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Pfarrhaus Erlöserkirche

Außendämmung trotz Denkmalschutz

Dämmstoffe, Modernisierung und Sanierung

Eine effektive Außendämmung an der Fassade besteht aus genau einer Schicht Poroton-WDF, als Endbeschichtung reicht herkömmlicher Leichtputz. Schichtaufbau, im Bild von links: bestehende Wand, Poroton-WDF, Putz.

LANDSHUT (ABZ). - Das Pfarrhaus der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche in Landshut war in die Jahre gekommen und bedurfte einer dringenden energetischen Sanierung. Zusammen mit der Kirche und dem freistehenden Campanile wurde das Pfarrhaus von Hans Döllgast 1963 errichtet und steht wie die meisten seiner Bauwerke unter Denkmalschutz. Für die Dämmung und Erneuerung der Fassade kam deshalb ein herkömmliches Wärmedämmverbundsystem nicht in Frage.

Die evangelisch-lutherische Erlöserkirche mit Pfarrhaus in Landshut ist der einzige Neubau eines protestantischen Kirchenbauwerks von Hans Döllgast (1891–1974) überhaupt. Döllgast hatte sich vor allem durch (katholische) Kirchenneubauten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und den Wiederaufbau von Baudenkmälern in München nach dem Zweiten Weltkrieg einen Namen gemacht.

Das als Wohnhaus der Pfarrersfamilie zur Verfügung stehende Gebäude ist im Südosten des Areals versteckt in einem parkähnlichen Garten zu finden. Es erstreckt sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Gemeindehauses Würzburger Architekten und ist mit einem Durchgang sowie einem gemeinsamen Zugang mit diesem verbunden. Im Gegensatz zu den aufwendigen und detaillierten Klinkerfassaden von Kirche, Pfarramt und Gemeindehaus hebt sich das Pfarrhaus durch seinen schlichten, hell verputzten Baukörper aus dem Ensemble der Gebäude hervor.

Im Laufe vielfältiger Renovierungs- und Umbaumaßnahmen hatte das Pfarrhaus jedoch sein ursprüngliches und charakteristisches Erscheinungsbild verloren. Ziel war es deshalb, neben der energetischen Sanierung und der Erneuerung der Gebäudetechnik wieder an die originäre Gestaltung von Hans Döllgast heranzuführen.

Die Dämmung der Bestandswand war aus denkmalpflegerischer Hinsicht eine diffizile Angelegenheit. Vorgabe war es, die Sockelausbildung mit Natursteinstreifen zu erhalten. Architekt Bernhard Paringer von Neumeister & Paringer Architekten, Landshut, entschied sich deshalb letztendlich für eine Vormauerung mit einem hochwärmedämmenden und monolithischen Ziegel mit Perlitfüllung (Wärmedämmfassade Poroton-WDF). Diese ließ im Hinblick auf die Anforderung der Denkmalpflege mehr Spielräume. So ermöglichte das System einen normalen Putzaufbau und die Umsetzung des Sockeldetails mit einem Streifen aus italienischem Nagelfluh. Poroton-WDF ist eine massive Ziegelwand, gefüllt mit dem aus der Natur kommenden Dämmstoff Perlit. Die äußere Schale dieses Dämmsystems besteht aus einer 15 mm starken, stabilen Ziegelschale, die mit einem wärmedämmenden Kern aus Perlit versehen ist. Hinzukommen noch einmal 20 mm durch das Finish des Leichtputzes. Diese erweist sich als guter Schutz gegenüber den vielfältigen Beanspruchungen, denen eine Fassade im Laufe ihres Lebens ausgesetzt ist. Neben mechanischen Beschädigungen, Abplatzungen, Putzrissen und dergleichen werden Fassaden mit der Zeit zudem unansehnlich, weil sich Algen an den sonnenabgewandten oder von Tauwasser feuchten Oberflächen ansiedeln. Die hohe Wärmespeicherfähigkeit von Außenschale und Putz der Poroton-Wärmedämmfassade verringert Tauwasseransammlungen an der Oberfläche der Wand. Ein Einsatz von Bioziden zur Vermeidung von Fassadenbewuchs ist deshalb nicht nötig. Betrachtet man das System in einem längeren Zeitraum so amortisieren sich Anschaffungskosten unter Berücksichtigung der Beständigkeit und Dauerhaftigkeit des Systems weitaus schneller.

Die Konstruktion der zu dämmenden Gebäudehülle bestand aus 36,5 cm dickem Ziegelmauerwerk. Die Wärmedämmfassade wurde hier im Dünnbettmörtelverfahren in einer Breite von 120 mm ohne weitere vorherige Maßnahmen an der Bestandswand knirsch vorgemauert und anschließend verdübelt. Faktisch gesehen ist das System ein zweischaliges Mauerwerk mit Putzschicht (nach DIN 1053-1:1996-11 Abschnitt 8.4.3). Die Verarbeitung erfolgte einfach und sicher wie bei herkömmlichem Planziegelmauerwerk und konnte deshalb von einem Verarbeiter vor Ort in wenigen Tagen ausgeführt werden. Die Ausführung des vom Denkmalschutz geforderten Sockeldetails konnte problemlos umgesetzt werden. Die Fassade konnte bereits im Kellerbereich ab Bodenplatte hochgezogen werden. Der Natursteinstreifen aus italienischem Nagelfluh wurde in Höhe der Erdgeschossdecke an der gedämmten Wand montiert. Erst dann wurde der Leichtputz mit Gewebespachtelung an der Fassade angebracht. Beim Austausch neuer Fenster wurden die Profilquerschnitte aus Eichenholz soweit reduziert, dass sie trotz einer Dreifach-Verglasung das ursprüngliche Erscheinungsbild erreichen. In den Putz geritzte Faschen betonen deren Öffnungen. Der Fassadenanstrich und die Farbe der Sonderelemente wurden nach alten Vorlagen rekonstruiert und bilden die von außen sichtbarste Veränderung des Pfarrhauses. Dank der hohen Dämmleistung aus der Kombination Ziegel und Perlit können Bestandswände unterschiedlicher Baujahre auf Neubauniveau angehoben werden. Die Sanierung des Gebäudes entspricht damit den Anforderungen der Energieeinsparverordnung. Der Jahresprimärenergiebedarf konnte von 380 KWh/m² auf 50 (!) KWh/m² gesenkt werden. Auch der Einbau neuer Fenster und die nachträgliche Dämmung der obersten Geschossdecke leisten ihren Beitrag zur Minimierung der Energieverbräuche. Die Energieversorgung des Hauses erfolgt nun über Fernwärme aus einem Biomasse-Heizkraftwerk. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt für einen gleichmäßigen Luftaustausch in den Aufenthaltsräumen. Aufgrund ihrer gesundheitlichen Unbedenklichkeit erhielt das System das Label des eco-Instituts Köln sowie für ihre Nachhaltigkeit die Environmental Product Declarations (EPD) des Instituts Bauen und Umwelt.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 40/2015.

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