Neue Seidenstraße

Langzeitplanungen besser mit China?

Von Rainer G.P. Dumpff

Xian/China. – Die deutsche Wirtschaft boomt mit 71 % Export innerhalb Europas, davon 59 % in der EU, sowie bei Wachstumsprognosen mit 2,5 % für 2018: Aus Sicht von Rainer G. P. Dumpff bräuchten Unternehmen sich keine Sorgen zu machen – wäre da nicht China, wo ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 6,9 für 2018 zu erwarten steht. Denn mit der Initiative "Neue Seidenstraße" sind chinesische Planer, Ingenieure und Bauunternehmen bei Infrastrukturprojekten über Landesgrenzen hinaus aktiv. Deutschlands Industrieunternehmen – auch aus der Bauwirtschaft – profilieren sich mit "Industry 4.0". Die Volksrepublik China geht mit ihrem Wirtschaftsprogramm 2025 einen Schritt weiter: Von der Massenproduktion wird der Wechsel zur Herstellung von hochwertigen und innovativen Produkten im rasanten Tempo vorangetrieben.

Etwa 5000 deutsche Unternehmen sind derzeit in China aktiv. Eine Befragung durch die Deutsche Handelskammer in Peking unter deutschen Unternehmern, die in der Volksrepublik ansässig sind, hat folgendes Ergebnis zu Tage gefördert: Auf die Frage, ob China in den nächsten fünf Jahren eine Führungsposition bei Innovationen einnehmen wird, hatten 2015 rd. 29 % mit "Ja" geantwortet und 2017 rd. 42 %. Im vergangenen Jahr sind z. B. 144 neue Hochhäuser in Höhe von mind. 200 m gebaut worden, darunter 15 "Supertall-Gebäude", die 300 m überschritten haben – wie von "The Council on Tall Buildings & Urban Habitat" veröffentlicht wurde. Danach hat kein anderes Land so viel Wolkenkratzer gebaut wie China. Ende 2017 prägten weitere 76 neue Gebäude von 200 m und höher die Skyline im Reich der Mitte. Die USA haben im Vgl. zehn Wolkenkratzer hinzugefügt.

Zum 100. Geburtstag der Volksrepublik wolle China weltweit die größte Industrienation sein. "Solche langfristigen Strategien entwickelt nur China", lässt sich Jan Gaspers, Head of the European China Policy Unit of the Mercator Institute for China Studies gGmbH (MERICS), zitieren. In der EU ist das für Viele unbekanntes Terrain. Dabei würden sich für deutsche Planungs- sowie Ingenieurbüros und Zulieferfirmen interessante Möglichkeiten bieten, an Großprojekten mitzuwirken.

Die Initiative "Neue Seidenstraße" bedeutet Investitionen von mind. 800 Mrd. Euro. Damit bezweckt China, Straßen, Bahnverbindungen, Pipelines, Kraftwerke, Telekommunikationsnetze, See- und Flughäfen von Asien bis nach Europa und Afrika zu bauen. Amrita Narlikar, Präsidentin des Hamburger GIGA-Instituts, rät bei internationalen Vorstößen Chinas zeitnah zu reagieren und prognostiziert: "Aus der Perspektive Europas oder mancher Nachbarn Chinas wird ein Abwarten-und-Sehen-Ansatz nicht genügen. Wenn nur ein kleiner Teil der Neuen Seidenstraße erfolgreich ist, wird sie das globale Gleichgewicht grundsätzlich und dramatisch zu Gunsten Chinas verändern." Im November 2017 ist ein Vertrag im Rahmen der Konferenz der 16+1-Kooperation unterzeichnet worden. Damit soll der Austausch zwischen China und 16 mittel- und osteuropäischen Ländern gestärkt werden.

Der Autor ist Präsident der General Aviation Development & Operations Services (GADOS) UG.  

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