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Peri-Segmentleiter Franz Greisinger

Technikinnovationen sind der Motor

Franz Greisinger ist Segmentleiter für den Bereich Gerüstbau und Handwerk bei Peri in Deutschland

Rationalisierung des Betonbaus war das ursprüngliche Unternehmensziel des Peri-Firmengründers Artur Schwörer. Auch heute sieht das Unternehmen Technikinnovationen als wesentliche Triebfeder für die Gestaltung des Kundenerfolgs. ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga sprach mit Franz Greisinger, Peri-Segmentleiter für den Bereich Gerüstbau und Handwerk in Deutschland, über Perspektiven im Gerüstbau.

ABZ: Herr Greisinger, die Corona-Krise ist nicht überstanden, sie hält Deutschland weiterhin in Atem. Wie hat sich das Geschäft für Ihr Unternehmen in den letzten zwölf Monaten entwickelt?

Greisinger: Natürlich ist Peri – genau wie die Baubranche beziehungsweise die Wirtschaft insgesamt – mit einer so noch nie dagewesenen Ausnahmesituation konfrontiert worden. Zwei Dinge scheinen mir in diesem Zusammenhang dabei jedoch besonders erwähnenswert. Neben dem, dass Peri Deutschland auch 2020 und im jetzigen ersten Halbjahr seine Wachstumsstrategie im Markt der Schalungs- und Gerüsttechnik erfolgreich behaupten konnte, freut mich persönlich eine weitere branchenübergreifende Tatsache. Die zurückliegenden zwölf Monate haben weit über die Fachöffentlichkeit hinaus gezeigt, was für ein zentraler volkswirtschaftlicher Stabilitätsanker eine leistungsfähige Bauwirtschaft für Deutschland ist und dies logischerweise bleiben muss.

ABZ: Was waren die größten Herausforderungen zur Bewältigung der Pandemie?

Greisinger: Oberste Priorität hatte natürlich der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiter und die dafür notwendigen organisationsinternen Anpassungen haben wir sehr schnell erreicht. Das gilt sowohl für die Zentrale in Weißenhorn als auch für die neun Niederlassungen, die sieben Vertriebs- und Ingenieurbüros, die drei Competence-Center oder die 15 Lagerstandorte, die bundesweit unsere hohe Material- und Serviceverfügbarkeit sicherstellen. Auf dieser Basis konnten wir trotz aller coronabedingten Restriktionen den Kommunikationsfluss zu unseren Kunden und Partnern insgesamt sehr gut aufrechterhalten. Denn in der Bauindustrie ist der persönliche Kontakt und regelmäßige Austausch weiterhin die Grundlage für eine gut funktionierende Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Wenn man der Corona-Situation etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es der Umstand, dass die Baubranche – wie viele andere Branchen auch – bei den neuen Kommunikations- und Informationsmedien insgesamt einen Digitalisierungsschub durchlaufen hat. Wir selbst haben die Optionen der webbasierten, digitalen Medien ebenfalls intensiv ausgebaut – von Online-Kundenmeetings über Webinare bis hin zur Möglichkeit, dass Kunden die beiden großen Peri-Ausstellungshallen der Schalungs- und Gerüsttechnik virtuell begehen und erleben können. Diese neu entwickelten Alternativen werden wir beibehalten, da wir unseren Kunden ohnehin eine möglichst große Bandbreite an unterschiedlichen Kommunikations- und Informationszugängen bieten wollen.

ABZ: Im Frühjahr ist Peri als einer der TOP-100-Innovatoren Deutschlands ausgezeichnet worden. Wie war die Reaktion ihrer Kunden? Und wie wurde die Auszeichnung intern wahrgenommen?

Greisinger: Diese aktuelle Auszeichnung ist eine weitere Bestätigung für unsere Innovationsstrategie. Sie verkörpert den mittelstandsgeprägten Ingenieurs- und Erfindergeist und ist ein wesentlicher Teil der DNA von Peri. Dabei sind die Innovationsziele immer auf den unternehmerischen Mehrwert und Erfolg des Kunden fokussiert. Vor allem auch diese Haltung wurde mit der Wahl unter die TOP 100 gewürdigt.

ABZ: Peri sieht sich selbst als Innovator in der Gerüstbautechnik. Welche Neuerungen oder Verbesserungen sind in diesem Marktsegment erzielt worden?

Greisinger: Peri hat mit dem 1998 vorgestellten Peri-UP-Gerüstbaukasten ein neues, eigenständiges Systemkonzept umgesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Systemgerüstbau von den Bauarten der sogenannten Rahmen- und Modulgerüste bestimmt, die in den frühen 60er und 70er Jahren auf den Markt kamen. Angesichts der beschriebenen Marktsituation haben wir uns in der Entwicklung von Peri UP darauf fokussiert, die Systemgrenzen zwischen Rahmen- und Modulgerüst aufzuheben und zu einem einzigen, durchgängigen Systembaukasten zusammenzuführen. Mit diesem Neukonzept waren mehrere Innovationsziele verbunden, die sich auf die Bauteilemenge, Maßordnung und die Verbindungstechnik von Peri UP beziehen. Obwohl bei Peri UP die Rahmen- und Stielbauweise in sich vereint sind, umfasst der Gerüstbaukasten weniger als 500 Bauteile und Verbindungsmittel. Die Vorteile dieser geringen Bauteilmenge wirken sich in meinen Augen auf alle Betriebsebenen und Bauabläufe im Gerüstbau aus, da die wirtschaftliche Auslastung der einzelnen Systembauteile deutlich steigt. Weitere Kostenvorteile liegen in der vereinfachten Planung und Logistik, weil Planzeichnungen und Ausschreibungsunterlagen schneller erstellt werden können, weniger Lager- und Transportflächen nötig sind und der Organisationsaufwand für das Ein- und Auslagern des Materials sich verringert.

