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Notre-Dame-Feuer

Wie sicher sind Deutschlands historische Kirchen?

Berlin (dpa). – Das Inferno von Notre-Dame hat auch in Deutschland Fragen nach dem Brandschutz historischer Kirchen aufgeworfen. "Was in Paris passiert ist, lässt sich, wenn man ehrlich ist, nirgends ausschließen", sagte der Präsident des Landesam-tes für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Claus Wolf, im Nachgang der Brandkatastrophe in Esslingen. Ähnlich wie bei der Kathedrale Notre-Dame in Paris, wo es am Montagabend zu einem verheerenden Feuer gekommen war, besteht z. B. auch der Dachstuhl des katholischen Freibur-ger Münsters aus Holz. Hier versuche man, das Risiko durch vorbeugen-den Brandschutz zu senken, erklärte Münsterbaumeisterin Yvonne Faller. Im Bereich des Dachs sei eine Brandmeldeanlage angebracht, die Gefahr frühzeitig anzeigen könne. Von Sprinkleranlagen aber halte sie wenig, denn solche automatischen Löschanlagen könnten durch das hinausgepumpte Wasser erhebliche Schäden an einem Kirchengewölbe anrichten. Das Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt hat dagegen seit dem 19. Jh. einen Dachstuhl aus Metall, wie Münsterbaumeister Michael Hilbert sagte. Das sei mit Blick auf den Brandschutz eine gute Sache.

Das Ulmer Münster sei zudem seit einigen Jahren mit einer modernen Brandmeldeanlage ausgestattet. Zudem seien Gegenstände aus Holz – z. B. alte Kirchenbänke – aus dem Dachstuhl der größten evangelischen Kirche Deutschlands entfernt worden, so dass im Falle eines Brandereignisses möglichst wenig brennbares Material vorhanden sei, das eine Angriffsfläche für Feuer bieten würde.

Auch der Kölner Dom hat einen Dachstuhl aus Eisen aus dem 19. Jh. "Im Vergleich zu einem hölzernen brennt der nicht direkt. Wenn aber ein großes Feuer auf ihn einwirkt, dann hat das auch Folgen. Dann verzieht sich so ein eiserner Dachstuhl", erklärte der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich. Natürlich werde man prüfen, ob man Lehren aus Notre-Dame ziehen könne.

Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Hildesheimer Dom, der wie der Kölner Dom zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, sei beim Wiederaufbau mit einer Stahldachkonstruktion versehen worden, sagte ein Bistumssprecher. "Im Falle eines solchen Brandes wie in Paris würde die Dachkonstruktion stehen bleiben."

Der Domkustos von Speyer, Peter Schappert, sagte: "Mit dem Brand der Pariser Kathedrale wird offensichtlich, dass Feuer auch im 21. Jh. eine fundamentale Bedrohung für einen Kirchenbau sein kann." Die Speyerer Dombaumeisterin Hedwig Drabik wies jedoch auf einen wichtigen Unterschied hin: "In Notre-Dame hat insbesondere das verbaute Blei für Schwierigkeiten gesorgt, diese Problematik haben wir mit unserem Kupferdach in Speyer zumindest nicht." Der Speyerer Dom zählt als größte romanische Kirche der Welt ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg gab Entwarnung. Beim Wiederaufbau der Lübecker Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg habe man für die Turmhelme und teilweise auch für die Dächer nichtbrennbare Materialien verwendet, sagte der stellvertretende Leiter der Kirchenbauabteilung, Jürgen Rösing. Statt aus Holz bestünden die Turmhelme des Doms und der Marienkirche aus einer speziellen Leichtbeton-Konstruktion.

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