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Peri

"Bei der Sicherheit darf es keine Kompromisse geben"

Freuen sich auf eine spannende bauma (v. l.): Franz Greisinger, Vertriebsleiter für Gerüstbau und Handwerk bei Peri Deutschland, Bernhard Überle, Geschäftsleiter Vertrieb Deutschland bei Peri, und Sven Meißner, Leiter des Marketings, Peri Deutschland.

Ein beispielloses Konjunkturhoch, die zunehmende Digitalisierung des Bauwesens und verschärfte Regeln für die Betriebssicherheit im Gerüstbau – für den Schalungs- und Gerüsthersteller Peri und seine Kunden befindet sich derzeit einiges im Wandel. Wie das Unternehmen damit umgeht, darüber sprach ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann in Günzburg mit Bernhard Überle, Geschäftsleiter Vertrieb Deutschland bei Peri, Franz Greisinger, Vertriebsleiter für Gerüstbau und Handwerk bei der Peri GmbH und Sven Meißner, Leiter des Marketings, Peri Deutschland.

ABZ: Herr Überle, die Baukonjunktur befindet sich in einem anhaltenden Aufwärtstrend. Wie hat sich das auf die Geschäftsentwicklung bei Peri ausgewirkt?

Überle: Wir hatten in der Tat ein sehr gutes Jahr 2018. Besonders freuen wir uns, dass unsere übergeordnete Strategie aufgegangen ist. Wir sind der Überzeugung, dass die Themen Schalung und Gerüst zusammengehören und dass wir aus der Verbindung beider Segmente Mehrwert für unsere Kunden gewinnen können. Entsprechend haben wir auch hier, in unserem neuen Leitwerk Gerüst in Günzburg, 2018 richtig Gas gegeben. Dabei konnten wir den Markt davon überzeugen, dass unser Konzept Früchte trägt. Das ist eine tolle Teamleistung, auf die wir sehr stolz sind.

ABZ: Mit welchen Erwartungen starten Sie ins bauma-Jahr?

Überle: Der Ausblick für 2019 ist ebenfalls positiv. Unsere Kunden haben volle Auftragsbücher. Allein im Bereich Infrastruktur warten riesige Herausforderungen auf die Baubranche. Für diesen Bereich haben wir im vergangenen Jahr ein Kompetenzzentrum gegründet, in dem aktuell über 30 Mitarbeiter arbeiten. Das leiche haben wir für den Bereich Hochhaus mit etwa 20 Mitarbeitern getan. Darüber hinaus haben wir unser Engagement im Industriesektor stark ausgebaut. Mit unserem breit aufgestellten Produktangebot sowie unserer planerischen Kompetenz haben wir mittlerweile ganz hervorragende Lösungen für die Wartung- und Instandhaltung von Industrieanlagen im Programm.

ABZ: Herr Meißner, Stichwort bauma – auf welche Neuerungen dürfen wir uns bei Peri freuen?

Meißner: Wir werden auf der bauma eine Mischung aus Neuheiten, praxisgerechten Systemergänzungen und Weiterentwicklungen zeigen – von der Schalungs- über die Gerüsttechnik bis hin zum Thema Dienstleistungen und Services. Genaueres wollen wir aktuell jedoch noch nicht verraten. Neu ist auf jeden Fall das Standkonzept, das uns nun mehr Möglichkeiten gibt, unsere umfangreichen Themen zwischen Hardware und Software sowie die Art und Weise, wie diese ineinandergreifen, darzustellen. Im Bereich Digitalisierung werden wir u. a. QuickSolve vorstellen. Unter dieser Marke fassen wir künftig webbasierte Apps zusammen, die wir unseren Kunden als einfache Planungshilfen an die Hand geben. Mit dem Duo Planner haben wir nun eine erste Schalungs-App entwickelt. Künftig wollen wir hier alle unsere Produktfamilien abbilden.

Grundsätzlich wollen wir ganzheitliche Lösungen aufzeigen. Es geht uns nicht nur ums Produkt, sondern auch um die sich anschließenden Fragen des Aufbaus, der Nutzung, der Reparatur oder auch des Transports. All das können wir unseren Kunden aus einer Hand bieten.

