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Schadstofffreie Materialien und Baustoffe

Wohngesundheit rückt stärker in den Mittelpunkt

Von Henry Thierschmidt

Der Wunsch nach mehr Individualität in den eigenen vier Wänden und nach gesundem Wohnklima wird immer stärker.

Rodgau-Dudenhofen. – Der Wunsch nach mehr Individualität in den eigenen vier Wänden und nach gesundem Wohnklima wird immer stärker. In den vergangenen zehn Jahren setzten immer mehr Bauherren und Investoren auf einen besonderen Aspekt in der ausführlich geführten Nachhaltigkeitsdiskussion: Wohngesundheit rückt stärker in den Mittelpunkt des Bauens. Hierzu gehören schadstofffreie Materialien, Baustoffe und deren gesundheitsschonende Verarbeitung genauso wie ein Wohnumfeld, das neben einer guten Luftqualität und ausreichend Grün ein lebendiges, soziales Miteinander bietet. Die Gesamtheit von Bautechnologie, Materialqualität und Lebensraum schaffen somit ein Wohnklima, das von innen wie von außen positiv beeinflusst werden kann.

In den Städten und Gemeinden, nicht nur in den gern zitierten übervollen und teuren Ballungszentren, wird so viel entwickelt, geplant und gebaut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das hat nicht allein mit dem "billigen" Geld zu tun, das aktuell zu Niedrigzinsen die Bauherren und Investoren lockt. Es liegt auch daran, dass das eigene Heim noch immer einen hohen sozialen Stellenwert genießt und junge, finanzkräftige Paare und Familien weiter auf ein eigenes Haus und Grundstück setzen. Doch erklärt dieser Sachverhalt nicht die kuriose Situation, dass momentan überproportional viel Geld für meist mittelmäßig ausgeführte Qualität verlangt wird. Die einzige Schlussfolgerung: der Bedarf ist so groß, dass sich trotz Qualitätseinbußen fast alles verkaufen lässt. Und vor allem für kurzfristige Investments war noch nie die bauliche Qualität entscheidend, sondern der möglichst hohe zu erzielende Mietpreis und eine üppige Rendite beim Weiterverkauf. Diese Denkweise rächt sich oft schneller, als gedacht. Sie führt zum Anstieg von Rechtsstreitigkeiten aufgrund von Bauschäden und geht zu Ungunsten der Nutzerzufriedenheit. Denn vor allem das Wohnklima in einem Wohngebäude ist entscheidend für die Zufriedenheit der Bewohner. Es setzt sich aus verschiedenen technisch bauphysikalischen und emotional subjektiven Teilaspekten zusammen. So sind neben der Diffusionsoffenheit der Außen- und Innenwände, einem ausreichenden Tageslichteinfall in die Räume und dem Einsatz möglichst schadstofffreier Rohstoffe auch Schall- und Lärmschutz und effektiver sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz hierfür verantwortlich.

Denkt man Wohngesundheit konsequent von "außen nach innen", ist die Konstruktion der tragenden Wände einer der obersten Punkte auf der Checkliste von Wohngesundheit und -zufriedenheit. Vor allem bei schnell und kostengünstig zu erstellenden Außenwänden, wird auf den Baustoff Beton, bzw. konstruktiv gesehen: Stahlbeton, gesetzt. Er bietet zugegebenermaßen einige Vorteile gegenüber einer z. B. konventionell gemauerten Außenwand aus Hochlochziegeln: die hohe Feuerwiderstandsfähigkeit, gute Trageigenschaften, schnellen Baufortschritt und große gestalterische Freiheit bei der Wahl der Dämm- und Bekleidungswerkstoffe. Jedoch ist weder die Regulierung der Raumluftfeuchte noch die Flexibilität für zukünftige Umbauten oder Anpassungen ähnlich gut wie bei einer Konstruktion aus tragfähigen und diffusionsoffenen Werkstoffen wie z. B. Kalksandstein.