ABZ: Gibt es neben den Wirtschaftlichkeitsaspekten auch baupraktische Unterschiede in der Montage- und Sicherheitstechnik, die sich mit der Entwicklung des Peri-UP-Gerüstbaukastens verändert haben?

Greisinger: Mit wenigen Bauteilen viel machen können – das war bei der Entwicklung von Peri UP die eigentliche Herausforderung. Trotz der strikten Begrenzung der Bauteile und Verbindungsmittel sollte ein Höchstmaß an spezifischen Objekt- und Kundenlösungen möglich sein. Denn je komplexer und vielteiliger ein Gerüstsystem wird, umso stärker kann die Zahl der möglichen Fehlerquellen und der nötigen Montageschritte steigen. Deshalb wurde ein Lösungskonzept entwickelt, das jedes einzelne Bauteil mit der größtmöglichen Vielfalt an Funktionen ausstattet. Wer bisher – abhängig von der geometrischen Komplexität eines Gebäudes oder Bauwerks – zwischen Rahmen- und Modulgerüst wechseln musste, braucht mit Peri UP nur noch ein System. Dadurch kann im Gerüstaufbau – ohne zwei Gerüstsysteme vorhalten, planen und einsetzen zu müssen – bei glattflächigen Baukörpern die hohe Aufbaugeschwindigkeit der Rahmenbauweise genutzt werden, bei komplexer Architektur dagegen die geometrische Anpassungsfähigkeit der Stielbauweise. Dieser Wechsel in der Aufbauart kann selbst bei ein und demselben Bauprojekt ausgeführt werden.

ABZ: Wie ist die Haltung von Peri zur seit 2019 geltenden Neufassung der TRBS 2121-1?

Greisinger: Für den Anwender des Peri-UP-Gerüstbaukastens entstehen durch die aktuelle TRBS 2121-1 keine Nachteile, weil er deren Anforderungen schlicht übererfüllen kann. Der in der TRBS 2121-1 formulierte Vorrang der konstruktiven Sicherheit in Form des vorlaufenden Seitenschutzes hat der Peri-UP-Gerüstbaukasten bereits vor 22 Jahren verwirklicht. Und die in der TRBS 2121-1 enthaltene Einschränkung, dass der vorlaufende Seitenschutz nur bei einer durchgängigen Gerüstflucht anzuwenden sei, ist für Peri-UP-Nutzer nur bedingt von Bedeutung. Er kann den Seitenschutz auch bei komplexen Gebäude-Geometrien mit Balkonen oder Vor- und Rücksprüngen in der Fassadenebene vorlaufend montieren. Wie konsequent Peri die Themen der systemintegrierten Sicherheitstechnik vorantreibt, zeigt unter anderem die auf der bauma 2019 vorgestellte Peri-UP-Lösung für Treppengeländer, die ebenfalls vorlaufend und aus gesicherter Position montiert werden kann.

ABZ: Peri ist auch Anbieter von Schalungssystemen. Welche Vorteile bieten sich für Kunden, Schalungssysteme und Gerüstbau von einem Anbieter zu beziehen?

Greisinger: Im Ortbetonbau bilden Schalung und Rüstung eine notwendige, sich ergänzende Einheit. Da Peri beide Systeme selbst entwickelt und herstellt, entstehen an deren Schnittstellen so gut wie keine technisch bedingten Reibungsverluste. Vor allem im konstruktiven Hoch-, Ingenieur- und Infrastrukturbau reicht die Gerüsttechnik ja über ihre klassische Funktion des Arbeits- und Schutzgerüsts weit hinaus. Hier begrenzt sich die Gerüsttechnik nicht nur auf die Bereitstellung von sicheren Zugängen, Arbeitsflächen oder Schutzeinrichtungen. Sondern sie ist dort als Trag- oder Stützkonstruktion unmittelbarer Teil des Schalungsaufbaus. In der höchsten Ausbaustufe bilden sie sogar das Tragwerk für die Peri-Verfahr- und -Klettersysteme. Bei dem 2004 vorgestellten Variokit-Ingenieurbaukasten ist das bei Peri UP umgesetzte Konzept der strikten Bauteilbegrenzung ebenfalls erfolgreich angewendet worden. Mit Variokit können durchschnittlich 85 Prozent aller Tragwerksanwendungen mit nur drei Kernbauteilen – Stahlriegel SRU, Kletterschiene RCS, Schwerlastspindel SLS – konstruktiv ausgebildet werden. Die Schnittstelle zwischen Peri UP und Variokit basiert auf der identischen Maßordnung für die Bauteilgrößen und Verbindungsraster. Beide Systeme beziehen sich mit ihren Rastermaßen 12,5 Zentimeter, 25 und 50 Zentimeter auf die oktametrische Maßordnung der DIN 41172. Dank diesem durchgängigen Verbindungsraster können Gerüstkonstruktion aus Peri UP und Variokit geplant werden, die im Aufbau nahezu stufenlos an komplexe Bauwerksgeometrien, oder speziell geforderte Lastableitungen anpassbar sind.

