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Sanierputz versus Feuchteregulierungsputz

Hilfe gegen Salze im Mauerwerk

Von Jonas Hallmann

Schematische Darstellung der Schädigungen eines Sanierputzes durch starke Salz- und Feuchtigkeitsbelastung bei fehlender Horizontalsperre.

Bottrop. – Bei der Sanierung alter Gebäude stößt man im Mauerwerk häufig auf Feuchtigkeit und darin gelöste Salze. Diese schädigen auf lange Sicht das Bauwerk und können sogar dazu führen, dass es unbewohnbar wird. Um dies zu vermeiden, ist es notwendig, umgehend Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Erscheint eine Abdichtung von innen oder außen nicht geeignet oder gar nicht möglich, kommen Sanierputz- oder Feuchteregulierungsputzsysteme ins Spiel. V. a. Letztgenannte sind dabei nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine ausgezeichnete Alternative. Insbesondere an Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, ist das Mauerwerk in der Regel mit altem Kalkputz versehen. Kalkputze haben sich aufgrund ihres kapillaren Wassertransportes bei feuchtebelasteten Gebäuden durchaus bewährt. Ihr hoher Porenanteil sorgt schließlich für einen effektiven Transport der Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk an die Umgebungsluft. Das geschieht sowohl über den Prozess der Wasserdampfdiffusion als auch durch den Transport des Wassers in flüssiger Form. Doch wenn ein Bauwerk nicht nur durch Feuchtigkeit, sondern auch durch Salze belastet ist, ergeben sich Probleme: Die Kristallisation der Salze in den Porenräumen sorgt während der Trocknungsphasen für nachhaltige Schäden im Putzgefüge des Kalkputzes.

Gelöste Salze unterschiedlicher Arten findet man prinzipiell in allen Mauerwerksbauten. Das Maß der Ausdehnung bei Kristallisation und Umkristallisation der Salze ist dabei abhängig von der Art und der Konzentration der Salze. Je nach Salz und Konzentration können durch die unterschiedlichen Umkristallisationen, insbesondere bei Mischsalzen, Kräfte auf den Putz einwirken, die sogar einen Beton sprengen können. Diese extreme Belastung führt zu Rissen im Putzgefüge und folglich zu Abplatzungen. Um das Mauerwerk in solchen Fällen durch ein Neuverputzen nachhaltig wirksam zu schützen, stehen dem ausführenden Betrieb bei der Sanierung zwei unterschiedliche Möglichkeiten offen: Sanierputzsysteme und Feuchteregulierungsputzsysteme. Vor der Entscheidung gilt es jedoch, grundlegende Unterschiede in der Wirkweise zu beachten.

Sanierputzsysteme basieren auf dem Prinzip der Salzeinlagerung im Porengefüge des Putzes. Sie zeichnen sich durch eine hohe Porosität und Wasserdampfdurchlässigkeit bei gleichzeitig erheblich verminderter kapillarer Leitfähigkeit aus. Sanierputzsysteme sind dabei i. d. R. zweilagig aufgebaut und bestehen aus einem Porengrundputz sowie dem eigentlichen Sanierputz. Vor der Applikation des Putzsystems ist der Untergrund mit einem Spritzbewurf zu versehen. Dem Porengrundputz kommt dabei die Aufgabe der Salzspeicherung zu. Er verhindert, dass zu viele in Wasser gelöste Salze aus dem Mauerwerk in die nachfolgende Lage der Sanierputzschicht gelangen. Diese hat eine hydrophobe Ausstattung, die bewirkt, dass die rückseitig anstehende Feuchtigkeit in Wasserdampfform übergehen muss, um diese Barriere zu durchdringen. Dabei verbleiben die in der Feuchtigkeit gelösten Salze im Porengrundputz und kristallisieren aus. Der Prozess der Wasserdampfdiffusion sorgt für den Transport der Feuchtigkeit an die Putzoberfläche.

Allerdings impliziert der Begriff "Sanier"-Putz vom Prinzip her, dass der Putz das Mauerwerk wieder instand setzt. Doch genau das ist nicht der Fall. Wenn nämlich die Ursache der Feuchtigkeit und der darin gelösten Salze nicht behoben bzw. der Transportprozess nicht unterbrochen wird, ist der Sanierputz einem kontinuierlichen Eintrag von Feuchtigkeit und Salzen ausgesetzt. Der Schadensprozess wird also lediglich kaschiert, indem er vom Mauerwerk in den Putz verlagert wird.

Ein Sanierputz ist daher ein sog. "Opferputz". Opferputze besitzen eine gewisse Salzspeicherkapazität, bis zu der sie ohne sichtbare Putzmängel die Schädigung des Untergrundes verlangsamen und unsichtbar machen. Der Zeitpunkt, ab dem die Kapazität eines Sanierputzsystems überschritten wird, ist je nach System und in Abhängigkeit der Salzkonzentration und vor allen Dingen der Art der Salze unterschiedlich. Aus diesem Grund gibt es seitens der WTA Vorgaben für verschiedene Systemaufbauten. Diese sind je nach Grad und Art der Salzbelastungen anzupassen. So wird vor der Instandsetzungsmaßnahme meist eine stichprobenartige Salzanalyse durchgeführt. Zudem wird empfohlen, stark zementgebundene Sanierputze nicht ohne flankierende Maßnahmen einzusetzen. Denn wenn die Ursachen der Feuchtigkeit nicht beseitigt worden sind, steigt bei einer reinen Sanierputzapplikation die Feuchtigkeit nach oben und schädigt das Mauerwerk samt darauf befindlicher Altputze. Wenn also die Hydrophobierung eines Putzes und die damit verbundene Einlagerung der Salze keine wirkliche Lösung ist, um zum einen die Bausubstanz nachhaltig zu schützen und zum anderen die Trocknung des Mauerwerks zu begünstigen, ist eine andere technische Lösung gefordert.

