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Sanierung einer Pfarrkirche

Anspruchsvolle Konstruktion schützt vor der Witterung

Durch eine statisch ausgefeilte Gerüstkonstruktion aus Super-100 konnte St. Pantaleon Hochneukirch für die Dachstuhlsanierung trotz eingeschränkter Verankerungsmöglichkeiten von Gerüstbau Creutz komplett überdacht werden.

Jüchen (ABZ). –St. Pantaleon in Hochneukirch, einem Stadtteil von Jüchen, ist eine dreischiffige Backsteinhallenkirche im Baustil der Neugotik. Heute steht die Pfarrkirche aus dem Jahr 1870 unter Denkmalschutz und muss aufgrund von Baumängeln, die vor mehr als 150 Jahre verursacht wurden, im Dachbereich komplett saniert werden. Diskutiert wurde in der Gemeinde schon länger über die Notwendigkeit, das Kirchendach zu sanieren. Aber wie so oft in der heutigen Zeit – und gerade bei historischen Gebäuden – nahmen die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen einen ursprünglich nicht geahnten Umfang an. Im April 2017 war der Kirchenvorstand noch von Baukosten in Höhe von 1 Mio. Euro ausgegangen. Mittlerweile rechnen die Verantwortlichen mit einem Betrag von rd. 2 Mio. Euro, der fällig wird, wenn man gründlich und nachhaltig sanieren will. Nach Aussage von Gemeindepfarrer Franz-Karl Bohnen ist diese Dachsanierung von St. Pantaleon aktuell die größte ihrer Art im Bistum Aachen, außer vielleicht beim Dom selbst. Denn nicht nur das Dach, sondern auch der Dachstuhl muss komplett erneuert werden. Auch wenn seit den 80er-Jahren bereits annähernd 700 000 Euro in Dachreparaturen investiert wurden, handelte es sich immer nur um Notreparaturen, die das eigentliche Problem nicht beheben konnten. Denn die Kirchenwände sind statisch nicht der Dachkonstruktion angepasst, so dass entsprechender Handlungsbedarf nunmehr unumgänglich geworden ist.

Erste bauliche Maßnahme war eine komplette Einhausung des Objektes, um es während der Umbauphase vor witterungsbedingten Einflüssen zu schützen und gleichzeitig einen reibungslosen Ablauf der Sanierungsarbeiten auch bei schlechtem Wetter sicherzustellen. Den Auftrag für dieses Wetterschutzdach sowie entsprechende Seitenwandverkleidung bekam die Firma Gerüstbau Creutz aus Aachen. Dieses Unternehmen ist seit Jahrzehnten im Gerüstbau tätig und hat viel Erfahrung mit der Einhausung sakraler Bauten. In Zusammenarbeit mit dem IBS Ingenieur & Sachverständigen Büro für den Gerüstbau, Joachim Specht & Partner ,wurde ein Wetterschutzdach konzipiert, welches den äußerst komplizierten Gegebenheiten vor Ort und statischen Anforderungen gerecht werden konnte.

Zunächst wurde das Hauptschiff der Kirche mit dem Schnellbaugerüst Rux-Super-100 eingerüstet. Diese Gerüstkonstruktion erfüllt zwei Zwecke gleichzeitig. Einerseits dient es zur Aufnahme von Gerüstplanen, um das Bauwerk von allen Seiten aus vor Regen, Schnee und Wind zu schützen. Andererseits bildet das Fassadengerüst die Tragkonstruktion für das anschließend zu montierende Wetterschutzdach, bestehend aus dem Kassettendachsystem Rux-Alu-Rasant. Zu diesem Zweck musste das Fassadengerüst allerdings erheblich ertüchtigt werden, um den statischen Anforderungen zu genügen.

Um mit dem Wetterschutzdach über den höchsten Punkt des Kirchenschiffes hinauszukommen, war für die Tragkonstruktion eine Gesamthöhe von 20 m erforderlich. Diese Höhe ist für das Schnellbaugerüst Rux-Super-100 grundsätzlich unspektakulär und bildet nicht die große technische Herausforderung. Allerdings konnte das Fassadengerüst nur zu bis zu einer Höhe von 10,6 m am Mauerwerk des Hauptschiffes verankert werden, was zur Folge hat, dass die restlichen 9,4 m der Tragkonstruktion über der letzten Verankerungslage freistehend auskragen. Eine weitere Erschwernis war die Tatsache, dass die Tragkonstruktion im Bereich der angrenzenden Sakristei nicht auf den Dachflächen aufgestellt werden konnte. In diesem Bereich wurde eine konstruktive Lösung geschaffen, indem eine Gitterträger-Sonderkonstruktion mit einer Stützweite von 10 m montiert wurde, um die Gerüste der Tragkonstruktion aufzunehmen.

