Anzeige

Neues System

Mauerwerkswände entsalzen

Zusammen mit dem Architekten Uwe Licht aus Berlin sanierte der Investor das Schloss Güterfelde über zwei Jahre von Grund auf und wandelte die Gebäude in luxuriöse Eigentumswohnungen unter dem Namen "Château de Roon" um. Auch der Schlosspark wurde neu gestaltet.

Potsdam (ABZ). – Das aus dem beginnenden 19. Jh. stammende Schloss Güterfelde in der Nähe von Potsdam hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zuletzt stand es viele Jahre leer, bis ein Investor den Bau erwarb, um ihn von 2012 bis 2014 denkmalgerecht zu sanieren und in eine exklusive Wohnanlage umzuwandeln. Eine der baulichen Herausforderungen waren feuchte Mauerwerkswände, bei denen zusätzlich schädliche Salze ausgeschwemmt wurden. Hierfür kam ein neues System zum Einsatz, das im Rahmen eines Forschungsprojektes dort über mehrere Jahre auf Funktion und Wirkung untersucht wurde. Im Mai kam das erfolgreich getestete System Multipor ExSal Therm auf den Markt. Das Schloss Güterfelde liegt etwa 40 km südwestlich von Berlin. 1804 vom preußischen Lotteriedirektor August Friedrich Grothe und dem Architekten Friedrich Gilly im klassizistischen Stil erbaut, wurde es 1869 von Albrecht Graf von Roon, preußischer Kriegs- und Marineminister, im Stil der französischen Neorenaissance erweitert und umgebaut. Dem folgte 1873 eine erneute Vergrößerung des Schlossensembles durch den Bankier Gerson von Bleichröder, der zusätzlich einen großzügigen Park ergänzte. Nach dessen Tod wurde es zunächst als Sanatorium für Lungenkranke genutzt, ab 1927 fiel das Schloss in die Hände der Nationalsozialisten. 1952 übergab die Sowjetarmee das Gebäude an die DDR, die daraus für die nächsten Jahrzehnte ein Seniorenheim machte. Nach der Schließung des Heimes blieb der Bau einige Jahre ungenutzt. 2010 schließlich fand sich mit dem Unternehmen Terraplan aus Nürnberg ein Käufer. Zusammen mit dem Architekten Uwe Licht aus Berlin sanierte der Investor das Ensemble über zwei Jahre von Grund auf und wandelte die Gebäude in luxuriöse Eigentumswohnungen unter dem Namen "Château de Roon" um. Auch der Schlosspark wurde neu gestaltet.

Während die Schlossfassade in ihrer Rohbausubstanz gut erhalten war, hatten die vielen Umnutzungen im Laufe der Zeit ihre Spuren im Inneren hinterlassen. Von der ursprünglichen Gestaltung der Räume war nichts mehr übrig, dementsprechend konnte der Architekt die Grundrisse ohne Auflagen komplett verändern. Um aber aus dem mehr als 200 Jahre alten Bau eine Wohnanlage nach heutigem Standard zu machen, musste neben dem Schallschutz vor allem der Wärmeschutz gemäß der DIN 4108-2 verbessert werden. Aufgrund der unter Denkmalschutz stehenden Fassade kam hierfür nur eine Innendämmung infrage. Diese ist gerade bei historischen Gebäuden sorgfältig zu planen und auszuführen, da sonst in der Konstruktion Tauwasser ausfallen kann, was eine Schimmelbildung begünstigt.

Folglich entschied sich der Investor, für die fachgerechte Instandsetzung ein erweitertes Projektteam zusammenzustellen: Neben der Denkmalschutzbehörde und dem Institut für Bauklimatik der TU Dresden sollte mit Xella auch ein erfahrener Hersteller von mineralischen Dämmsystemen in die Planung einbezogen werden. Gemeinsam erarbeitete man für alle Geschosse ein Dämmkonzept auf der Basis von Multipor als Innendämmsystem. Multipor ist diffusionsoffen und kapillaraktiv, sodass auftretende Feuchtigkeit temporär gespeichert und wieder an die Raumluft abgegeben wird. Damit wirken die Mineraldämmplatten der Schimmelbildung entgegen und sorgen für ein gutes Raumklima. Zudem verfügen sie über eine sehr gute Dämmleistung von ?D = 0,042 W/(mK).

