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Schal- und Rüstkonzept für Hauptstadt-Juwel

Clevere Schaltaktung gefragt

Hünnebeck, Architektur, Baustellen, Schalungstechnik

Mit dem Bauprojekt Sapphire in Berlin-Mitte realisiert Stararchitekt Libeskind sein erstes Wohnhaus in Deutschland. Die spektakuläre Optik des asymmetrischen Gebäudekörpers mit seinen Kanten, Diagonalen und Neigungen und speziellem Fassadenmaterial ähnelt einem Edelstein.

BERLIN (ABZ). - Selbst ungewöhnliche Betonstrukturen mit standardisiertem Schalmaterial herstellen:Darin liegt die Kompetenz einer gekonnten Schalungsplanung, eines detailliert durchdachten Schalkonzepts.

Beim Berliner Libeskind-Projekt Sapphire haben die Hünnebeck-Schalungsplaner gemeinsam mit der ausführenden Porr Deutschland GmbH ein perfekt abgestimmtes Schalungs- und Gerüstkonzept entwickelt, das den Bau der markanten Gebäudegeometrie ohne teure Sonderlösungen ermöglichte.

Mit dem Bauprojekt Sapphire in Berlin-Mitte realisiert Stararchitekt Daniel Libeskind sein erstes Wohnhaus in Deutschland. Der Anspruch: Wohnungen sollen Kunst im Alltag sein. Spektakulär ist allein schon die äußere Optik des exklusiven siebenstöckigen Gebäudes: ein asymmetrischer Gebäudekörper mit prägnanten Kanten, Diago-nalen und Neigungen – ähnlich einem Edelstein. Als Fassadenmaterial wird neben Glas ein besonderer Keramik-Titanium-Werk-stoff verwendet, der je nach Lichteinfall funkelt und schimmert.

Das außergewöhnliche Wohngebäude umfasst insgesamt 73 Wohnungen mit Grundflächen zwischen 36 und 169 m². Jede der 2- bis 4-Zimmer Wohnungen wird ein Unikat mit hochwertiger Innenausstattung und Balkon bzw. Terrasse. Exklusive Gemeinschaftsflächen wie ein mehr als7 m hohes Foyer, Dachterrasse, Innenhof und Fitnessbereich entsprechen einem hohen Anspruch an die Wohnqualität. Bewusst geschaffene Asymmetrien sowie der "immer wieder überwundene rechte Winkel" kennzeichnen die markante Gebäudestruktur und verlangen von den Rohbauern insbesondere bei der Wandherstellung einen besonders scharfen Blick. Die unterschiedlich geformten und zudem nicht selten gegenläufig geneigten Wandflächen müssen in einer ganz bestimmten Reihenfolge hergestellt werden. Trifft z. B. eine dreieckige Wand auf ein trapezförmiges Wandstück, lässt sich letzteres erst herstellen, sobald die dreieckige Wand steht. 

Hünnebeck, Architektur, Baustellen, Schalungstechnik

Um die Wände mit einer Systemschalung herstellen zu können, wurde im Vorfeld eine exakte Schalabfolge für alle Wandflächen entwickelt.

Hinzu kommt, dass einige Wände nach innen, andere nach außen geneigt sind. Eine echte Herausforderung an die Schalungsplaner, deren Fokus auf einer besonders baustellenpraktikablen und wirtschaftlichen Lösung galt. "Im Vorfeld haben wir deshalb gemeinsam mit der Hünnebeck-Projektentwicklung eine exakte Schalabfolge für die Wandflächen entwickelt, um diese möglichst wirtschaftlich mit einer Systemschalung herstellen zu können", berichten Bauleiter Dieter Böß und Polier Winfried Starke von der bauausführenden Porr Deutschland GmbH, Niederlassung Berlin. Diese clevere Schaltaktung ist letztlich der Schlüssel gewesen, um die außergewöhnlichen Wandgeometrien fast ausschließlich mit Standardmaterial aus dem Programm der Manto Großrahmenschalung herstellen zu können – ohne aufwändige Sonderschalungen.