Für die Leichtbauschalung Duo hat Peri auf der BAU im Januar den BAKA Award erhalten. Auch auf der bauma wird das System im Fokus stehen.

ABZ: Welche Rolle spielt die Digitalisierung insgesamt für Peri und Ihre Kunden?

Meißner: Die Produkte sind das eine, das andere ist, ihren Einsatz für ein Projekt zu planen und zu steuern. Hier rücken Themen wie BIM bzw. 3D-Planung immer mehr in den Vordergrund. In unserer Digitalabteilung arbeiten aktuell 40 Ingenieure und Entwickler, wir realisieren bereits große Projekte erfolgreich mit BIM und bieten verschiedene digitale Lösungen, mit denen wir von kleineren Anwendungen bis hin zu größeren Projekten digital planen können.

Überle: Die Kunden kommen heute nicht zu uns und wollen dieses oder jenes Produkt kaufen. Sie kommen mit einer Herausforderung, einem ganz konkreten Anliegen, und wollen Unterstützung bei der Lösung. Alles aus einer Hand bedeutet für uns, gute Produkte mit der planerischen Kompetenz zusammenzubringen, die notwendig ist, um ein Projekt umzusetzen. BIM ist hier eine ganz hervorragende Methode. Das zeigt sich derzeit auch ganz stark im angesprochenen Anwendungsbereich Industrie. Hier muss berücksichtigt werden, wie man vorhandene und geplante Anlagenlayouts mit komplexen Rohrleitungen durch und in die Gerüstkonstruktion einfügt, ohne dass in der Ausführung noch einmal aufwändig umgebaut werden muss – all das können wir auf Basis einer konsequenten 3D-Planung und der damit möglichen Kollisionskontrolle sehr gut planen und für den Kunden auch sichtbar machen. Für die Branche ist das eine große Veränderung, die sich nur Schritt für Schritt umsetzen lässt. Wir haben deshalb in fast jedem Standort einen BIM-Spezialisten etabliert, der sich intensiv mit den Kunden austauscht. So lernen wir kontinuierlich dazu und werden immer besser.

Greisinger: Das Thema Digitalisierung verfolgen wir in allen Größenordnungen. Die oberste Stufe ist die vollumfängliche Umsetzung von Projekten mit Building Information Modeling. Für mittelgroße und kleinere Projekte bieten wir in allen unseren Niederlassungen in Deutschland unterstützende Ingenieurservices. Darüber hinaus haben wir auch für kleinere Fassadengerüstbaubetriebe Softwarelösungen, mit denen jeder Anwender ganz einfach planen kann und so einen komfortablen Zugang zur Digitalisierung findet.

ABZ:Für die Leichtbauschalung Duo hat Peri auf der BAU im Januar den BAKA Award erhalten. Was ist aus Ihrer Sicht das besonders Innovative an dieser Entwicklung?

Überle: Wir haben hier eine Verbundschalung aus hochbelastbaren Faserverbundwerkstoffen, bei der kein Teil mehr als 25 kg wiegt. Das System kann damit kraftschonend in der Montage und sehr simpel in der Anwendung eingesetzt werden. Der letztendliche Erfolg hat uns selbst fast überrascht. V. a., weil selbst auch wir erst mit der Zeit erkannt haben, in welchen unterschiedlichen Anwendungsfeldern das System seine Stärken voll ausspielt. So haben wir mit der Duo ganz neue Zielgruppen u. a. im Garten- und Landschaftsbau erschlossen.

Meißner: Bei der Entwicklung der Duo haben wir diverse Anforderungen aus der Praxis einfließen lassen. So haben wir uns z. B. beim Thema Verbinder Gedanken gemacht. Wo wir bei anderen Systemen ein Schalschloss haben, das den Einsatz eines Hammers erfordert, haben wir bei der Duo einen sehr einfachen Arretierungshebel, der sich ohne Hammer mit nur einer Handbewegung feststellen lässt. Damit ist die Schalung extrem leise in der Anwendung, was ebenfalls Vorteile in bestimmen Einsatzsituationen mit sich bringt. Darüber hinaus kann der Anwender die Schalhaut selber direkt vor Ort wechseln. Diese ganzen Vorteile, auch dass für den Einsatz der Duo kein Kran erforderlich ist und dass keine Teile mehr zugeschnitten werden müssen, machen dieses Produkt so besonders und attraktiv.