Im Gartengeschoss zeichnete sich im Zuge der Bestandsaufnahme jedoch ein größeres Problem ab: In einem später als Heiztechnikzentrale geplanten Raum hatte aufsteigende Nässe die Wände nicht nur stark durchfeuchtet, sondern zusätzlich Salze ausgeschwemmt, die an der Innenwand auskristallisierten. "Nachdem wir Ziegel- und Mörtelproben genommen, deren Feuchtegehalt ermittelt und die Art und Konzentrationen der Salze bestimmt hatten, stellten wir fest, dass es sich in erster Linie um Sulfate handelte; in geringeren Mengen waren auch Nitrate und Chloride vorhanden", erklärt Dr. Oliver Kreft von der Xella Technologie- und Forschungsgesellschaft. Das liege wahrscheinlich daran, so Kreft, weil im 19. Jh. beim Bauen gerne Gips verwendet wurde – auch als Mörtel. "Und Gips ist reines Calciumsulfat. Deshalb fanden wir an den Wänden im Souterrain hauptsächlich herausgelöste Sulfate." Die Folge von solchen Salzbelastungen kann eine ständig feuchte Wandoberfläche sein, "denn Salze wirken hygroskopisch, das heißt, sie haben immer das Bestreben, Luftfeuchtigkeit aufzunehmen und anzulagern", sagt Kreft. Bei einer ohnehin feuchten Wand kann das zu enormen Schäden im Mauerwerk und Putz führen. Außerdem bildet es den Nährboden für Schimmelpilze. Hierfür musste also dringend eine Lösung gefunden werden. Xella hatte damals ein neues Produkt in der Grundlagenforschung, eine sog. Entsalzungsplatte, als Erweiterung des Multipor Innendämmsystems. Die kapillaraktive Platte entzieht dem Mauerwerk Schadsalze: Über das Wasser nimmt sie gelöste Salze auf. Das Wasser verdunstet an der Oberfläche, während sich die Salze in der Platte in den reichlich vorhandenen Poren dauerhaft ablagern. Mit dem Wegführen der Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk steigt zugleich die Oberflächentemperatur der Wand, sodass sich die Behaglichkeit und der Wohnkomfort im Raum verbessern. Damit kombiniert die erweiterte Multipor Platte die Entsalzung mit einer energetischen Ertüchtigung der Baukonstruktion. "Das salzbelastete Mauerwerk im Souterrain war somit das ideale Versuchsfeld für die verschiedenen Prototypen, die wir seinerzeit in der Entwicklung hatten", so Dr. Kreft.

In Kooperation mit den Wissenschaftlern der TU Dresden bauten Experten der Xella Technologie- und Forschungsgesellschaft fünf Messstrecken mit Sensoren im Gebäude ein, drei im Gartengeschoss und je eine im Hochparterre und im Obergeschoss, um in kritischen Konstruktionsbereichen wie Ecken und Fensteranschlüssen permanent die Temperatur und Feuchtigkeit aufzuzeichnen. Anschließend erfolgten die Dämmarbeiten mit Multipor. In den Wohnungen kam das reguläre Multipor Innendämmsystem mit dem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit ?D = 0,042 W/(mK) zum Einsatz, in den Räumen mit den salzbelasteten Wänden wurde die modifizierte Variante verwendet: Um dem Kristallisationsdruck der Salze und somit einer möglichen Salzsprengung standhalten zu können, wurden Multipor Platten mit höheren Rohdichten ausgewählt. Auch unterschiedliche Mörtelkleber waren Teil der Untersuchungen. Gleichzeitig mit der Montage der Platten erfolgte der Einbau von Messsensoren in die feuchten Wände. Dr. Oliver Kreft dazu: "V. a. die Temperatur- und Feuchtewerte zwischen Bestandswand und Innendämmung, aber auch in der Bestandswand selbst interessierten uns. Wie würden sie sich über das Jahr verändern? Wie viel Feuchtigkeit würde tatsächlich an der Grenzfläche ankommen?"

