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Premiere

Roboteranlage wurde bei einer Kanalreparatur in Mainz erstmals eingesetzt

Die Schachtöffnung reicht: Der eCutter und die PI.TRON Spachtel- und Verpresseinheit können durch den Einstiegschacht in den Kanal abgelassen werden. Mit einem Akku betrieben kann der eCutter einen Tag lang ohne externe Stromversorgung fräsen.

Mainz (ABZ). – Im Mainzer Stadtteil Finthen konnten die Anwohner nicht viel sehen: Während unterirdisch ein Roboter die Schäden in der Mischwasserkanalisation beseitigte, deuteten an der Oberfläche nur zwei Fahrzeuge und ein Anhänger von der Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co. KG auf die Aktivitäten in der Kanalisation hin. Im Auftrag des Wirtschaftsbetrieb Mainz wurden im Sertoriusring verschiedene Reparaturarbeiten an defekten Mischwasserkanälen durchgeführt. Erstmals kam hier die neue PI.TRON Roboteranlage zum Einsatz, die mit dem eCutter und der PI.TRON Spachtel- und Verpresseinheit ausgestattet ist. Aufgrund des elektrischen Antriebs sei diese Anlage deutlich leiser als eine hydraulisch betriebene Anlage, so der Hersteller. Hinzu komme, dass das Aggregat mit einem Akku betrieben werden und somit für rund einen Tag ohne externe Stromversorgung arbeiten könne – ein entscheidender Vorteil, etwa bei Reparaturarbeiten in schwer anfahrbaren Haltungen. Alle zehn Jahre lässt der Wirtschaftsbetrieb Mainz seine Abwasserleitungen und -kanäle optisch inspizieren. "Die dabei erfassten Schäden werden gemäß DWA-Merkblatt 149 Teil 3 anschließend klassifiziert und den entsprechenden Zustandsklassen zugeordnet", erläutert Thomas Müßig, Abteilung Abwassersammlung, Wirtschaftsbetrieb Mainz. "Die Schäden, deren Sanierungsdringlichkeit dabei mit 'sofort' oder 'kurzfristig', eingestuft werden, werden daraufhin unverzüglich saniert". Ausgeführt werden die Arbeiten von Unternehmen, mit denen sogenannte Jahresverträge abgeschlossen wurden. So etwa für 2019 mit D&S Rohrsanierung, die im Frühjahr die Reparaturarbeiten in Mainz-Finthen durchgeführt hat.

Insbesondere der Abwasserkanal im Sertoriusring wies verschiedene Schadensbilder auf. Er variiert im Nennweitenbereich von DN 250 bis DN 800 und besteht überwiegend aus Beton- und Steinzeugrohren. Welches Reparaturverfahren im konkreten Fall zum Einsatz kommt, entscheidet der Wirtschaftsbetrieb Mainz auf Grundlage der TV-Inspektion.

Geringer Platzbedarf: Zwei Fahrzeuge und ein Anhänger – mehr wird für die neue PI.TRON-Roboteranlage nicht benötigt.

"Mit der neuen PI.TRON Anlage können wir unterschiedliche Reparaturen ausführen – fräsen, verspachteln, verpressen – alles kein Problem", so Bauingenieur Michael Pschierer, NL-Leiter D&S Rohrsanierung, Aschaffenburg. "Aber auch Kurzliner oder Innenmanschetten können von uns im Zuge des Jahresvertrages eingebaut werden – ebenso sind natürlich auch Reparaturarbeiten in Eiprofilen möglich." Der Vorteil von PI.TRON ergebe sich aus dem elektrischen Antrieb. "Dadurch sei diese Anlage deutlich leiser als eine hydraulisch betriebene Anlage", erklärt Pschierer den Unterschied. Zusätzlich sei die Anlage dadurch wenig reparaturanfällig und somit wartungsärmer. Mit einem Akku betrieben könne der eCutter zudem einen ganzen Tag fräsen, ohne dass eine externe Stromversorgung nötig sei – Vorteile, die PI.TRON auch bei den Reparaturarbeiten rund um den Sertoriusring ausspielen konnte.

In dem reinen Wohngebiet mit den sehr engen Seitenstraßen war nicht viel Platz für Baugruben oder viele Fahrzeuge. "Aber den haben wir auch gar nicht benötigt", stellt Andreas Hensel, Projektleiter, D&S Rohrsanierung Niederlassung Aschaffenburg, fest. Die komplette Anlage ist in einem Sprinter untergebracht. Von dort wird der Roboter entsprechend gesteuert. In einem separaten Anhänger ist das Equipment zur Anmischung der Harze verstaut. "So können die in Beton- oder Steinzeugkanälen üblicherweise vorkommenden Schäden, wie defekte Stutzen, undichte Muffen, Risse mit oder ohne Scherbenbildung, problemlos repariert werden", so Hensel. Zunächst seien die Schadstellen zu fräsen und anschließend in Abhängigkeit des Schadenbildes zu verspachteln oder zu verpressen. Mit der neuen Anlage sei man gut gerüstet, um die anfallenden Reparaturen am Mainzer Entwässerungssystem zuverlässig ausführen zu können. Man setze derzeit sehr häufig die Robotertechnik ein. "Es gab im Zuge unserer Sanierungsarbeiten im gesamten Mainzer Netz keinerlei Beschwerden der Anwohner über große Verkehrsbehinderungen oder über eine zu laute Geräuschkulisse, seit wir das neue Fahrzeug einsetzen", so Hensel weiter. "Wir kommen, stellen uns an einen Schacht und in der Regel ist der 'Spuk' dort in wenigen Stunden vorbei und die Schäden im Kanal sind repariert."

Wenn möglich, setzt der Wirtschaftsbetrieb Mainz auf eine grabenlose Sanierung. "Wir haben bereits Anfang der 1990er-Jahre die ersten Schlauchliner eingebaut und in der Folgezeit auch zunehmend die Robotertechnik eingesetzt", erklärt Christian Hiß, Betriebsleiter Abwassersammlung, Wirtschaftsbetrieb Mainz. Grabenlos sei bei den großen Tiefenlagen der Kanäle bis zu 5 m und den häufig sehr engen örtlichen Begebenheiten im innerstädtischen Bereich oft die beste Wahl und man habe bislang gute Erfahrungen damit gemacht. Auch in Sachen Bauüberwachung hält der Wirtschaftsbetrieb Mainz das Heft in der Hand. Man sehe die Bauüberwachung als wichtigen Baustein für den Erfolg einer Sanierungsmaßnahme, daher übernehme man die Bauüberwachung selbst. Zudem wolle man verantwortlich mit den Gebührengeldern umgehen und wirtschaftlich und v. a. nachhaltig handeln. Täglich sei man mit den Verantwortlichen vor Ort von der D&S Rohrsanierung in Kontakt und regelmäßig selbst auf der Baustelle.

"Die Zusammenarbeit mit den Sanierungsprofis aus Aschaffenburg läuft sehr gut – nicht zuletzt wegen des erfahrenen Anlagenführers", betont Müßig. Die Reparaturarbeiten liefen zur Zufriedenheit. So können sich die Anwohner bald über sanierte Abwasserkanäle freuen, auch wenn sie diese oder die eigentlichen Reparaturen gar nicht sehen können.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 37/2019.

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