern. Auch diesen Beladevorgang möchte Cemex künftig leiser gestalten.

Einer der vier Muldenkipper HD785-7 E0 hat einen besonderen Boden, eine 30 Millimeter Gummimatte. Darunter befinden sich Spannfedern aus Hartgummi.

Daher hat einer der vier neuen Muldenkipper von Komatsu, die Cemex seit Kurzem einsetzt, einen Suspended Dump Body (SDB) des australischen Herstellers Duratray. Unter einem speziellen Boden, einer 50 Millimeter starken Gummimatte, befinden sich Spannfedern aus Hartgummi. Das minimiert die Geräusche beim Beladen und beim Abkippen, erläutert der Produktmanager der GP Baumaschinen Halle GmbH Michael Flamme. Die Anwohner von Rüdersdorf würden somit weniger von den Arbeiten gestört. Außerdem seien die Vibrationen geringer, was die Arbeit für den Fahrer angenehmer macht. "Wir erhoffen uns zudem, dass durch die Gummimulde die Maschinen länger halten und wir Diesel sparen, da das Gerät leichter ist", sagt Stefan Schmorleiz, Geschäftsführer der Cemex Zement GmbH. Das sei ein Pilotprojekt bei Cemex und in Deutschland. "Wir wollen damit Erfahrungen sammeln, wie es sich bewährt." Es gebe aus Fachkreisen bereits zwei weitere Anfragen nach diesem Modell, sagt Flamme.

Eine weitere Besonderheit in diesem Tagebau ist die neue Planierraupe D475A-5, die Cemex ebenfalls von GP Baumaschinen erwarb. Sie ist die Größte in ihrer Klasse und das einzige dieser Modelle in Deutschland. Einige Daten machen die immensen Dimensionen deutlich: So ist sie mehr als 4,5 Meter groß und vom Schild bis zum Heckaufreißer etwa 11,5 Meter lang. Allein der Schild hat eine Größe von 6,21 mal 2,61 Meter und das Betriebsgewicht der Raupe beträgt 108 Tonnen. Ihr Motor hat eine Leistung von 671 Kilowatt.

Thomas Weber leitet den Tagebau des Steinbruchs von Cemex in Rüdersdorf. Er ist sehr zufrieden mit den neuen Maschinen.

Nach Angaben des Herstellers Komatsu macht ein Drehmomentwandler mit automatischer Wandlerüberbrückung die Planierraupe besonders schnell und stark, so dass die Arbeit mit ihr sehr produktiv ist. Cemex setzt die Raupe im Tagebau mit einem großen Reißhaken am Heck ein, um den Kalkstein aus dem Boden zu reißen. Zudem erwarb Cemex von GP Baumaschinen eine intelligente Raupe D65EXi-18, die ab Werk mit einer 3D-Maschinensteuerung mit globalem Navigationssatellitensystem (GNSS) ausgerüstet ist. Die Raupe kann Grobplanum und hochpräzise Feinplanierarbeiten automatisch ausführen.

Das Planieren wird im Rechner geplant und aufgespielt, erläutert GP-Produktmanager Flamme. Vorbereitungen wie Vermessungen und Markierungen durch angesprühte Holzpfähle entfallen, auch die Nachkontrolle ist weniger aufwändig. Die Bestandteile der Maschinensteuerung sind nicht am Schild installiert. Stattdessen hat die Raupe eine Antenne auf dem Kabinendach und Hubwegsensoren in den Hydraulikzylindern. Zudem gibt es eine hochpräzise inertiale Messeinheit (IMU+). Es ist daher nicht nötig, täglich Antennen und Kabel am Schild an- und abzubauen. So sind die Komponenten außerdem vor Verschleiß geschützt und der Bulldozer ist effizienter. "Die Raupe ist super", sagt Cemex-Baugeräteführer Olaf Wilczynski. Sie laufe einwandfrei. Vorher hätten die Führer nach Gefühl gearbeitet, doch nun sei die Arbeit schneller erledigt.

Die Planierraupe D475A reisst den Boden mit eine Heckaufreißer auf. Dieser ist optional erhältlich.

Die große Planierraupe D475A-5 hat ebenfalls eine solche Maschinensteuerung, sie wurde nachgerüstet. Weber ist sehr zufrieden mit den neuen Maschinen. Die exakten Ergebnisse wie Verbrauch und Betriebskosten könne man allerdings erst in mehreren Jahren beurteilen, sagt Weber. Helmuth Herrmann, einer der Geschäftsführer der GP Baumaschinen Halle GmbH, ist sich sicher, dass die Beurteilung von Cemex auch dann gut ausfallen wird. "Sie werden begeistert sein", versprach er.

Durch den Einsatz der großen Raupe will Cemex den Anteil der Direktgewinnung noch weiter erhöhen und die sprengstofflose Gewinnung beschleunigen, kündigt Schmorleiz an.

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