Fast fünf Jahre sammelten die Xella-Experten Messwerte, bis sie 2017 die Bestandswand öffneten, entnommene Bohrkerne analysierten und die Daten auswerteten. Das Ergebnis: In keinem Fall wurden Nässe oder Salze in der Grenzschicht gefunden, die energetischen Vorgaben ließen sich stabil erreichen. Alle Prototypen hatten somit funktioniert.

Für die geplante Markteinführung wurde schließlich eine diffusionsoffene und kapillaraktive Multipor Platte mit einer erhöhten und speziell auf salzbelastetes Mauerwerk angepassten Druckfestigkeit von ? 350 kPa ausgewählt, die im Gegensatz zu üblichen Saniersystemen über eine deutlich bessere Wärmeleitfähigkeit verfügt. Der passende Mörtel ist mit einem hoch sulfatbeständigen Zement ausgestattet. Auf die hydrophobierenden, also wasserabweisenden Eigenschaften, die der Multipor Leichtmörtel in seiner Standardversion, z. B. als Schlagregenschutz, aufweist, verzichteten die Produktentwickler. "Wir möchten ja, dass das Wasser aus der Wand herausgeholt wird und durch den Mörtel geht. Wir haben hier demnach einen Spezialmörtel mit einer Hochsulfatbeständigkeit einerseits und einer erhöhten kapillaren Wasseraufnahme durch die verminderte Hydrophobierung andererseits", erklärt Dr. Kreft.

Alle Feldstudien und Belastungstests zu dem neuen Produkt sind seit einiger Zeit abgeschlossen. Seit Mai 2019 steht das System Multipor ExSal Therm, bestehend aus Multipor ExSal Therm Platte und Multipor ExSal Therm Mörtel, nun zur Verfügung. Schnell und unkompliziert lässt es sich auf die betroffene Wand aufbringen: Ohne das Mauerwerk vorher trockenlegen zu müssen (was bei üblichen Sanierputzen Standard ist), klebt der Verarbeiter die Entsalzungsplatte vollflächig auf die feuchte Innenseite der zu dämmenden Außenwand. Die Einhaltung langer Trocknungs- oder Putzstandzeiten sind nicht nötig. Da Multipor ExSal Therm auf der Verwendung einer mineralischen Dämmplatte basiert, ist es nicht brennbar, gehört somit zur Baustoffklasse A1 und ist im Brandfall rauchgastoxikologisch vollkommen unbedenklich, das heißt selbst bei höchsten Temperaturen sind giftige Dämpfe und Rauch ausgeschlossen. Darüber hinaus weist das System eine lange Lebensdauer auf. Insgesamt ist die Sanierung von feuchtem und salzbelastetem Mauerwerk mit Multipor ExSal Therm also schneller, einfacher, langlebiger und folglich wirtschaftlicher als mit herkömmlichen Saniersystemen.

ABZ-Stellenmarkt

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=188++402&no_cache=1

Unbegrenzter Zugriff auf alle Online-Inhalte:

Lernen Sie ABZPLUS kennen

Als PLUS Abonnent genießen Sie unbegrenzten Zugriff auf das Online-Portal der Allgemeine Bauzeitung ABZ mit allen Artikeln der Print- und Onlineversion!

Optimiert für Desktop-PCs und als Mobilversion.

Jetzt mehr erfahren

ABZ ePaper
Anzeige

Weitere Artikel