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Scania

Hydraulische Achse sorgt für erhöhte Schubkraft

Von Jennifer Schüller

Der Scania R 500 XT 4x2 mit einem 3-Achs-Auflieger und angetriebener SAF Trak-Trailerachse.

Wedemark-Negenborn. – Alle Scania-Fahrzeugkombinationen mit Kipphydraulik können ab sofort mit der SAF Trak-Trailerachse von SAF-Holland ausgestattet werden. Gerade im mitunter anspruchsvollen Baustellenalltag, wo schwierige Geländebedingungen zur Tagesordnung gehören, könne die zuschaltbare Achse die Zugmaschine mit zusätzlicher Schubkraft unterstützen, verspricht Scania. Um dies unter Beweis zu stellen, lud das schwedische Unternehmen zu einem Praxistest ein und stellte die Wirkweise der SAF Trak im Einsatz vor – ein Besuch vor Ort. Es ist windig, verregnet und alles andere als gemütlich – nicht gerade Idealvoraussetzungen, um sich an der frischen Luft aufzuhalten. Doch für René Seckler, Press Test Officer, Produktmanager Connected Services Parts und Service/Verkauf Motoren bei Scania Deutschland, stellen diese eigentlich eher widrigen Bedingungen an diesem Freitagvormittag fast so etwas wie ein Geschenk dar. Denn das, was man in der Umgangssprache wohl getrost als Schmuddelwetter bezeichnen würde, erlaubt ihm zu zeigen, wie sich der Scania R 500 XT 4x2 mit einem 3-Achs-Auflieger und angetriebener SAF Trak-Trailerachse bei schwierigen Bedingungen schlägt.

Der Scania-Praxistest findet im Kieswerk von Günter Papenburg in Wedemark-Negenborn statt. Seckler hat den R 500 XT weit ins hügelige, sandige Gelände gefahren, um dort mit der Präsentation zu beginnen. Der kalte Wind treibt einem die Tränen in die Augen, wer einige Schritte über den nassen, rotbraunen Sand geht, um sich das Fahrzeug genauer anzusehen, hinterlässt schnell tiefe Fußabdrücke im aufgeweichten, matschigen Boden. Denselben Boden, über den sich auch der rd. 20 t schwere Bau-Lkw seinen Weg bahnen muss. Und bereits hier, so Seckler, zeige sich, warum die angetriebene Trailerachse einen Vorteil darstelle. "Sie unterstützt die Zugmaschine beim Anfahren auf schwierigem Untergrund, bei schwerer Beladung und beim Erklimmen von Steigungen", erklärt der Experte und klettert ins Führerhaus, um den Unterschied in der Praxis direkt zu zeigen.

Bei der XT-Ausführung werden die Scheinwerfer von einem Gitter geschützt .

Zunächst versucht sich der geübte Lkw-Fahrer (er wurde im Jahr 2007 zum Scania-Fahrer des Jahres gewählt) an einer Steigung von etwa 15 bis 20 % ohne die SAF Trak einzuschalten. Bereits das Anfahren fällt auf dem weichen Boden schwer, doch der Lkw setzt sich in Bewegung. Am Hügel ist jedoch nach nicht einmal der Hälfte der Steigung Schluss. So viel Seckler auch versucht den R 500 XT den kleinen Berg hinauf zu jagen, dass einzige, was er erreichen kann, ist das Durchdrehen der Räder. Er legt den Rückwärtsgang ein und fährt wieder zurück zur Ausgangsposition.

Im zweiten Anlauf aktiviert Seckler per Knopfdruck die hydraulisch angetriebene SAF Trak-Achse (sie wurde auf der IAA 2016 bereits mit dem Trailer Innovationspreis ausgezeichnet) mit integriertem Zusatzantrieb – das nun ein zusätzlicher Teil für Schubkraft sorgt, hört man allein am Sound des Kippsattelzuges. Alles, was Seckler bei der Nutzung nun noch beachten muss, ist, dass der Nebenantrieb und das System eingeschaltet sind, der Gang eingelegt ist und er mit dem Fuß auf dem Gaspedal steht. Das System schaltet dann das Umschaltventil im Trailer, das Kippventil und Air-Valve in der Zugmaschine sowie im Block Assist die Fahrtrichtung ein. Die SAF Trak erkennt die Fahrtrichtung automatisch und reagiert so selbstständig auf die Anforderungen: Wird das Fahrzeug abgebremst oder die von der Zugmaschinenhydraulik abhängige max. Geschwindigkeit überschritten, aktiviert die Achse automatisch den Free-Wheeling-Modus (dieser bezeichnet im Automobilbau eine Freilauf- oder Überholkupplung als Vorrichtung in einem Getriebe, die die Antriebswelle von der angetriebenen Welle löst, wenn sich die angetriebene Welle schneller als die Antriebswelle dreht). Reduziert sich die Geschwindigkeit, etwa durch mangelnde Traktion, schaltet sich der Antrieb selbst wieder zu. Zusätzlich überwacht das System die CAN-Signale, den ohmschen Widerstand der Kontrollleuchten des 3/2-Wege-Magnetventil in der Zugmaschine und der Ventile im Auflieger sowie den Druck und den Temperatur-Sensor, um sich ggf. abzuschalten, sollten die Werte problematisch werden.