Das umfassende Tafelsortiment der robusten Manto Schalung bietet elf Tafelbreiten zwischen 30 und 240 cm bei Tafelhöhen von 120, 270 und 330 cm. Hinzu kommen die so genannten Vielzwecktafeln sowie die XXL-Variante mit drei Formaten bis maximal 2,70 m x 4,80 m. Da sich alle Manto-Schaltafeln rasterlos beliebig mitein-ander kombinieren lassen – stehend und liegend, seiten- und höhenversetzt – ist eine hohe Einsatzflexibilität gegeben. Das kommt auf der Berliner Baustelle gut an. Ebenso wie die Robustheit des Manto Tafelverbundes – selbst im aufgestockten Zustand ist ein Betondruck von 80 kN/m² möglich. Aufgestellt wird die Wandschalung der beiden Hauptfassaden auf einem Lehrgerüst aus ID15 Rahmenstützen, H20 Konsolen und Bohlenbelag, das mit dem Gebäude in die Höhe wächst und nach dem Abschluss der Rohbauarbeiten auch als Arbeitsgerüst für die Fassadenbauer dienen wird. Dabei handelt es sich um einen Sondervorschlag der Hünnebeck-Schalungs-planer, den diese bereits in der Angebotsphase dem Bauunternehmen unterbreitet haben. Obwohl sie nur 1 m x 1 m in der Basis messen, bieten die ID15 Stützen eine hohe Tragfähigkeit von 200 kN pro Turm, eignen sich also hervorragend zum Ableiten der hohen Betonierlasten aus den Wänden.

Im Gegensatz zu einem normalen Fassadengerüst kommt das ID15 Gerüst ohne vorgegebene Höhenraster aus und ermöglicht es daher, in jedem der rund 3 m hohen Geschosse eine Gerüstlage exakt auf Höhe der Decke zu schaffen. "Mehr Flexibilität geht nicht. Bei einem konventionellen Rahmengerüst habe ich alle 2 m feste Gerüstlagen, und selbst ein Modulgerüstsystem wie zum Beispiel unser Modex gibt feste Abstände vor. Mit den ID15 Türmen können wir uns hingegen bei der Gerüstmontage jeweils genau nach der vorgegebenen Geschosshöhe richten", erklärt der baubetreuende Hünnebeck-Ingenieur diese maßgeschneidert an die Baustellenbedingungen angepasste Gerüstlösung. Soviel Flexibilität kommt auch den Fassadenbauern gerade recht. Speziell für sie wurde die Gerüstkonstruktion bereits im Vorfeld hinsichtlich der Verankerungen so optimiert, dass die Fassadenarbeiten von möglichst wenigen Störstellen behindert werden.

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Zeit- und kostensparender Vorschlag der Hünnebeck-Schalungsplaner: Das Lehrgerüst aus ID15 Rahmenstützen, das die Wandschalung der beiden Hauptfassaden trug, dient auch als Arbeitsgerüst für die Fassadenbauer. Links im Bild sieht man bereits einen Teil der Fassadenverkleidung aus Keramik-Titanium in dem Bemusterungsobjekt.

Für die Herstellung der in wechselnde Richtungen extrem stark geneigten letzten Geschossdecke entwickelten die Schalungsplaner ebenfalls eine besonders wirtschaftliche Sonderlösung, an der wiederum ID15 Rahmenstützen beteiligt sind: Um den extrem starken und teils gegenläufigen Neigungsverlauf der Dachdecke herstellen zu können, werden zunächst unterschiedlich hohe Arbeitsplattformen hergestellt (unterstellt mit ID15).

Hierauf werden dann konfektionierte Holzträgerböcke gestellt, die mit unterschiedlichen Höhen dem gewünschten Deckenverlauf exakt angepasst sind und die Deckenschalung (Topflex Holzträgerschalsystem) tragen. Mittlerweile sind die Rohbauarbeiten am neuen Hauptstadt-Juwel fast abgeschlossen – ohne besondere Vorkommnisse und Zeitverzögerungen. Nicht zuletzt ein Verdienst der gemeinsam von Porr und Hünnebeck entwickelten baustellengerechten Schallösungen. "Eine rundum gelungene Baustelle", so das einhellige Fazit der Beteiligten.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 35/2015.

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