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Recyclingunternehmen schätzt am Prototyp die hochfahrbare Kabine

Zeppelin bringt 23 Jahre alten Schaeff Radlader auf den neuesten Stand

Eine vergleichbare Maschine mit hochfahrbarer Kabine, wie es die Beschickung der Schredder-Anlage erforderlich macht, gab es nicht mehr.

Garching (ABZ). – Mit dem Instandsetzungsprogramm Cat Certified Rebuild macht Zeppelin alte Cat Baumaschinen wieder fit und kann auf zahlreiche Generalüberholungen ganzer Maschinen oder nur ihrer Antriebsstränge verweisen. Mittlerweile werden sogar Fremdfabrikate vom Zeppelin Service rundumerneuert. In den letzten Zügen ist derzeit ein Schaeff Radlader SKL 877. Rororecycling aus Emmering lässt den Radlader SKL 877 von der Werkstatt der Niederlassung München wieder auf Vordermann bringen. Bei der Baumaschine mit dem Baujahr 1996 handelt es sich um eine Kleinserie mit gerade einmal 50 Stk. Das Modell von Rororecycling ist laut Fahrgestellnummer 0101 sogar ein Prototyp. Die Maschine wird nicht mehr gebaut, ist aber für das Recyclingunternehmen unverzichtbar geworden. Denn die hochfahrbare Kabine will Geschäftsführer Thilo Ulses nicht missen. Erstanden hat der Recyclingbetrieb den Radlader 2005 aus einer Insolvenzmasse heraus. Doch 2018 war die Baumaschine nicht mehr fahrtüchtig, sodass an einen weiteren Einsatz nicht zu denken war. Eine Alternative musste her. Eine vergleichbare Maschine mit hochfahrbarer Kabine, wie es der Umschlag von Schüttgütern, Rigips, Glas und Bauschutt sowie die Beschickung der Schredder-Anlage und von Walking-Floor-Lkw erforderlich macht, gab es nicht. "Wir können mit dem Gerät bis in 4,3 m Abkipphöhe entleeren, haben somit eine entsprechende Übersicht und können auch noch unter beengten Verhältnissen arbeiten", so Geschäftsführer Thilo Ulses, der selbst das Gerät bedient.

Die geforderten Aufgaben würde nur ein Radlader in der Ausführung mit Hochkippschaufel und High-Lift-Hubgerüst schaffen. Der hätte zwar durch Kameras Rundumsicht, aber der Fahrer könnte nicht von oben aus sein Arbeitsumfeld so überblicken wie bei dem SKL 877. Außerdem wäre ein Radlader deutlich länger, was auf Kosten der Wendigkeit ginge, erklärt der Firmenchef. Eine Lösung könnte ein Teleskoplader sein. "Doch auch dieser wäre für unseren Einsatz nicht so gut geeignet. Insbesondere wenn er mit seiner Schaufel in Bauschutt reinfährt, würden Zylinder und Zylinderlager ausschlagen. Leicht würde er an den Ecken hängen bleiben und sich verbiegen", befürchtet Ulses.

Den Rebuild übernahm Zeppelin-Servicetechniker Benjamin Große von der Niederlassung München in Eigenregie.

Die Baumaschine wird in der Regel in der Halle bewegt. Da kommt es auf einen kleinen Wendekreis an. "Als ich hörte, dass Zeppelin auch Fremdfabrikate instand setzt, hatte ich die Idee, es auch mit unserem alten Radlader zu versuchen. Denn dieser wird nicht mehr hergestellt. Wir sind auf ihn einfach angewiesen", so der Geschäftsführer. 2018 hat die Zeppelin Niederlassung Hamm erstmals einen Atlas Mobilbagger überholt. Das war ein Novum und gleichzeitig der Startschuss, auch anderen Baumaschinen neues Leben einzuhauchen.

Zeppelin Außendienstmeister Martin Hinterbrandner von der Niederlassung München machte sich vor Ort erst ein Bild vom Zustand des SKL 877 und davon, ob ein Rebuild möglich wäre. "Wir mussten erst einmal herausfinden, wer die Zulieferer von Motor, dem Fahrgestell, den Pumpen und dem Getriebe waren. Das war extrem aufwendig. Es gab lediglich ein Betriebshandbuch, auf das wir zurückgreifen konnten. Dann erst konnten wir die komplette Überholung durchkalkulieren und dem Kunden ein Angebot unterbreiten", so Serviceberater Ralf Kraemer. Die Hydraulikspezialisierung, die Zeppelin am Standort Bremen unterhält, wurde hinzugezogen. Auch ein neuer Austauschmotor musste organisiert werden, der den Perkins-Motor mit 88 kW (120 PS) ersetzte. "Die Maschine wird auf den Stand der aktuellen Technik gebracht. Der Radlader stellt eine neuwertige Maschine mit mehr Komfort dar, die voll funktionstüchtig ist und wieder arbeiten kann", verdeutlicht Ralf Kraemer. Den Rebuild übernahm Servicetechniker Benjamin Große in Eigenregie. Zur Hand ging ihm dabei Fabian Braehmer, Auszubildender zum Baumaschinenmechatroniker im ersten Lehrjahr.

Rororecycling-Geschäftsführer Thilo Ulses testet den neuen Fahrersitz.

Sie rüsteten den Radlader mit einer Zentralschmieranlage aus, bauten einen neuen Sitz mit Höhenverstellung ein und änderten den Türanschlag: Statt nach vorne geht die Tür zur Fahrerkabine nun nach hinten auf. Zudem brachten sie LED-Beleuchtung an. "Die Elektrokabel waren so verschlissen, dass wir neue einziehen mussten", erzählt Servicetechniker Benjamin Große. "Wenn man das Relais suchte, wusste man nicht, wo es ist. Nur mit viel Suchen wurden wir dann fündig. Irgendwann hatten wir 40 Hydraulikleitungen nebeneinanderliegen und mussten diese alle wieder da einbauen, wo sie hingehören", beschreibt Große weiter.

Die erste Probefahrt hat der Radlader schon absolviert. Nun geht es an die Feinarbeit. Auf den Ausleger kommt etwa ein Aufkleber mit "Rebuild by Zeppelin". "Die Maschine ist ein Aushängeschild für den Service von Zeppelin und die Werkstatt in München", so Kraemer. Parallel läuft in der Niederlassung München eine Überholung eines Cat Muldenkippers 777. "Aktuell sind drei Großgeräte im Vorlauf und es gibt schon Anfragen, auch die Hydraulik eines Kettenbaggers 325 zu überholen, denn der Kunde will wie Rororecycling seine Maschine behalten", führt Kraemer weiter aus.

Wie wichtig der Radlader für das Unternehmen ist, zeigt sich daran, dass in der Zwischenzeit bereits ein weiteres Modell angeschafft wurde, das der Unternehmer in einem Onlineportal entdeckt hat. Es dient während des Rebuilds der Überbrückung. Auch wenn der Zustand nichts zu wünschen übrig ließ, so soll auch dieser Radlader von der Zeppelin Niederlassung München durchgecheckt werden.

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