Um dem Bestandsmauerwerk dauerhaft die Möglichkeit zu geben, die Feuchtigkeit samt den darin gelösten Salzen nach außen abzugeben, ist es notwendig, dass der Feuchtigkeitstransport vom aufgebrachten System nur minimal behindert wird. Dieser hohe Grad des Feuchtigkeitstransportes kann in einem mineralischen System nur über einen hohen Gesamtporenanteil in nicht hydrophobierten Putzen verwirklicht werden. Insbesondere bei Salzbelastung spielt die Zusammensetzung von Kapillar- und Makroporen eine große Rolle. Markterhältliche, nicht hydrophobierte Putzsysteme, die auf dem Prinzip dieser besonderen Porenstruktur funktionieren, sind allgemein bekannt unter dem Namen Feuchteregulierungsputze.

Während Kapillarporen maßgeblich wasserführend und für den Transport der Salzlösung im Putz zuständig sind, bieten Makroporen genügend Raum für die zwischenzeitliche Austrocknung und eine damit verbundene Expansion der Salzkristalle. Das reduziert das Risiko von Rissbildung und Abplatzungen beträchtlich. Da sowohl Kapillar- als auch Makroporen keinerlei hydrophobe Eigenschaften aufweisen, stellen sie für die Feuchtigkeitsdurchleitung kein Hindernis dar. Weiterhin tragen Makroporen entscheidend dazu bei, mineralische Putzsysteme auch bei hohen Expansionslasten durch Salze vor Gefügeschäden zu schützen. Feuchte-regulierungsputze bieten somit im Vergleich zu einem Sanierputz eine höhere Sicherheit und ermöglichen eine höhere Lebensdauer für das sanierte Bauwerk, da mit ihnen dank eines stark verkürzten Diffusionswegs in derselben Zeit mehr Feuchtigkeit aus der Wand geleitet werden kann als mit einem hydrophoben Sanierputz. Außerdem ist das Risiko einer Schimmelbildung aufgrund der ständig trockenen Oberfläche des Putzes deutlich reduziert, da auch der durch die Bewohnung entstehende Wasserdampf kurzfristig vom Putz aufgenommen und bei trockenerer Raumluft wieder abgegeben wird.

Feuchte regulierungsputze gibt es mittlerweile in unterschiedlichen Qualitäten für unterschiedliche Ansprüche. Dabei ist grundsätzlich das Verhältnis von Mikro- zu Makroporen entscheidend. Bei einem besonders günstigen Verhältnis besteht der zusätzliche Vorteil darin, dass der kapillare Saugeffekt der mineralischen Systeme vollkommen aussetzt. Dadurch soll insbesondere im erdberührten Bereich vermieden werden, dass das Putzsystem selbst zusätzlich kapillar Feuchtigkeit aufnimmt. Entscheidender ist jedoch, dass durch die Unterbindung des kapillaren Saugeffektes der Wassertransport nicht mehr übermäßig über die Kapillarporen stattfindet, sondern die Makroporen vollumfänglich mit genutzt werden können. Dadurch kann das im Putz enthaltene Makro-Porenvolumen zur zwischenzeitlichen Salzeinlagerung vollständig erschlossen und die Schadenanfälligkeit auf ein Minimum reduziert werden. Ein weiterer Effekt sind weiter reduzierte Steighöhen sowie eine geringere Anfälligkeit des Mauerwerks gegenüber Schimmelbildung. Putzsysteme mit einer solchen Vernetzung aus Mikro- und Makroporen wie z. B. Exzellent STP eignen sich daher der gut zur Anwendung auf hoch salzbelasteten Flächen. Der Salztransportputz der MC-Bauchemie verfügt über eine sehr hohe Aufnahmekapazität für den Transport von in der Feuchtigkeit gelösten Salzen nach außen an die Oberfläche. Über die Quecksilberdruckporosimetrie konnte nachgewiesen werden, dass Exzellent STP im ausgehärteten Zustand bei einem Gesamtporenvolumen von mehr als 50 % zu nahezu gleichen Teilen Makro- und Kapillarporen beinhaltet. Mit dieser Struktur kann die Feuchtigkeit samt der darin gelösten Salzen schadenfrei aus dem Mauerwerk an die Umgebungsluft abgegeben werden. Außerdem ermöglicht dies eine schnelle und effektive Instandsetzung feuchter und salzbelasteter Mauerwerke.

Sanierputze helfen, einer Zerstörung von Mauerwerk, das Feuchtigkeit und Salzen ausgesetzt ist, entgegenzuwirken. Allerdings ist ihre Wirkung nur von zeitweiliger Dauer, wenn die Ursache der Durchfeuchtung nicht durch weitere Abdichtungsmaßnahmen grundlegend behoben wird. Lässt sich die Durchfeuchtung von innen und außen nicht durch Abdichtungsmaßnahmen abstellen, sind feuchte Regulierungsputzsysteme die beste Wahl. Moderne Systeme wie Exzellent STP der MC-Bauchemie erweisen sich dabei als probates Mittel, um einer Zerstörung des Mauerwerks langfristig entgegen zu wirken.


Der Autor ist Bauingenieur und Global Product Manager bei MC-Bauchemie.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 19/2019.

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