ABZ: Peri sieht sich nicht nur als Hersteller, sondern als Dienstleister und Partner in der Gerüsttechnik. Wie wird dieser Leitsatz mit Inhalt gefüllt?

Greisinger: Interessanterweise verbindet sich mit der Digitalisierung des Bauens auch der Begriff der Kollaboration. Die damit beschriebene gewerkeübergreifende, partnerschaftliche Form der Zusammenarbeit wird mit der bestimmende Erfolgsfaktor für die Zukunft des Bauens sein. Dieser Wandel im Rollenverständnis der verschiedenen Bauakteure ist für Peri allerdings kein Neuland. Schon der Firmengründer, Artur Schwörer, hat Ende der 60er Jahre das ursprüngliche Unternehmensziel als Rationalisierung des Betonbaus beschrieben. Diese Zielsetzung hat sich in ihrer Aktualität als geradezu visionär erwiesen. Jedenfalls hat Peri frühzeitig erkannt, dass die angestrebte Rationalisierung im Betonbau – neben einer innovativen Schalungs- und Gerüsttechnik – ganz entscheidend vom Angebot der planungs- und ausführungsbegleitenden Dienstleistungen abhängig ist. Ich spreche in diesem Zusammenhang gerne vom Input-Output-Prinzip der Peri-Technik und -Dienstleitungen. Denn jede Planung oder Softwareeinsatz ist immer abhängig von der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der vorhandenen Schalungs- und Gerüsttechnik. Der hohe Innovationsgrad der Peri-Technik bildet da natürlich eine optimale Basis für unsere Projektingenieure aus dem Peri-Engineering. Entsprechend positiv bewerten unsere Bauunternehmer- und Gerüstbau-Kunden die angebotenen Planungs- und Ausführungsdienstleistungen.

ABZ: BIM und die Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen bleiben Dauerthemen in der Baubranche – Peri hatte bereits zu Anfang des Jahres darauf in der ABZ hingewiesen. Wie beurteilen Sie das Thema heute?

Greisinger: Weltweit sind Beton und Stahlbeton die führenden Konstruktionswerkstoffe. Entsprechend früh hat sich Peri in der Schalungs- und Gerüsttechnik mit den Themen der softwaregestützten Prozessoptimierung und Projektsteuerung auseinandergesetzt. Die heute dafür geläufigsten Stichworte sind BIM und Lean Construction. Ein erstes deutsches Großprojekt, das methodisch wie softwaretechnisch den später entwickelten BIM-Modellen weitgehend entsprach, ist das 2005 fertiggestellte Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart. Das im Innenbereich mit doppelgekrümmten Sichtbetonflächen ausgeführte Bauwerk wurde von den Entwurfsarchitekten als die Grenze des technischen Machbaren beschrieben. In dieses Projekt war Peri nicht nur als Schalungshersteller eingebunden, sondern es war gleichzeitig der interne Startschuss, um weiterhin die eigene Digital-Kompetenz massiv auszubauen.

ABZ: Welche Rolle spielen Softwareanwendungen aus ihrer Sicht in der Digitalisierung der Roh- und Ausbaugewerke?

Greisinger: Nehmen Sie zum Beispiel das Positionspapier BIM im Hochbau vom Verband der Deutschen Bauindustrie. Dies ist erst 2019 veröffentlicht worden. Nach dem Standardleistungsbuch für das Bauwesen sind im Hochbau bis zu 77 Roh- und Ausbaugewerke tätig, die alle untereinander harmonisiert werden müssen. Wie groß der weitere Klärungs- und Entwicklungsbedarf sein wird, zeigt uns die aktuelle Situation im Schalungs- und Gerüstbau. Denn im Gegensatz zur Schalungstechnik gibt es für das Gewerk der Gerüsttechnik noch kein Fachmodell. Da Peri an dem Zustandekommen des BIM-Fachmodell-Schalungstechnik mitbeteiligt war, können wir in der Gerüsttechnik analog vorgehen. Das Angebot von herstellergebundenen Sonderwegen ist nach meiner Einschätzung für das Gewerk und die Interessen des Gerüstbaus dagegen nicht zielführend. Letztendlich kann so die zentrale Idee von Open BIM nicht erfüllt werden, die einen gemeinschaftlichen und transparenten Planungs- und Ausführungsprozess voraussetzt, in den neben den direkten Baubeteiligten immer auch der Bauherr miteingeschlossen sein muss.

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