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Sanierung der Villa Hupfeld in Leipzig

Holzbetonverbunddecke optimiert Schallschutz

Baustellen, Betonbau und Stahlbetonbau, Bauen mit Holz, Modernisierung und Sanierung

Zum Einsatz kam ein Holz-Beton-Verbundsystem von Elascon.

Leipzig (ABZ). – Die Villa Hupfeld gehört zu den bedeutendsten Gründerzeitbauten hierzulande. Mit Hilfe von Elascon Holz-Beton-Verbunddecken konnten die historischen Holzbalkendecken des Gebäudes nun in punkto Schallschutz und Brandschutz sowie Festigkeit auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden.

Mitten in Gohlis-Süd, dem Diplomatenviertel Leipzigs, steht die Villa Hupfeld, das einstige Zuhause des Leipziger Musikfabrikanten Ludwig Hupfeld. Rund 1800 m² Nutzfläche standen dem Unternehmer in dem von Architekt Emil Franz Hänsel geplanten Anwesen in der Lumumbastraße 11–13 einst zur Verfügung: ein aufwendig gestalteter Musiksalon, ein Herrenzimmer, ein Speisesaal, ein Raucherzimmer sowie ein Jagdzimmer mit aufwendig ornamentierten Vertäfelungen und nicht zuletzt ein 2500 m² großer Park mit Figurengruppen, Teich und Tennisplatz.

Im Rahmen einer umfangreichen und tiefgründigen Sanierung ließ die Trumm & Siebert GbR die Villa nun in ein Wohnhaus mit drei exklusiven Wohn- und zwei Büroeinheiten von 280 bis 480 m² Fläche umbauen. Dazu wurde das zu den bedeutendsten Denkmälern Deutschlands gehörende Bauwerk in punkto Brand- und Schallschutz auf einen der heutigen Zeit angemessenen, gehobenen Standard gehievt und die alten Holzbalkendecken wurden mit einem Holz-Beton-Verbund sowie mit Hilfe moderner Messtechnik ertüchtigt. Auch der Turm, von dem aus der Musikfabrikant dereinst direkt auf seine rund 5 km entfernte Pianofabrik blicken konnte, sowie die historisch erhaltene wandvertäfelte Erdgeschosseinheit ließ der Bauherr denkmalgerecht sanieren.

"Vor allem der Brandschutz stellte eine enorme Herausforderung dar – und aufgrund der Umwidmung in Luxuswohnungen spielte der Schallschutz ebenfalls eine große Rolle", erzählt Lutz Fischer, Architekt und Geschäftsführer der FCA Dr. Fischer Community of Architects GmbH. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens mussten daher die alten Deckenbeläge abgerissen und die Decken entsprechend F 90 B nachgerüstet werden. Ein erster Sanierungsversuch mit Hilfe einer Estrichschicht erwies sich als mangelhaft. Zwar entsprachen die damit erreichten Schallschutzwerte den Ansprüchen an hochwertige Wohnqualität, doch das aus dieser Maßnahme resultierende Schwingungsverhalten der bis zu 10 m langen Deckenbalken war zu extrem und damit untragbar.

Entsprechend musste die Estrichschicht komplett abgetragen und ein zweiter Sanierungsversuch gestartet werden. Dieses Mal kam ein Holz-Beton-Verbundsystem von Elascon zum Einsatz. In den Varianten Standard- sowie Flachdecke und Stahl-Stahlbeton-Verbundsystem wurde damit das gesamte Tragwerk hinsichtlich seines statischen Verhaltens und der Gebrauchstauglichkeit ertüchtigt.

"Da die Holzbalken der Decken erhalten werden mussten, durften wir beim Bodenaufbau eine bestimmte Deckenhöhe nicht überschreiten, sonst hätten wir den Bestandsschutz verloren", erklärt Fischer. Entsprechend kam für die Sanierung nur eine Lösung in Frage, die aussteifend wirkte, aber nur wenig Aufbauhöhe erforderte. "Das war insbesondere dort wichtig, wo der Fußboden an das Treppenhaus anschließt. Hier konnten wir ja keine Höhen verändern", erzählt er weiter. Gebaut wurde in zwei Varianten: Dort, wo jeder Zentimeter zusätzliche Aufbauhöhe behindert hätte, etwa beim Treppenhaus, wurde das System von Elascon zwischen den Balken verarbeitet. An weniger sensiblen Orten zogen die Monteure oberhalb der teilweise verstärkten Holzbalkendecken bzw. der Sparschalung eine Tragschicht aus dem leichtverdichtenden, weitgehend selbstnivellierenden und speziell auf die Elascon Verbundstruktur abgestimmten Elascon Floor C 25/30, F 6,5 LVB, mit entsprechender Bewehrung auf. Damit konnten zwischen bzw. oberhalb der Holzbalkendecken Betonfelder gebildet und ein als Scheibe wirkender Deckenverbund hergestellt werden. Zwischen der Sparschalung und dem neuen Aufbau wurde eine druckbelastbare Dämmung sowie eine Trennlage eingezogen.

Die aussteifende und schwingungsdämpfende Betonscheibe wurde mittels Kopfbolzen erreicht. Sie wurden in die Stahlträger des Bestands geschossen, um auch diese als Stahl-Beton-Verbund in das System zu integrieren respektive diese Tragstruktur schubfest mit der Betonscheibe zu verbinden. Als Höhenausgleich oberhalb der Holz-Beton-Verbundkonstruktion dient die Spezialflüssigdämmung und Ausgleichsschicht Elasco Loft 150 T.

Die optimierte Flüssigdämmung auf Zementleimbasis weist ein Volumen-gewicht von 150 kg/m³ auf und ermöglicht bei einer mittleren Schichtdicke von 35 mm ein Trittschallverbesserungsmaß von 22 bis 24 dB. Estrich mit Fußbodenheizung und Fußbodenbelag komplettieren den Aufbau.

Zusammen führten diese Maßnahmen sowohl zu einer schwingungsärmeren Decke als auch zu den geforderten Brandschutz- und Schallschutzwerten zwischen den Geschossen. Schwingungsmessungen ergaben darüber hinaus, dass damit das Tragwerk um den Faktor zehn ausgesteift wurde und dessen Tragfähigkeit um den Faktor drei zunahm.

So konnte moderner Schall- und Brandschutz mit historischem Glanz in Einklang gebracht werden. Und die auf diese Weise sanierte Villa vereint seither in optimaler Weise historische Bau- und Innenausbaukunst mit zeitgemäßer Technik und modernem Luxus.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 32/2016.

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