rbv erweitert Mitgliederstruktur

Gemeinsam stark für einen nachhaltigen Leitungsbau

Dieter Hesselmann, Hauptgeschäftsführer des Rohrleitungsbauverbandes.

Köln (rb). –  Klimawandel, demografischer Wandel, Europäisierung von Baustandards – die aktuellen Herausforderungen für das Bauwesen machen auch vor dem Leitungsbau nicht halt. Für Fritz Eckard Lang, Präsident des Rohrleitungsbauverbandes e. V. (rbv), steht daher fest: "Nur über eine Bündelung aller Kräfte wird es uns gelingen, die Aufgaben zu lösen und Synergien im Sinne unserer Mitgliedsunternehmen zu heben." Noch auf der letzten IFAT in München hatte der rbv einen großen Rundumschlag angekündigt. Von der Digitalisierung über den demografischen und klimatischen Wandel bis hin zu den unsteten Investitionen in eine nachhaltig gesicherte Infrastruktur unter der Erde ergibt sich eine breite Front, an der es für den Verband zu kämpfen gilt. Anlässlich des alljährlichen Pressegesprächs im Jahr 2017 musste Verbandspräsident Fritz Eckard Lang nun eine gewisse Ernüchterung einräumen. Angesichts der Vielzahl an Themen und Interessengruppen gestalte sich die Verbandsarbeit träge, so Lang. Die Bilanz des letzten Jahres zeige daher Licht wie auch Schatten.

Verbands-Präsident Fritz Eckard Lang.

Auf der einen Seite sei es dem Verband gelungen, eine höhere und bessere Öffentlichkeitswahrnehmung zu erreichen. U. a. habe man die Rolle von Gas im Kontext der Energiewende erfolgreich positionieren können. Allein die aktuell ausufernde Präsenz des Themas Elektromobilität zeige jedoch, dass derartige Diskussionen zäh seien. Auf der anderen Seite gebe es nach wie vor keine hinreichende Nachfrage nach Arbeitsplätzen in der Leitungsbaubranche. Am Angebot liegt es nicht, sagt Lang. Doch leide der Leitungsbau noch immer an einem Mangel an Attraktivität im öffentlichen Ansehen. Hier gelte es weiterhin, am Image der Branche als systemrelevantem Arbeitsfeld mit vielfältigen Aufgabengebieten zu arbeiten sowie die Mitgliedsunternehmen beim Personalmarketing zu unterstützen.

Als großes Problem bezeichnet Lang nach wie vor, dass Wasserpreise in Deutschland rein politisch bestimmt seien. Der Ressource werde zu wenig Wertschätzung entgegengebracht. Das hemme Investitionen und drücke die Preise für nahestehende Dienstleistungen ebenso wie das Thema Bauleistungsversteigerungen im Internet. Diese seien immer noch ein großes Übel, dass der Markt erfreulicherweise aktuell jedoch selber zu regeln scheine. Das Ziel, so Lang, müsse langfristig darin bestehen, mit den Auftraggebern auf Augenhöhe zu sprechen. Darüber hinaus sind Lang die zunehmend ausufernden Präqualifizierungsverfahren, vor denen es die Mitglieder zu schützen gelte, ein anhaltender Dorn im Auge. Was das Thema Investitionen angeht, findet Lang deutliche Worte: "Ein unhaltbarer Zustand" sei der Rückgang der Investitionen zum Erhalt der Netze. Folge sei, dass der Zustand der unterirdischen Infrastruktur schlechter geworden ist. Lang fordert daher gleichermaßen die Auflösung des Investitionsstaus und eine Verstetigung der Investitionen: "Die Entscheidungsträger in den Kommunen und bei den Netzbetreibern sind gefordert, im Sinne der Nachhaltigkeit mehr Geld in den Erhalt der Netze zu investieren und die Erneuerungsraten deutlich zu erhöhen." Diese Themen seien wiederholt Gegenstand von Round-Table-Gesprächen mit Versorgungsunternehmen gewesen. Auch bei einem anderen Thema bezieht Lang deutlich Position: Faire und auskömmliche Aufträge sind laut Lang eine unabdingbare Voraussetzung dafür, dass Leitungsbauunternehmen die Verantwortung für das wertvolle Allgemeingut weiterhin wahrnehmen können. "Ohne die anerkannt hohe Qualität und das Know-how der Leitungsbauunternehmen gibt es keine funktionierende unterirdische Infrastruktur und ohne die Unternehmen – wenn man ihnen weiterhin die notwendigen Umsätze verweigert – in Zukunft eine funktionsbeschränkte, wenn nicht sogar eine kollabierende Infrastruktur", so der rbv-Präsident. Soweit dürfe es erst gar nicht kommen, "aus Gründen der Versorgungssicherheit und aus Verantwortung den nachfolgenden Generationen gegenüber". Um diesen und weiteren Herausforderungen zu begegnen, öffne sich der Verband bereits seit einiger Zeit für die Zusammenarbeit mit anderen Interessenvertretungen der Branche und ihr naheliegender Bereiche. Beispiele hierfür sind u. a. der 2016 geschlossene Kooperationsvertrag mit dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW), die 2017 beschlossene Zusammenarbeit mit der German Society for Trenchless Technology e. V. (GSTT) oder das gemeinsame Wirken des rbv mit der Bundesfachabteilung Leitungsbau (BFA LTB) im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. (HDB) für die Verstetigung der Investitionen in den Leitungsbau und die Verbesserung der Ausschreibungsmodalitäten.

