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Rückbau der Rußraffinierie

Stahlsilos und Schwerlasttanks abgerissen

Auf insgesamt 55 000 m2 Fläche mussten die Mitarbeiter der Firma Hagedorn Gebäude und Silos abreißen.

Hannover (ABZ). – Für die riesige Rußraffinerie nahe des Hannoveraner Hafens im Stadtteil Misburg war die Zeit jetzt endgültig abgelaufen. Marktwirtschaftliche Gründe sorgten für das Aus. Der Auftrag für die Abbruch-Profis der Firma Hagedorn: Alles verschwinden lassen, als wäre nichts gewesen – jedes Gebäude auf dem 55 000 m² Grundstück, zwei Schweröltanks, fünf riesige Stahlsilos, in denen Ruß für die Reifen- und Kosmetikindustrie gelagert wurden. Kilometerlange Rohre und Kabel, Brenner, Öfen, Gitter, Hallen und Wellblechgebäude – alles musste weg. Genauso wie der 55 m hohe Schornstein aus Edelstahl. Industrierückbau im ganz großen Stil. Die Rußraffinerie war eine der letzten dieser Art in Europa. Mehr als 20 Jahre war sie in Betrieb. Als eines von mehreren Werken produzierte die Columbian Carbon Deutschland GmbH in Hannover ungefähr 55 000 t Hochleistungsruß im Jahr. Der entsteht, wenn Schweröl pyrolysiert wird. Seit Oktober 2017 ist die Raffinerie an der Kreisstraße 20 nur noch eine rußige Erinnerung. Dafür brauchten die Mitarbeiter von Hagedorn lediglich vier Monate.

Doch wie schafft man es, eine ganze Raffinerie samt 3000 t Stahl und 20 000t Beton verschwinden zu lassen? – Vor allem, wenn sich mitten drin noch eine Gasübergabestation befindet und direkt daneben der 55 m hohe Schornstein steht. Und wohin überhaupt mit den ganzen Schadstoffen? Das Hagedorn-Geheimnis: gute Planung und "von Klein nach Groß" Hagedorn-Projektleiter Boris Breitenstein: "Grundsätzlich arbeiten wir uns von außen nach innen vor und brechen erst die kleineren Anlagen und Aufbauten ab. Denn zunächst mussten wir uns erst einmal eine Fläche zum Arbeiten schaffen, wie zur Aufbereitung und Zwischenlagerung des Schrotts." Dann waren die höheren Silos und Aufbauten an der Reihe. Den Geräteeinsatz takteten die Profis so, dass kleinere Bagger Platz für die großen schafften, die dann nacharbeiteten.

Bevor es allerdings so richtig losging und der brandneue Liebherr R 960 mit Maschinist Peter Elstermann für den Höhenabbruch und Stahlabbruch ran durfte, stand das Thema "Schadstoffsanierung der Gebäude und Anlagen" auf der Agenda. Mehr als 3000 m Rohrleitungen wurden von KMF-Wolle abisoliert. Auch sämtliche Elektrokabel mussten sorgsam entfernt werden – die Reinigung der Silos von Schweröl hatte die Raffinerie noch selbst erledigt. Die Sanierung und Beseitigung der 5000 t mit Schweröl kontaminierten Böden innerhalb des Tankfeldes lag dann wieder bei Hagedorn.

Nachdem auch noch eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg vor Ort gesprengt worden war und der Kampfmittelräumdienst weitere Maßnahmen durchgeführt hatte, ging es schließlich dem 55 m hohen Edelstahlschornstein an den Kragen. Denn erst dann konnte das Fallenlassen des Kolosses vorbereitet werden. Was sich so einfach anhört, erforderte eine separate Abbruchstatik. Die musste erst berechnet werden, damit der Schornstein – unten angeschnitten und mit Seilen geführt – sicher umgezogen werden konnte. Eben Industriedemontage im großen Stil.

Von Blech über Stahl leicht, Stahl schwer, V2A, V4A und Metalle wie Kupfer oder Aluminium. Diese Materialien finden Schrott- bzw. Metallhändler äußerst interessant. Gerade der hohe Wertmetallanteil der Hannoveraner Rußfabrik hatte ein ordentliches Potenzial für den Recyclingprozess und die Wiederverwertung. Zweimal im Monat wurde der Schrott ausgeschrieben. Herausforderung: Die Massen an Schrott werden als Posten natürlich im Gesamtprojekt als Erträge kalkuliert. Da muss man Erfahrung und Fingerspitzengefühl mitbringen. Denn mit Schrott betriebswirtschaftlich zu kalkulieren, ist eine Wissenschaft für sich. Fast so wie der Abbruch einer riesigen Raffiniere.

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