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Runde Sache

100. Kreisverkehr aus Beton in Leonberg eingeweiht

Bei der Einweihung des 100. Kreisverkehrs aus Beton in Deutschland: Jörg Aichele (Amtsleiter Amt für Straßenbau LK Böblingen), Andreas Klein (Referatsleiter Baureferat West, Regierungspräsidium Stuttgart), Roland Bernhard (Landrat LK Böblingen), Alexander Grünewald (InformationsZentrum Beton), Erhard Wieland (Planungsamt Stadt Leonberg).

Leonberg (ABZ). – Leonberg hat vor Kurzem einen Kreisverkehr aus Beton eingeweiht. Der Leonberger Betonkreisel ist der 20. im Landkreis Böblingen und gleichzeitig der 100. in Deutschland. Eine runde Sache, wie das Informationszentrum Beton GmbH (IZB) befindet.

Fahrbahndecken und Kreisverkehre werden nach Aussage des IZB immer häufiger aus Beton hergestellt. Aufgrund seiner hohen Belastbarkeit eigne sich Beton ideal, um den entstehenden Zentrifugal-, Brems- und Beschleunigungskräften, die auf Dauer stark schädigend auf herkömmliche Deckschichten einwirken, standzuhalten. Auch wenn die Investitionskosten im Vergleich zur herkömmlichen Bauweisen etwa um 15 % höher liegen, überwiegen laut IZB die Vorteile: Da Beton auch bei großen Temperaturunterschieden extrem robust und verformungsstabil ist, liege die zu erwartende Nutzungsdauer bei 40 bis 50 Jahren weitaus höher.

Dem Beispiel der Schweiz folgend, wo in den letzten zehn bis 15 Jahren etwa 200 Betonkreisel fertiggestellt wurden, sei das Konzept auch in Deutschland auf dem Vormarsch, so das IZB. Allein über 50 Betonkreisel seien innerhalb der letzten zehn Jahre in Baden-Württemberg realisiert. Der Erste Baden-Württembergs entstand 2011 in Herrenberg nach einem erfolgreichen Erprobungsprojekt in Bad Sobernheim (2007). Der im Oktober 2018 eingeweihte Betonkreisel in Leonberg sei aktuell der 100. in Deutschland. Damit feiere die Gemeinde ein rundes Jubiläum und setze ein deutliches Zeichen für nachhaltiges, dauerhaftes und kosteneffizientes Bauen. Neben dem Vorteil der hohen technischen Sicherheit und Belastbarkeit gegenüber allen Nutzungs- und Umwelteinflüssen würden sich auch keine Spurrinnen und Verdrückungen ausbilden. Der Instandsetzungsaufwand eines Betonkreisverkehrs sei zudem gering, die Fugenpflege einfach.

Konzept und Konstruktion orientieren sich an der in der Schweiz entwickelten Bauweise und beruhen auf den nationalen Bauregeln zur Planung und Ausführung von Kreisverkehrsanlagen aus Beton. Diese wurden bei dem Kreisverkehr aus Beton 2007 in Bad Sobernheim bereits erprobt. Ergänzt durch Untersuchungsergebnisse der TU München entwickelte sich daraus 2013 das verbindliche FGSV-Merkblatt "Verkehrsflächen aus Beton – Teil 1: Kreisverkehre, Busflächen und Rastanlagen". Seither beruhen nahezu alle Kreisverkehre in Deutschland im Grundsatz auf diesen Bauregeln. Die Behörden in Stuttgart und Böblingen haben hier klar die Vorreiterrolle inne. Sie zeigten sich besonders in den Anfängen der Forschung offen für Innovationen und neue Wege.

Beim Kreisverkehr in Leonberg wurden nach Informationen des IZB etwa 500 m³ Straßenbaubeton in einer Stärke von 28 cm auf einer Fläche von 1800 m² betoniert. Die Rezeptur besteht aus Transportbeton C30/37 unter Beimischung von u. a. 12 kg/m³ Glasfasern und ca. 5 % Mikroluftporen.

Dabei wirken die Glasfasern als eine Art Mikrobewehrung und verstärken die Widerstandsfähigkeit des Betons, sodass keine bzw. nur ganz feine Risse entstehen. Im Vergleich zur Stahlbewehrung sind die Fasern über den gesamten Bauteilquerschnitt gleichmäßig verteilt und nehmen mögliche Spannungen vorzeitig auf.

Die Betondecke liegt auf einer 10 cm starken Asphalttragschicht. Der Betonkreisverkehr wurde in segmentierter Plattenbauweise mit unterschiedlichen Fugen konzipiert. Dabei gleichen die Fugen Zugspannungen aus, die durch das Abbinden bzw. Schwinden des Betons und spätere Temperatureinwirkungen bei Wetterveränderungen entstehen. Bereits bei der Planung wurden die Fugen exakt angeordnet und mit Ankern und Dübeln gesichert. Da bei der Plattenbauweise gewisse geometrische Grundsätze einzuhalten sind, werden Platten mit komplexerer Geometrie – z. B. solche mit spitzem Winkel am Übergang in den Kreisring – mit Betonstahl bewehrt.

Eine Planung und Ausführung in Beton ist daher laut Alexander Grünewald – Projektleiter Technik beim InformationsZentrum Beton GmbH (IZB) – dringend geboten: "Bei Tank- und Rastanlagen ist die Betonbauweise eingeführt und hat sich bestens bewährt. Auch bei Lkw-Stellplätzen und Fahrgassen findet ein Umdenken statt: weg vom Asphalt und hin zum Beton. Busspuren aus Asphalt sind extrem anfällig – nirgendwo sind Spurrinnen so schnell so tief wie in diesen Flächen. Die Betonbauweise würde die extrem kurzen Instandsetzungszyklen von vier bis sechs Jahren beenden und somit auch die Kosten langfristig begrenzen. Kreuzungsbereiche aus Beton wären der nächste logische Schritt, jedoch hemmen die erforderlichen Sperr- und Bauzeiten sowie eine entsprechende Verkehrsleitplanung die Akteure. In 2019 wird ein sehr großer und zentraler Kreuzungsbereich in Sindelfingen nahe dem Daimler-Werk in Beton ausgeführt. Wir erhoffen uns Strahlkraft."

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 46/2018.

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