Mit einer Satzungsänderung hat der rbv nun den Weg frei gemacht für die Erweiterung der eigenen Mitgliedschaft, indem er sich für eine außerordentliche Verbandsmitgliedschaft für Herstellerunternehmen und Ingenieurbüros öffnet. Personen und Unternehmen, die in keine der Kategorien fallen, aber den Verband unterstützen wollen, können fördernde Mitglieder werden. Lang: "Es ist deutlich geworden, dass der rbv für einen Zuwachs an Fach-Know-how, für die Erweiterung seiner ausgedehnten Netzwerke und für die Verbreiterung der personellen Basis auch die Unterstützung anderer Gewerke braucht."

Die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden ist insbesondere angesichts der fortschreitenden Europäisierung von Bedeutung. "Wir brauchen Normen und ein auf Europa ausgerichtetes Regelwerk, bei dessen Erstellung müssen die deutschen Branchenverbände den Federhalter in der Hand haben und die Spielregeln bestimmen", so Lang. Insbesondere im Fall des etablierten und bewährten Qualitätsnachweises GW 301 setzt sich der rbv entschieden für die Überführung der wesentlichen Inhalte in die europäische Normung ein. Vor diesem Hintergrund ist der rbv in einem anhaltenden Dialog mit Vertretern des DVGW und der DVGW CERT GmbH über die Europäisierung der GW 301, um einen Fahrplan für die Sicherung deutscher Qualitätsstandards im zusammenwachsenden Europa auf den Weg zu bringen.

Zu den drängenden Aufgaben zählt nach Überzeugung des rbv auch, das Potenzial der Gaswirtschaft bei der Versorgungssicherheit und CO2-Reduzierung stärker in das Bewusstsein der Entscheidungsträger und Öffentlichkeit zu rücken. Vor diesem Hintergrund hatte der rbv im vergangenen Jahr die gemeinsame Verbändeerklärung "Effiziente Klimawende? Mit Gas!" unterzeichnet, mit der zehn Verbände der deutschen Gaswirtschaft sowie der Heizungs- und Bauindustrie an die Politik appelliert haben, die Rolle des Gases bei der Dekarbonisierung anzuerkennen. "Die Diskussion um die Energiewende ist nach Ansicht des rbv bisweilen zu stark von sektoralem Denken bestimmt", erklärt rbv-Hauptgeschäftsführer Dieter Hesselmann und mahnt eine differenziertere Betrachtungsweise an, bei der sowohl die Strom- als auch die Gasnutzung ihre Berechtigung hätten. Denn eine intelligente Sektorenkopplung sei die Grundvoraussetzung dafür, dass eine zunehmend klimafreundliche Energie wie das Gas als integraler Bestandteil der Energiewende wirklich effizient genutzt werden kann.

Hesselmann weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das bestehende und funktionierende Gasversorgungsnetz hier zu Lande – so existieren allein 510 000 km Gasleitungen, und die deutschen Erdgasspeicher haben eine Speicherkapazität von 234 Mrd. kWh – nicht nur Erdgas aufnehmen kann, sondern auch wachsende Mengen aus erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoffs, Methans oder Biomethans. Damit stelle ein modernes Gasnetz heute schon eine wichtige Grundlage für eine sichere, klimaschonende und bezahlbare Energiewende dar. Hesselmann: "Daher setzen wir uns dafür ein, dass in dieses wichtige volkswirtschaftliche und für die Energiewende mitentscheidende Gut weiter investiert wird. Die Leitungsbauunternehmen sind dabei bereit, ihren Anteil bei der Umsetzung der Energiewende durch den Erhalt der Gasinfrastruktur und damit zur Versorgungssicherheit zu leisten."

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