Beton ist diffusionsdicht. Feuchtigkeit wird weder nennenswert auf- noch abgegeben (abgesehen von Baufeuchte nach der Errichtung). Das ist eine Herausforderung für die heute dicht verpackten Häuser und lässt sich oft nur mit teuren Anlagen zur kontrollierten Wohnraumlüftung meistern. Werkstoffe wie der Kalksandstein beeinflussen die Regulierung der Luftfeuchte aufgrund ihrer kapillaren Materialstruktur positiv. Auch kann Kalksandstein sowohl bei der wirtschaftlichen und schnellen Erstellung gegenüber Beton und Ziegel punkten, als auch bei der Flexibilität und Tragfähigkeit der Außenwände. Denn Kalksandstein bietet die Option, ein Bauwerk mit werkseitig konfektionierten Bausystemen zu erstellen, d. h. alle Passsteine der Wände werden im Lieferwerk maßgenau nach Plan gefertigt und zusammen mit Regelelementen sowie einem exakten Versetzplan an die Baustelle geliefert. Damit steigt nicht nur die Ausführungsqualität des Mauerwerks sondern auch die Sicherheit, dass die richtigen Materialgüten verbaut und die vorgesehenen bautechnischen/bauphysikalischen Eigenschaften der Wände sicher erreicht werden. Auch nachträgliche Änderungen oder Umbauten lassen sich im Gegensatz zu Wänden aus Beton einfach und wirtschaftlich vornehmen. Das erweist sich schnell als Gewinn für die Wohnqualität und bedeutet gleichzeitig einen nachhaltigen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz.

Der Wärmeschutz war mit dem Inkrafttreten der ersten EnEV im Jahre 2002 jene bauphysikalische Größe, mit der augenscheinlich die höchste Energieeinsparung möglich wurde – bei einem anfänglich moderaten Aufwand. Das hat sich gewandelt, denn allein mit Dämmmaßnahmen von Fenster, Wand, Boden oder Decke lassen sich die geforderten minimalen Energieverbräuche im Wohn- oder Gewerbebau nicht mehr realisieren. Lüftungsanlagen zur Wärmerückgewinnung und Systeme zur Eigenenergiegewinnung kamen in den Jahren nach 2002 hinzu. Der winterliche Wärmeschutz ist damit weitestgehend ausgereizt. Nicht weniger von Bedeutung ist der sommerliche Wärmeschutz. Außenwände aus Kalksandstein gewährleisten diesen durch ihre funktionsgetrennte Bauweise (Wärmedämmung und Tragstruktur sind als Einzelschichten ausgeführt) nachweislich besser als monolithische Ziegelaußenwände. Die maximalen Raumtemperaturen fallen deutlich niedriger aus, was zu weniger Übertemperaturgradstunden führt. Was so technisch klingt, hat einen spürbaren Mehrwert für den Bewohner: die Behaglichkeit in den Räumen während der warmen Sommermonate steigt spürbar. Die hohe Speichermasse und die Funktionstrennung der KS-Außenwand machen es möglich. Und nicht von ungefähr werden massive Wände aus Sandstein, technologisch gesehen das natürlich gewachsene Vorbild des Kalksandsteins, seit Jahrhunderten als ideale Kälte- und Wärmespeicher empfunden. Vor allem Hohlkammern oder Dämmstofffüllungen in Hochlochziegeln führen dazu, dass überschüssige Raumwärme schlechter aufgenommen werden kann, als bei einer homogenen KS-Konstruktion.

Ohnehin nimmt der sommerliche Wärmeschutz in unseren Breitengraden einen wachsenden Stellenwert ein. Den globalen klimatischen Verschiebungen und Temperaturveränderungen muss auch in unserer Region Rechnung getragen werden. Der sommerliche Wärmeschutz fließt daher in die Nachweise zur EnEV ein. Kalksandstein ist normativ als Baustoff mit verbindlichen Rochdichteklassen geregelt und gilt als sogenannte schwere Bauart. Für eine Außenwand mit separater Dämmung reicht daher der einfache Nachweis nach DIN 4108-2-2013-02. Das ist wesentlich schneller und einfacher als der detaillierte Nachweis, der oft bei der Ziegelbauweise gefordert wird. Sie ist als mittlere Bauart anzusehen.

Wohngesundheit und Wohnqualität werden entscheidend vom Zusammenspiel emotionaler und technischer Parameter bestimmt. Vieles davon ist mess- und nachweisbar, vieles beruht auf dem persönlichen Empfinden und dem ausdrücklichen Wunsch nach gesundem Wohnen und Leben. Die Natürlichkeit des Baustoffes Kalksandstein, der nur aus Kalk, Sand und Wasser besteht und das umweltfreundliche Herstellungsverfahren des "luftgetrockneten" KS-Steins sprechen nicht nur Allergiker und ökologisch handelnde Bauherren an. Die besonderen bauphysikalischen Qualitäten und die positive Herstellungsbilanz überzeugen, betrachtet man den Gebäudelebenszyklus ganzheitlich und nicht nur an die Erstellungskosten eines Hauses. Ökologisch und verantwortlich zu handeln, beginnt bereits im Kopf – ganz genauso, wie das Wohlfühlen und damit die Wohngesundheit.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 05/2019.

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