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Rot ist nicht gleich Rot

Backstein mit Sonderbrand produziert

Visualisierung: Die Skulpturalität des Baukörpers wird durch den prägnanten Rotton noch erhöht.

Moskau/Russland (ABZ). – "RED7" – der Name des bis Ende 2022 in Moskau entstehenden Wohn- und Geschäftshauses lässt bereits auf seine äußere Erscheinung schließen: eine durch und durch rote Klinkerfassade, in Teilen mit einem leichten Glanz ausgeführt, wird den 78 m hohen Gebäudekomplex an prominenter Stelle prägen und das Bild der Stadt maßgeblich beeinflussen.

Gemeinsam mit dem Team von MVRDV hat die Klinkermanufaktur Deppe Backstein aus Uelsen den ausnehmend roten Klinker in ungewöhnlichem Format entwickelt und produziert. Rund 1,2 Millionen Steine sind inzwischen produziert und ausgeliefert, ein Musterbereich wurde vor Ort in Moskau bereits gemauert.

Im Dezember 2017 konnte das niederländische Büro MVRDV, das für ungewöhnliche Architektur und innovative Gebäudekonzepte bekannt ist, den Architekturwettbewerb um das Großprojekt für sich entscheiden, 2019 erfolgte der Baubeginn. Zur Realisierung des anspruchsvollen Baukörpers holte sich MVRDV das Büro Apex aus Moskau mit ins Boot.

Der 52 000 m² große Komplex entsteht auf einem Eckgrundstück an der Kreuzung Akademiker-Sacharow-Allee/Sadowaja-Spasskaja-Straße in sehr prominenter Nachbarschaft, in der sich zum Beispiel das von Le Corbusier und Nikolai Kolli entworfene "Zentrosojus" sowie Alexei Wiktorowitsch Schtschussews Landwirtschaftsministerium Nakomzem befinden. Die skulpturale Kubatur mit zahlreichen Einschnitten an den Ober- und Unterseiten der Fassaden schafft markante Eingänge und nutzbare Dachlandschaften.

Gestaltung nach Raster

Die Gebäudeform entwickelt sich aus einem modularen System heraus, das individuell auf die Funktion und die gewünschte Qualität im Innenraum reagiert.

Steindetails: Der Sonderbrand von Deppe zeichnet sich nach Angaben des Herstellers nicht nur durch ein ungewöhnliches Format sondern auch durch einen speziellen Rotton und eine individuelle Glasur aus.

Auch die Fassadengestaltung basiert auf einem durch die Architekten von MVDRV entworfenen Raster, für das sie einen Klinker mit ungewöhnlichem Format benötigten.

Der Wasserstrichklinker von Deppe Backstein besitzt eine Länge von genau 190 mm, eine Breite von 90 mm und eine Höhe von 40 mm. Zum Vergleich: ein Normalformat-Backstein kommt mit einem Format von 240 mm Länge x 115 mm Breite x 71 mm Höhe daher. Für den Sonderbrand, den Deppe maschinell produzierte, kam die auf die Bedürfnisse des Unternehmens angepasste und eigens weiterentwickelte Wasserstrichpresse von Deppe zum Einsatz. Diese bietet ein hohes Maß an Flexibilität. Anders als standardisierte, handelsübliche Pressen ist sie in der Lage, bis zu 16 unterschiedliche Formsteine gleichzeitig zu pressen.

Über den intensiven Rotton des Klinkers soll der Neubau nicht nur auf die Nachbarbebauung verweisen, sondern zugleich den Charakter des Hauses als einladenden Ort zum Wohnen bekräftigen. Die Entwicklung des auffallenden Rottons stellte eine besondere Herausforderung dar. Aber auch die Entwicklung der Glasur, über die ein Teil der Steine mit einem besonderen Glanz versehen wurde, forderte das Team von Deppe Backstein.

Optimales Mischverhältnis

Diese besteht aus einer roten Pigmentmischung und Glasfritte. Das optimale Mischverhältnis beider Stoffe wurde innerhalb mehrerer Versuche erprobt. Ebenso die Dosierung der Glasur – ein Zuviel ließ während des Brennvorgangs unschöne Risse entstehen, ein Zuwenig verstärkte den Rotton nicht im gewünschten Ausmaß.

Die Glasur wurde direkt auf die frisch gepressten Wasserstrichklinker aufgebracht, um schließlich während des Brennvorgangs im Ofen zu versintern. Je nach Anforderung wurde nicht der gesamte Klinker glasiert, sondern lediglich einzelne Seiten. In den Fassadenbereichen, die über Eck laufen, kommen beispielsweise Steine zum Einsatz, die an drei Seiten glasiert sind. "Teilweise gibt es matte Läufer, glänzende Köpfe und auch matte Köpfe und glänzende Läufer. Produktionstechnisch war das für uns eine echte Herausforderung", erinnert sich Bernd Deppe, der für Deppe Architekten im In- und Ausland berät – insbesondere wenn es um ganz spezielle Lösungen geht, wie bei "RED7".

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