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Pilotprojekt am Persischen Golf

Alu-Fußgängerbrücke erstellt

PML, Tunnelbau

Wegen des hohen Gewichts von rund 40 t pro Brückenteil wurde der größte in Katar verfügbare Kran – ein 500 t-Modell – gebucht, um das Bauwerk einzuschwenken. Zudem mussten mehrere kleinere Krane zur Unterstützung eingesetzt werden, um die beiden Elemente nah genug in den Einschwenkbereich zu bringen.

Doha/Katar (ABZ). – Wegen des hohen Verkehrsaufkommens an einer Straße im Industriegebiet von Doha, der Hauptstadt des Emirates Katar, entschieden sich die zuständigen Behörden im Jahr 2014, an diesem Standort eine Fußgängerbrücke zu errichten. Da das salzhaltige Klima am Persischen Golf für viele Materialien sehr ungünstig ist, fiel die Wahl auf eine besonders witterungsbeständige Aluminiumbrücke des Singener Herstellers Peter Maier Leichtbau GmbH (PML). Das Bauwerk mit einer Gesamtlänge von 84 m dient als Pilotprojekt für zukünftige Vorhaben, weshalb die Eignung des eingesetzten Baustoffs genauestens von der zuständigen Baubehörde Ashghal getestet wurde: So mussten besonders strenge Vorgaben erfüllt und bspw. Windkanalsimulationen sowie ein teilweiser Probeaufbau der Anlage in Deutschland durchgeführt werden. Die fertige Konstruktion ist dank einer vollständigen Umhausung mit Etalbond sowie einer kompletten Eloxierung auch unter den schwierigen Bedingungen vor Ort korrosionsbeständig und somit nahezu wartungsfrei.

"Das neue Bauwerk überbrückt die East Industrial Road in Doha, eine sehr stark befahrene Straße im Industriegebiet. Es besteht aus zwei 42 m langen freitragenden Elementen und hat eine lichte Brückenbreite von 4 m", erklärt Thomas Maier, Program-Manager bei PML. Den Auftrag für dieses Projekt erhielt der Singener Aluminiumbrückenspezialist nach intensiver Prüfung durch den Auftraggeber in Katar als Direct Award. Die zuständige Baubehörde in Katar, Ashghal, informierte sich im Vorfeld eingehend über Leistungsfähigkeit und weltweite Referenzen von PML und stimmte die technische Machbarkeit des Bauwerks sehr intensiv mit dem Hersteller ab.

Neben der eigentlichen Brückenkonstruktion umfasst das Projekt zwei Treppenaufgänge aus Aluminium sowie zwei Aufzüge, die mit einem Aluminiumturm umhüllt sind. Die Brücke ist mit Etalbond – besser bekannt als Alucobond – umhaust und an den Seiten mit Scheiben in Wellenform ausgestattet. Innen gibt es zudem einen Glastunnel, der komplett klimatisiert und beleuchtet ist. "Wir haben schon einige große Brückenanlagen realisiert, bspw. ein Projekt in Peking für die Olympischen Spiele 2008. Ein so aufwendiges Bauwerk wie in Doha war für uns trotzdem eine Herausforderung", erklärt Maier. Zum Leistungsumfang von PML gehörten dabei die Brücke inklusive Einhausung, die komplette Treppenanlage inklusive Aluminiumstützen, die Türme, in denen die Liftanlagen installiert sind, sowie die gesamte Planung. Für den Glastunnel wurden Materialbeschaffung und Montage durch einen Projektpartner durchgeführt.

Besonders die konstruktive Planung gestaltete sich aufgrund der landestypischen Vorschriften schwierig: Da in Katar Erfahrungen mit Aluminiumbrücken fehlten, gab es für dieses erste Projekt sehr strenge Vorgaben, die über die übliche Norm hinausgingen. Das betraf insbesondere das eingesetzte Material, wie z. B. die Lager. "Nach der Beauftragung wurde von Ashghal statisch und konstruktiv alles bis ins letzte Detail geprüft und auch atypische Forderungen wie z. B. nach einer Windkanalsimulation gestellt", erläutert Maier. Für manche Punkte gab es in dem Golfstaat dagegen noch gar keine Vorschriften, so dass Standards aus anderen Ländern hinzugezogen werden mussten. Gemäß der vertraglichen Vereinbarung erfolgte zusätzlich ein Probeaufbau der fertigen Konstruktion im Werk in Singen, zu dem der Auftraggeber eigens anreiste, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Gleichzeitig war ein sehr enger Zeitplan einzuhalten, die Projektdauer betrug von der Auftragsvergabe im September 2014 bis zur Übergabe im Juni letzten Jahres nur zehn Monate.

Die vorgefertigten Brückenelemente, Treppen und Lifttürme wurden in Einzelteilen nach Doha geschickt – teilweise per Container, teilweise aus Zeitgründen auch per Luftfracht. Vor Ort wurden sie von einem Team aus deutschen Fachkräften montiert. "Weder die Montage noch das Einschwenken waren für uns etwas Alltägliches, weil wir hier in Bezug auf Maße und Gewicht andere Dimensionen hatten, als wir es bisher gewohnt waren", so Maier. Die Brücke mit ihrer runden Form hat einen Ø von 7 m, so dass während der Montage mit entsprechenden Hebezeugen gearbeitet werden musste. Wegen des hohen Gewichts von rund 40 t pro Brückenteil wurde der größte in Katar verfügbare Kran – ein 500 t-Modell – gebucht, um das Bauwerk einzuschwenken. Zudem mussten mehrere kleinere Kräne zur Unterstützung eingesetzt werden, um die beiden Elemente nah genug in den Einschwenkbereich zu bringen. "Auch die extremen klimatischen Bedingungen mit Temperaturen von bis zu 45 °C bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit haben das Team vor eine große Herausforderung gestellt", erklärt Maier. Dennoch konnte die Vor-Ort-Montage im vorgegebenen Zeitraum von Februar bis Juni 2015 abgeschlossen werden.

Die fertige Brücke bietet durch die Einhausung mit Etalbond optisch einen ungewöhnlichen, tunnelförmigen Anblick: "Bei diesem Material handelt es sich um dünnwandige Aluminiumtafeln mit einer Kunststoffinnenschicht. Sie sind sehr biegsam und daher für diesen Anwendungsfall sehr gut geeignet", so Maier. Die Tafeln sind wie alle anderen Aluminiumoberflächen des Bauwerks vollständig mit einer Eloxierung versehen. Das auch Anodisation oder Anodische Oxidation genannte Verfahren wandelt die Metalloberfläche unter Einwirkung von Gleichstrom in einem Elektrolyt-Bad in eine dichte und sehr harte Oxidschicht um, die fest mit dem Grundmaterial verbunden ist und im Gegensatz zu Lacken weder reißen noch abplatzen kann. Da das Eloxal ein integraler Bestandteil des Materials ist, bietet es Schutz gegen mechanische Einflüsse und ist witterungs- und korrosionsbeständig. Damit ist die Brücke gegenüber dem sehr feuchten, salzhaltigen Klima am Persischen Golf, das für viele Materialien sehr ungünstig ist, unempfindlich und nahezu wartungsfrei. Nachdem dieses Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen wurde, rechnet PML mit Folgeaufträgen aus den Emiraten.

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