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Rückbesinnung auf alten Baustoff

Lehm erlebt Renaissance

Von Sven Eulenstein

Die Lemix-Platten erreichten am Ende die für Fachleute und Brandschutzexperten wichtige Klasse A1 (nicht brennbar).

Waldsassen. – Unlängst machte das Bio-Handelsunternehmen Alnatura mit seiner neuen Firmenzentrale nahe Darmstadt von sich reden. Das architektonische Konzept des Gebäudes setzt einen in der Fachwelt viel beachteten Akzent durch die Wahl der Baumaterialien. Die Außenwände bestehen zu großen Teilen aus Lehm. Kein Zweifel: Der natürliche Baustoff liegt derzeit (wieder) voll im Trend. Schon in vergangenen Jahrhunderten machten die Baumeister gerne von dem Material Gebrauch, z. B. bei Stampflehm- und Fachwerkbauten. Heute profitieren hauptsächlich Alt- und Neubauten im Innenbereich von dem historisch bewährten Baumaterial.

Vor einigen Jahren entwickelte der oberpfälzische Baustoffhersteller Hart Keramik als Innovation im Innenausbau Lehmplatten mit der Bezeichnung "Lemix". Seitdem erlebt das traditionsreiche Material als Alternative zu den bis dato marktbeherrschenden Baustoffen eine Renaissance im Holzbau und anderen Anwendungsgebieten. Die beiden natürlichen Baustoffe Holz und Lehm ergänzen sich besonders gut, weil Lehm das Holz vor Feuchtigkeit und Schimmel schützt. Er besitzt eine sehr geringe Gleichgewichtsfeuchte von nur 0,4 bis 0,6 Gewichtsprozenten. Durch den Einsatz von Lehmplatten im Innenausbau werden daher Holz und andere organische Stoffe trocken gehalten und nicht von Schimmelpilzen oder Insekten befallen. Darüber hinaus wird dem Bauprodukt bescheinigt, Luftschadstoffe zu neutralisieren und Gerüche zu absorbieren. Die hohe Speichermasse von Lehmplatten ermöglicht zudem einen für das Wohnklima und das Wohlbefinden der Bewohner willkommenen sommerlichen Wärmeschutz.

Die Anforderungen für moderne, nach industriellem Standard gefertigte Lehmplatten sind seit Dezember 2018 in der DIN 18948 geregelt. Sie sorgt dafür, dass Anwender mit einem Produkt arbeiten, dessen Eigenschaften im Detail geprüft und deklariert sind. Die DIN 18948 baut auf dem Technischen Merkblatt 07 des Dachverband Lehm e. V. auf und beinhaltet sämtliche Vorgaben, Einsatzbereiche, Leistungsmerkmale, Prüfungen und Kennzeichnung von Lehmplatten. Dies bedeutet, dass nun exakt definiert ist, welche Bestandteile eine Lehmplatte haben darf, um sich so nennen zu dürfen, nämlich Lehm, Zusatzstoffe wie z. B. unbehandelte Holzfaser und stabilisierende wasserlösliche Zusatzmittel bis zu einem Masseprozent wie z. B. Stärke. Außerdem werden die bauphysikalischen Eigenschaften, bspw. Wasserdampfdiffusionswiderstand, Wärmeleitfähigkeit, Wärmespeicherfähigkeit und Brandverhalten definiert. Festgeschrieben sind auch die Prüfungen der geforderten Eigenschaften.

Das neu entwickelte Produkt fand bereits Anerkennung von unabhängiger Stelle. Einer Lemix-Lehmplatte wurde schon vor mehr als einem Jahr das "natureplus"-Zertifikat verliehen, wobei z. B. die 100%-ige Recyclingfähigkeit und Kompostierbarkeit des Baustoffes ein starkes Kriterium für Umweltfreundlichkeit darstellt.

Die 2001 gegründete natureplus e. V. ist eine Vereinigung von Bauexperten mit Umwelt- und Verbraucherschützern sowie kritischen Wissenschaftlern aus ganz Europa zur Förderung nachhaltigen Bauens und Wohnens. Der Aspekt der Nachhaltigkeit ergibt sich ferner aus dem moderaten Energieverbrauch bei der Herstellung. Lehmplatten müssen nicht gebrannt werden, und ihre Trocknung erfolgt mit Restwärme aus der Eigenstromerzeugung.

Ein wichtiger Aspekt für die Sicherheit des Materials ist das Brandverhalten von Lehmplatten. Dieses wurde am Beispiel der Marke Lemix nach DIN EN 13823 geprüft. Die Platten erreichten am Ende die für Fachleute und Brandschutzexperten wichtige Klasse A1 (nicht brennbar). Die hohe Rohdichte von Lehmplatten führt zu einem sehr guten Schallschutz. Dabei kommt es vor allem auf den Lehmanteil der Platten an. Verschiedene Prüfungen belegen, dass sich eine Holzständerkonstruktion mit Jutedämmung und Lehmplatten-Beplankung gegenüber einer verputzten, 11,5 cm starken Ziegelwand nicht verstecken muss. Je nach Konstruktion wurden Schalldämm-Werte bis zu 56 dB nachgewiesen.


Über den Autor: Sven Eulenstein, Dipl.-Ing. (FH) für Bauingenieurwesen, ist als Produktmanager bei der Hart Keramik AG, Waldsassen/Schirnding tätig. Er arbeitet u. a. im Arbeitskreis Normung des Dachverband Lehm e. V. mit. Das Unternehmen stellt neben Lehmplatten auch Keramik-Schornsteinrohre und Hafner-Schamotte her.

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