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Rathaus Moosburg erweitert

Neubau ersetzt historisches Feyerabend-Haus

Architektur,  Stadtplanung und Stadtentwicklung

Das Feyerabendhaus in Moosburg an der Isar, ein historischer Bau aus dem Jahre 1865, wurde jetzt als Erweiterung des Rathauses komplett neu erstellt.

MOOSBURG (ABZ). -

Das Feyerabend-Haus in Moosburg – ehemaliges Wohnhaus des "berühmten Sohnes" der Stadt, Georg Hummel, dem Erfinder des Stromzählers – stammt aus dem Jahre 1865. Daraus resultieren auch die denkmalschutzrechtlichen Auflagen, die bei dem Neubau zu berücksichtigen waren, der das historische Gebäude seit kurzem ersetzt und zukünftig als Erweiterung des benachbarten Rathauses mit großem Sitzungssaal unter dem Dach dienen soll. Insbesondere hinsichtlich der Fassadengestaltung und der Kubatur sollte das neue Gebäude dem Original entsprechen.

Das Büro Peter Schwinde Architekt BDA, München, unter der Projektleitung von Robert Kürz, erlangte zunächst im Realisierungswettbewerb den 3. Preis, hat dann jedoch im Zuge einer Überarbeitung mit Bürgerbeteiligung den Zuschlag zur Ausführung erhalten. Zusätzlicher Inhalt der Wettbewerbsaufgabe war es, einen barrierefrei erschließbaren Sitzungssaal im Gebäude zu integrieren. Dies lösten die planenden Architekten durch den Ausbau des Dachgeschosses. Prägender Entwurfsgedanke dabei war die Einhaltung der Maßstäblichkeit des Gebäudes im städtebaulichen Kontext durch die Ausbildung einer der Umgebungsbebauung entsprechenden Dachform in einer in Material und Farbigkeit anmutenden und zudem bekannten Ziegelarchitektur, bei gleichzeitiger großflächiger Belichtung des frei tragenden Dachraumes.

Der Ersatzbau für das Feyerabend-Haus ergänzt das Ensemble am Stadtplatz mit Bezug zum gegenüberliegenden Rathaus und erhält so im Kontext die historische Struktur: Die Gebäudehöhe ist definiert; ebenso stadtbildprägend war auch die ruhige Dachform des Originalgebäudes, die entsprechend neu interpretiert wurde.

Durch die optimierte Ausnutzung des Grundstückes ist ein polygonaler, dreigeschossiger Baukörper mit einem geneigtem Dach an der Gebäudeecke zur Georg-Hummel-Straße entstanden. An dieser exponierten Kante ist dann auch die Hausmadonna wieder montiert worden. Durch die Situierung des Haupteinganges am Stadtplatz sollte eine attraktive Adresse gebildet und der Bezug zum Rathaus gestärkt werden. Diesem Bezug trägt auch die Gebäudeerschließung Rechnung. So werden die drei Geschosse über eine geradlinig geführte Treppe erreicht, die durch besondere Lichtführung und Ausblicke auf den Stadtplatz eine hohe Qualität entwickelt. Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes sind großzügig nutzbare Ladenflächen entstanden. Die übrigen Stockwerke dienen der Rathauserweiterung: flexibel organisierbare Büroflächen mit Trauzimmer und Service-Einrichtungen im 1. und 2. Obergeschoss, Archiv- und Lagerräume im Untergeschoss und als Krönung der neue Sitzungssaal im Dachgeschoss.

Der repräsentative Sitzungssaal unter dem Dach, der um ein Foyer ergänzt wurde, erhält durch eine großzügige Verglasung in der Dachfläche und der damit einhergehenden Lichtführung und den Ausblicken auf die Stadtsilhouette eine besondere räumliche Qualität.

Eine die Glasflächen überlagernde, außen liegende Lamellenstruktur aus stabförmigen Ziegel-Baguettes erfüllt dabei den Ensembleschutz, d. h. in der Außenansicht den Erhalt einer ruhigen ziegelgeprägten Dachlandschaft. Die flächige Ausgestaltung und die Materialität des Daches fügen sich harmonisch ein in die Bestandsbebauung, während im Inneren blendfreies Zenitlicht für eine optimale Ausleuchtung des großen Raumes sorgt.

Die Konstruktion der Lamellenstruktur basiert auf der Verwendung sogenannter Ziegel-Baguettes (Farbe: Eisengrau) des niederbayerischen Herstellers Moeding Keramikfassaden GmbH. Diese Elemente mit dreieckigem Querschnitt (Kantenlänge: 90mm) und Längen bis zu 1500 mm sind auf statisch tragenden Aluminium-Profilen aufgefädelt, die ihrerseits werksseitig bereits mit den stirnseitigen Baguette-Haltern verschraubt sind. Am Objekt brauchen sie dann lediglich nur noch Kosten sparend in die vom Hersteller vorab gelieferte und bauseits bereits vormontierte Grundplatine (Kopfplatte) eingeclipst zu werden (Moeding-Rapid-System).

Durch die vorbeschriebene effektive Belichtung des kompletten Dachraumes, zusammen mit der Raum sparenden Erschließung an der Brandwand des Nachbargebäudes und der optimierten Ausnutzung des Grundstückes konnten Gestaltqualität und Kosten in ein gutes Verhältnis gesetzt werden.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 06/2014.

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