Die zu fast 50 % freistehende Konstruktion sowie die vollständige Verkleidung mit Gerüstplanen führten zu erheblichen Windlasten, die ebenfalls in die Statik mit einbezogen werden mussten. Aus diesem Grund wurden die Standgerüste doppelt gestellt, miteinander verbunden und durch den Einbau von vertikalen Rohrverbänden als stehende, überdimensional anmutende Fachwerkstützen ausgebildet. Die Verankerung der obersten Ankerlage erfolgte durch spezielle Doppelanker, die die Windlasten sicher in das Bauwerk einleiten.

Die Verbindung zwischen Tragkonstruktion und Dachbindern wurde mittels speziellen, beweglichen Auflagetraversen des Kassettendachsystems hergestellt. Diese beweglichen Auflagetraversen bieten einen erheblichen Vorteil bei der Kranmontage, da sie sich bis zu einem gewissen Grad der Neigung der Gitterträger anpassen und sicherstellen, dass die Lasten des Daches immer zentriert in die Tragkonstruktion eingeleitet werden. Aufgrund der freien Stützweite der Dachträger von 20,8 m wurden 1 m hohe Gitterträger verwendet. Diese Gitterträger sind die Basis einer Dachkonstruktion, die als Satteldach mit einer Neigung von 10° konzipiert wurde. Um das Wetterschutzdach an die Abmessungen des Bauwerkes anzupassen, wurden Dachfelder mit Längen von 2 m und 2,5 m eingebaut. Die Obergurte der Dachbinder mussten nicht extra ausgesteift werden, da die Kassetten des Rux-Alu-Rasant-Systems aufgrund ihrer Schubsteifigkeit die statische Belastung in diesem Bereich übernehmen. Das hat zur Folge, dass bei der Montage dieses Dachsystems auf zusätzliche Rohrverschraubungen verzichtet werden konnte, was zu erheblichen Zeit- und Materialersparnissen führt und auch die Gewichtsbelastung deutlich reduziert. Die Stabilisierung der Untergurtebene der Gitterträger erfolgte über sog. Aussteiferrahmen. Diese Rahmen wurden im Abstand von 1 m in jedem zweiten Dachbinderfeld eingebaut. Diese Aussteiferrahmen sind Systemelemente des Kassettensystems Rux-Alu-Rasant und zeichnen sich durch ihre Montageschnelligkeit aus.

Gerüstbau Creutz aus Aachen ist ein traditionsreiches Gerüstbau-Unternehmen in vierter Generation. Der Familienbetrieb wurde vor über hundert Jahren gegründet und wird heute von Wolfgang Creutz und seiner Tochter Jeannette Creutz geführt. Beide haben eine Ingenieurausbildung, was eine gute Voraussetzung ist, um anspruchsvolle und komplizierte Gerüstkonstruktionen zu entwickeln und durchzuführen, so wie das aktuelle Objekt an der St. Pantaleon Kirche in Hochneukirch.

Sowie sich bei Fa. Creutz die Tradition und Kontinuität als Familienbetrieb über die Jahre als erfolgreiche Strategie bewährt hat, so setzt man auch nach außen hin auf langjährige Partnerschaften. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet Gerüstbau Creutz bei besonderen Gerüstkonstruktionen mit statischen Herausforderungen mit dem Ingenieurbüro Specht & Partner zusammen. In diesen langen Jahren der Zusammenarbeit hat sich eine gegenseitige Vertrauensbasis zwischen den beiden Häusern gebildet. Man kennt sich und schätzt sich, persönlich und fachlich, was eine gute Voraussetzung für die Abwicklung komplizierter Gerüstprojekte ist.

Das Ingenieur- & Sachverständigen-Büro für den Gerüstbau von Joachim Specht & Partner ist seit fast 30 Jahren im Gerüstbau etabliert und Ansprechpartner bei allen technischen und statischen Fragen der konstruktiven Gerüsterstellung. Darüber hinaus ist Joachim Specht auch öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der SIHK zu Hagen für "Gerüstbau, Arbeits- und Schutzgerüste, Gerüst-Sonderkonstruktionen".

Auch im Haus Specht setzt man auf Tradition und Kontinuität. Mit Manuel Specht, der Anfang dieses Jahres in das Unternehmen eingetreten ist, befindet sich die Familie Specht mittlerweile ebenfalls in der vierten Generation im Gerüstbau.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 20/2019.

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