Auf der bauma präsentiert sich Peri im neuen Messezelt. Die Besucher können schon jetzt neugierig auf Neuheiten und Innovationen in einer originellen, offenen Atmosphäre sein.

ABZ:Seit Februar gilt die Neufassung der TRBS 2121 für Gerüstbauarbeiten. Welche Auswirkungen hat diese auf die Arbeit Ihrer Kunden mit Gerüstsystemen von Peri?

Greisinger: Mit der Neufassung hat der Gesetzgeber die TRBS verschärft. Begründet wurde dies damit, dass die alte Gesetzgebung in vielen Fällen schlichtweg nicht in die Praxis umgesetzt wurde. Bereits seit 2009 war es Vorschrift, dass man im sog. Aufstiegsfeld mit einem Geländer in der obersten Lage arbeiten muss. Unser System hat den Vorteil, dass man hier das Geländer vorlaufend auf- und abbauen kann. Das heißt, dass die Aufbaulogik dafür sorgt, dass der Ersteller beim Betreten der obersten Lage immer schon ein Geländer als Seitenschutz hat. In dieser Form, also systemintegriert, ist das in Deutschland unseres Wissens nach das einzige System dieser Art. Andere Systeme haben ebenfalls Lösungen, benötigen hierfür jedoch zusätzliche Bauteile. Nach der Neufassung der TRBS 2121 werden jetzt alle Gerüstanwender – vom Gerüstbauer über den Bauunternehmer bis hin zum Maler oder Dachdecker – dazu verpflichtet, eine solche Sicherungslösung zu verwenden. Dabei wird sowohl der Ersteller als auch der Nutzer eines Gerüsts in die Verantwortung genommen. Weitere Neuerungen in der TRBS sind u. a., dass ab drei Lagen bzw. ab einer Höhe von 5 m ein Treppenturm für die Gerüstnutzer vorzusehen ist. Grundsätzlich muss jetzt deutlich mehr geplant und nachgewiesen werden. Bspw. muss der Ersteller eines Gerüsts jetzt u. a. einen Aufbauplan für seine Monteure erstellen, eine Gefährdungsbeurteilung schreiben, einen Benutzungsplan anfertigen etc. – Dinge, die eigentlich normal sein sollten, nun aber auch verbindlich niedergeschrieben sind.

Überle: Der Nutzen für den Anwender steht für uns seit 50 Jahren immer schon im Fokus. Dazu gehört für uns auch das Thema Sicherheit. Als wir unser Gerüstsystem entwickelt haben, haben wir daher nicht nur geschaut, wie wir die Arbeit für den Anwender leichter und schneller machen können, sondern eben auch sicherer. Dass die Regularien dahingehend nun verschärft wurden, bestätigt uns in unserer Herangehensweise. Beim Thema Sicherheit darf es schlichtweg keine Kompromisse geben.

Greisinger: Das finden übrigens nicht nur wir, sondern auch unsere Kunden. Wir haben bei Peri ein neues Format ins Leben gerufen, die sog. Easy Testtage, wo wir den Gerüstbauern unser System zeigen und vorstellen. Von den Kunden, die einen Systemwechsel vornehmen möchten, bekommen wir dabei häufig das Feedback, dass sie dies v. a. für ihre Mitarbeiter tun, um diese in der Arbeit zu entlasten und abzusichern. Zudem hören wir immer wieder, dass es durch die veränderte Arbeitsbelastung gelingt, Mitarbeiter länger in Lohn und Brot zu halten und so auch dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Wir sind davon überzeugt, dass die Entwicklung von modernen und auch sicheren Arbeitsmitteln wie Gerüsten oder Schalungen Berufsbilder wie den Gerüst- oder den Betonbauer wieder deutlich attraktiver für junge Menschen machen.

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