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Neues Musik- und Konzertzentrum

Gipsfaserplatten sorgen für optischen und akustischen Genuss

Architektur, Baustoffe

Das Haus der Musik von Süden aus betrachtet. Hier zu sehen ist der U-förmige Baukörper für die Lern- und Probenräume.

AALBORG/DÄNEMARK (ABZ). - Als Teil der Neustrukturierung des Uferbereiches am Osthafen in Aalborg entstand das neue Haus der Musik nach Plänen von Coop Himmelb(l)au. Neben vielen Proben- und Unterrichtsräumen für die Förderung der Musik sticht vor allem der akustisch bis ins Detail durchdachte Konzertsaal heraus. Er wurde nach den Vorgaben der Akustiker der Artec aus New York mit Gipsfaserplatten von Knauf riessler sowohl für das Auge als auch für die Ohren optimiert.

Aalborg schickt sich an, aus dem Schatten der Hauptstadt Kopenhagen heraus zu treten. Mit der Neugestaltung des Ufer-bereichs am Limfjord putzt sich die viertgrößte Stadt Dänemarks auch kulturellheraus. Ein Baustein des von Coop Himmelb(l)au entworfenen Masterplans für das Gebiet am flussartigen Fjord ist das Haus der Musik oder – auf dänisch – Musikkens Hus. Dieses imposante, ebenfalls aus der Feder von Coop Himmelb(l)au stammende Bauwerk, prägt den östlichen Abschluss des Kulturplatzes, der hier entstanden ist. Flankiert von umgenutzten Hallen und dem zum Kulturzentrum revitalisierten Nordkraft-Kraftwerk entstand ein neuer Hotspot in Aalborg.

Das Gebäude selbst ist auf den ersten, flüchtigen Blick nicht sofort zu erfassen. Statt einen klaren, geometrischen Körper zu schaffen, der alle Funktionen in sich vereint, lösten sich die Architekten um Wolf D. Prix von diesem Gedanken und schufen mehrere Volumen, die ihre jeweiligen Funktionen einen Raum bieten. Den Kern des Hauses bildet ein Konzertsaal, der von einem U-förmigen Gebäude umschlossen wird. Während der Saal mit seinen 1300 Plätzen der Präsentation von Musik dient, wurden die Räume um ihn für die Musikausbildung entworfen. Hier werden Studenten und Schüler der Universität Aalborg sowie der Musikschule unterrichtet, die hier moderne Probenräume vorfinden. Diese werden, wie der Konzertsaal, auch von den Philharmonikern der Stadt genutzt.

Vor den Konzertsaal und als öffnendes Element zum Platz stellten die Planer das Foyer. Es ist Erschließungs- und Begegnungsort und dient als Verteilerstelle zu den dahinter liegenden Räumen, dem Saal sowie zu den drei unter dem Foyer liegenden Sälen. Diese sind unterschiedlich groß und dienen ebenfalls den Mietern als Ort der Musikpräsentation.

Gerade das Foyer zeigt den Entwurfs-gedanken des Musikkens Hus. Alle Bereiche wurden so angeordnet und organisiert, dass alle Funktionen autark und bei voller Auslastung nebeneinander laufen können. Bei Bedarf ist es jedoch jederzeit möglich, über das Foyer, das mit seiner Offenheit fast dem öffentlichen Raum zuzuordnen ist, eine Verbindung herzustellen. Diese Verbindungsmöglichkeit schließt auch den westlich angeordneten Baukörper ein. Er wirkt, als würde er dem Boden entwachsen und beherbergt die für einen Konzertbetrieb notwendigen Nebenräume sowie ein Café.

Die unterschiedlichen Funktionen sind außen übrigens nicht nur an der Gliederung der Gebäudeteile, sondern auch an deren Fassaden ablesbar. So wird der U-förmige Bau mit den Unterrichts- und Probenräumen von einer Betonfertigteil-Fassade geprägt, während Foyer und Konzertsaal eine Haut aus metallischen Fassadenplatten erhielten, die wie beim Baukörper für Nebenräume und Café, mit viel Glas ergänzt wurden.

Innen wurde neben einer gleichfalls eleganten wie funktionalen Gestaltung vor allem auf das Thema Akustik geachtet. Ein Umstand, der bei einem Haus für die Musik nicht verwundert. So erhielten beispielsweise alle Unterrichts- und Probenräume sowie die kleineren Säle eine Akustikdecke, die Nachhallzeiten optimiert und für eine neutrale Raumakustik sorgt. Nur so ist es möglich, das feine Gehör der Lehrer und ihrer Schüler auch entsprechend einzusetzen und zu schulen. In Absprache mit den Architekten und den Akustik-Planern von Artec Consultants Inc. aus New York, USA, setzten die Facharbeiter des ausführenden Unternehmens TL BYG A/S aus Aalborg die neuen Akustikplatten des Unity 6 Systems von Knauf Danoline ein. Diese Platten verfügen über einen hohen Schallabsorptionsgrad und benötigen gegenüber vergleichbaren Produkten eine geringere Einbautiefe. Dadurch verliert ein Raum nur unwesentlich an lichter Höhe, was für die akustischen Eigenschaften neben dem Absorptionsgrad ebenfalls wichtig ist. Da die Platten zudem über eine einheitliche Lochung sowie über ein Verlegefalz verfügen, wird die Montage erleichtert und ein sauberes, gleichmäßiges Muster erzeugt.