Deutlich zu sehen: Der Reifen dreht durch, eine Weiterfahrt ist unmöglich.

Und so startet Seckler die "Operation Steigung bewältigen" erneut. Bereits beim Anfahren wird deutlich, dass sich der Scania-Lkw sehr viel leichter von der Stelle bewegen kann, mehr Traktion gegeben ist. Dieses Mal schafft es der Kippsattelzug fast bis zur Spitze des Hügels bis die Räder durchdrehen – gute 5 bis 6 m weiter als zuvor. Als Seckler mit dem R 500 XT wieder in die Ausgangsposition zurückgekehrt und aus der Maschine geklettert ist, erklärt er, dass bei dem System "natürlich physikalische Grenzen" gegeben seien: "Die neue Antriebskomponente ist hauptsächlich dafür gedacht, eine Traktionsverstärkung beim Anfahren zu liefern. Sie soll sozusagen einen Impuls geben, der dabei hilft, dass Fahrzeug bei schwieriger Bodenbeschaffenheit, bei Abladevorgängen oder eben bei Steigungen in Bewegung zu bringen." Aus diesem Grund schaltet sich das System auch automatisch ab, wenn eine bestimmte Geschwindigkeit überschritten wurde, aber auch wenn bspw. die Öltemperatur zu hoch ist oder anderweitig ein Fehler vorliegt.

Insgesamt, so Seckler weiter, bewirke die SAF Trak außerdem eine erhöhte Wendigkeit der Zugkombination bei Rangier- und Wendemanövern, v. a. wenn diese auf weichen, sandigen oder aufgeweichten Böden durchgeführt werden müssen. Ein weiteres Plus stelle zudem die Gewichtseinsparung dar. Die Ausrüstung mit der 245 kg schweren SAF Trak-Achse spare im Vergleich zum Allrad-Lkw einiges an Gewicht ein. Dies sei ein Vorteil, der durch den Entfall von Verteilergetriebe, Kardanwelle, Antriebswellen an der Vorderachse und sonstigen Allradkomponenten zustande und somit der Nutzlast und dem Kraftstoffverbrauch zugute komme.

Der R 500 XT, den Seckler an diesem Tag in Wedemark-Negenborn vorstellt, ist unbeladen. Mit Fracht – bspw. Sand oder Kies – befüllt, so der Experte, mache die zugeschaltete Achse beim Anfahren noch einen größeren Unterschied. "Die auf Wunsch für alle Scania Lkw-Baureihen verfügbare XT-Ausrüstung der Fahrzeugfront überzeugt mit vielen baurelevanten Detaillösungen, die das Prädikat 'Extra Tough' wahrlich verdienen und im harten Baustelleneinsatz zum Leben erwecken. Der Scania XT mit seiner modularen Bauweise ist ein robuster und starker Partner für unsere Kunden", so Seckler, Produktmanager und Press Test Officer bei Scania Deutschland Österreich.

Detailaufnahme: Die SAF-Trak.

Das markante XT-Design falle sofort ins Auge. Die 4 mm starke und um 150 mm hervorstehende Stahl-Stoßstange biete zuverlässigen Schutz für die entsprechenden Komponenten beim An- oder Durchfahren ungerodeter Baustellenareale oder beim versehentlichen "Andocken" an vergessenen Baumstümpfen. Schutzgitter an den Scheinwerfern und zusätzlich verstärkte Spiegelgehäuse schützen die XT-Baufahrzeuge beim Kontakt mit Gebüsch oder Ästen. Im Fall der Fälle komme auch die durchdachte mittige Anordnung der Abschleppvorrichtung zum Tragen, die bis 40 t Zuglast ausgelegt ist und vor dem Abschleppen kein Abladen der Fracht erforderlich macht. Laut Seckler werden sich die Fahrer über die sehr gute Fahrbarkeit, die gute Rundumsicht und die hochwertigen Ausstattungsmerkmale der neuen XT-Baufahrzeug Ausführung freuen.

Auf der diesjährigen bauma (Halle B4, Stand 312) wird Scania insgesamt fünf Baufahrzeuge ausstellen, darunter auch den Scania XT Muldenkipper. Eine weiteres Thema stellen auf der Messe vernetzte Motoren für Geräte, Fahrzeuge und Schiffe dar, die eine permanente Überwachung der Maschinen sowie optimierte Betriebs- und Einsatzzeiten ermöglichen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 14/2019.

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