Da die Akustikplatten aus Gips vielfältig einsetzbar sind und zudem die Brandschutzbedingungen für öffentliche Räume erfüllen, wurden sie in Aalborg auch in den öffentlichen Bereichen wie Treppenhäusern und Fluren verwendet. Während man bei den Proben- und Unterrichtsräumen noch von einer üblichen Aufgabe für einen Akustiker sprechen kann, stellt sich dies beim Konzertsaal etwas anders dar. Basierend auf der Idee der autarken Funktionalität der einzelnen Bereiche und der Möglichkeit verschiedene Veranstaltungen sowie den Unterricht parallel laufen lassen zu können, entstand eine klare Vorgabe.

Der Konzertsaal musste so gestaltet und ausgeführt werden, dass innen ein Klangerlebnis für hohe Ansprüche möglich ist und außen davon kaum jemand etwas mitbekommt.

Nach einer ausführlichen Planung und auf Basis eines Lastenheftes für die Anforderungen wählten die Planer eine Lösung mit Gipsfaserplatten von Knauf riessler aus. In enger Absprache mit Knauf riessler entstand eine ebenso überzeugende wie optisch reizvolle Lösung. Nach dem Prinzip Masse-Feder-Masse wurde die Wand des Konzertsaals so aufgebaut, dass nach außen keine Bauteilübertragung des Schalls möglich ist. Auf die massive Außenwand des Saals wurde direkt eine Vorsatzschale aufgebracht, die zum Saal hin um eine Blechverkleidung ergänzt wurde. Den entstehenden Zwischenraum füllten die Facharbeiter der TL BYG A/S mit Sand aus. Auf die Blechverkleidung kamen dann vier Lagen aus Creanovapanels mit einem Eigengewicht von rund 50kg/m².

Die beiden ersten Lagen bestehen aus 12,5mm starken, glatten Gipsfaserplatten. Darauf befindet sich eine Schicht mit ausgefrästen Vertiefungen in Form von unterschiedlichen Amöben. Diese Vertiefungen werden in der vierten Schicht um exakt berechnete und auf Basis der akustischen Vorgaben platzierte Amöben-Details ergänzt.

Die durch diese Amöben in einzigartiger Weise strukturierte Oberfläche sorgt imInnenraum für eine ausreichend diffuse Schallreflexion und dient so der Verbesserung der Raumakustik. Ebenso beeindruckend wie die Leistung dieser akustischen Steuerung und ihre Gestaltung sind die Zahlen: Immerhin gibt es 169 verschiedene Amöben-Varianten in drei verschiedenen Dicken (12/18/25mm). Daraus ergeben sich 507 verschiedene Formen.

Rund 170 000 Amöben wurden aufgeklebt, so dass sich die Zahl der organischen Vertiefungen und Erhebungen in der Wandfläche auf über 300 000 summiert.

Doch nicht nur bei der Akustik, auch bei der optischen Gestaltung konnten die Gipsfaserplatten ihre Stärken ausspielen. So sind diese in verschiedenen Dekors erhältlich und auf das jeweilige Design anpassbar. Im Aalborger Konzertsaal wurden sie in Weiß lackiert und ergänzen so das Farbspiel aus roten Sitzbezügen, der dunklen Decke sowie den weißen Balkonen für die Zuschauer.

Um die vielen Detaillösungen auf Basis der Anforderungen und der Geometrie des Saales umsetzen zu können, bedurfte es einer engen Abstimmung zwischen Planern und Knauf riessler. Besonders die Koordination und die gesamte Logistik der über 170 000 Einzelteile für die Wand aus Creanovapanels war eine große Aufgabe. Daneben gab es aber auch bauseitige Probleme zu lösen. Da die Wand des Konzertsaals mäandert, konnten nur Gipsfaserplatten mit maximal 1,20 m auf 1,20 m eingesetzt werden. Zudem war dies der Grund für den Aufbau der Innenwand aus vier Schichten. Auf diese Weise konnten die Facharbeiter die engen Radien zwischen 1,20 m und 5,00 m realisieren. Insgesamt wurden auf diese Weise rund 2200 m² Innenverkleidung realisiert.

Der Einsatz der Gipsfaserplatten von Knauf riessler und der damit verbundene Lösungsweg zeigt, dass man seitens der Fachplaner und der Architekten genau wusste, worauf es beim Neubau des Musikkens Hus ankommt.

Die sehr guten Produkteigenschaften der Creanovapanels für die Akustik waren dabei nur ein Aspekt. Auch der sehr gute Brandschutz mit einer A1-Zertifizierung der Gipsfaserplatte sprach für die Verwendung in einem Saal für bis zu 1300 Menschen. Doch nicht nur der Konzertsaal wirkt durchdacht. Der Aufbau des Gebäudes, die Idee der autarken Einzelbereiche, die miteinander verknüpft werden kön-nen und die hochwertige Materialität zeigen, dass man hier mehr als nur Standard wollte. Gerade auch der hervorragende und bereits mehrfach gelobte Konzertsaal spielt dabei nicht nur von seiner Verortung her eine zentrale Rolle.

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